Sonntag im ORF

Ruth Klügers Landschaften der Erinnerung

28. Oktober 2011, 17:03
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    foto: orf/navigator film

    Ruth Klügers unbändig starker Wille zum Weiterleben im Filmporträt zum 80. Geburtstag.

Zum 80. Geburtstag zeigen ORF und Viennale am Sonntag ein Porträt der Schriftstellerin - Renata Schmidtkunz begleitete Ruth Klüger durch Lebensräume zwischen Kalifornien, Deutschland und Österreich

Wien - Ruth Klüger sitzt in der Maske. "Und die Haare?" , fragt die Stylistin. "Mit denen ist wenig anzufangen" , sagt Klüger mit kritischem Blick. "Ich könnte sie Ihnen aufföhnen" , schlägt die Stylistin vor. Klüger stimmt zu und hält sofort inne: "Was für ein Wort haben Sie verwendet?"

Bereits in der Anfangsszene von Renata Schmidtkunz' Film Landschaften der Erinnerung - Das Weiterleben der Ruth Klüger drückt sich die weise Aufmerksamkeit der Ruth Klüger aus: Sich und das Umfeld wahrzunehmen und aus beidem zu schöpfen.

Das ist nicht selbstverständlich. In einem Filmporträt über Martin Walser (Eine Deutschlandreise, 2002) sitzt der Autor wie Klüger bei der Visagistin. Walser sieht im Spiegel nur sich und besteht darauf, das Haar zu glätten: "Das was absteht, machen wir weg" sagt er. Zu sehen war ein Schriftsteller in jenen Zwischenräumen, in denen sich Walser nach seiner Friedenspreisrede 1998 verbannt sah. Klüger brach mit ihrem Freund schweren Herzens, aber in Gewissheit, das richtige zu tun.

Dieser unbändig starke Wille zum Wahrhaften beeindruckt im Porträt zum 80. Geburtstag. Nach 2005 begleitete Renata Schmidtkunz Klüger ein zweites Mal durch ihre Lebensräume: Daheim in Kalifornien oder in Europa. Ihre Diagnose 2011 beunruhigt: "In Deutschland meinen die Leute immer, dass ich ihnen eine Last aufbürden will. In Österreich ist es das gleiche, nur dass man sich mehr wehrt gegen die Möglichkeit schuldig gewesen zu sein." (prie, DER STANDARD; Printausgabe, 29./30.10.2011)

Hinweis
"Landschaften der Erinnerung - Das Weiterleben der Ruth Klüger": Sonntag, 0.00, ORF 2 und bei der Viennale Sonntag, 18.00 im Gartenbau-Kino. Danach spricht Klüger mit Peter Huemer und am 2. 11., 18.30, Künstlerhaus.

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carboniferous
08
30.10.2011, 09:20

na super sendezeit, danke orf.
diese frau hätte sich prime time im orf1 verdient, mindestens

Jujilla
02
29.10.2011, 20:01

freu mich auf den film, ruth klüger ist eine besondere frau, die sich die mühe macht, uns immer wieder mit ihrem kritischen blick von außen auf unsere Schwächen aufmerksam zu machen.

Franzerl1
141
28.10.2011, 22:30

und die millionste aufwärmung dieser thematik...

askim
00
31.10.2011, 16:28

und es wird noch öfter 'aufgewärmt' werden, weil es immer wieder faschistische und (neo-)nazistische strömungen gibt, denen es entgegen zu wirken gilt und weil in manchen köpfen sich immer noch der opfer-mythos hält. eine permanente beschäftigung mit der thematik kann helfen zukünftige, ähnliche entwicklungen vorzubeugen.

wenn Sie dieses thema nicht interessiert, dann blenden Sie es aus! verdrängen Sie die unangenehme vergangenheit und seien Sie offen für neue entwicklungen, die vielleicht wieder in eine ähnliche, menschenvernichtende richtung gehen!

Wilhelm Exner
13
28.10.2011, 17:52
Dank an Renata Schmidtkunz

Welch ein Glück, dass es eine Journalistin und Filmemacherin wie Renata Schmidtkunz gibt! Klug und engagiert, wohltuend subjektiv und authentisch, unterscheidet sie sich von all jenen, die sich hinter einer vermeintlichen "Objektivität" verstecken. Sie hat eine wunderbare Gabe, besondere Menschen einem größeren Publikum nahezubringen.

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