"Quantum an Talkshows abgedient"

28. Oktober 2011, 17:02
  • Artikelbild
    foto: standard/fischer

    Peter Huemer

Das Gespräch mit Ruth Klüger bei der Viennale am Sonntag führt Peter Huemer - Beim ORF gilt für den ehemaligen "Club 2" -Chef und Mitinitiator von "SOS ORF" das Prinzip Hoffnung

STANDARD: Ihr Eindruck von ORF 3?

Huemer: Ich meine, dass es die Verpflichtung des ORF gibt, im Hauptprogramm Kultur und Wissenschaft zu zeigen. Angesichts der derzeitigen Programmstruktur des ORF ist der Spartensender sicherlich ein Gewinn.

STANDARD: Teilen Sie Befürchtungen, wonach mit ORF 3 die Kernprogramme "privater" werden?

Huemer: Das wäre verrückt. Kreuz und quer nur noch auf ORF 3 zu zeigen, wäre ein Schuss ins Knie.

STANDARD: Parlament und Bundesrat im TV - "Inside Brüssel" versammelte zum Auftakt alle EU-Parlamentarie. Schaffen sich die Parteien mit ORF 3 ein neues Podium?

Huemer: Raimund Löw ist ein hoch qualifzierter Journalist. Ich bin sicher, er legt das anders an.

STANDARD: Wie beurteilen Sie den ORF im Oktober 2011?

Huemer: Für mich gilt das Prinzip Hoffnung. Wenn das öffentlich-rechtliche sich auf die private Konkurrenz einlässt, wird der ORF in der Form kaputtgehen.

STANDARD: Was tun?

Huemer: Der ORF hat unter der Ära Lindner einen gewaltigen Imageverlust erlitten. Es ist nicht gelungen, das Ansehen zu reparieren. Das halte ich für eine ganz schwierige Situation. Denn das Programm von ORF 2, ist besser als sein Ruf.

STANDARD: SOS ORF zu wiederholen, lehnten Sie ab. Weil der ORF nicht zu retten ist?

Huemer: Ich würde behaupten, die Wiederwahl war ästhetisch kein gelungener Akt. Ich wurde gefragt und sagte: Es hat keinen Sinn. Wir kriegen nicht die qualifzierte Mehrheit.

STANDARD: Fernsehen gilt ohnehin als Auslaufmodell. Hat der ORF-Zukunftschancen?

Huemer: Es könnte sein, dass das Fernsehen sich mehr und mehr in den Weiten des Netzes auflöst. Ich glaube trotzdem nicht, dass eine Verdrängung stattfindet. Der ORF wird nur nicht mehr größte Medienorgel des Landes sein.

STANDARD: Schauen Sie regelmäßig "Club 2?

Huemer: Selten. Ich habe in meinem Leben mein Quantum an Talkshows abgedient. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 29./30.11.2011)

PETER HUEMER (70) war von 1969 bis 2002 beim ORF, leitete den "Club 2" bis 1987, danach auf Ö1 "Im Gespräch". Er war Mitbegründer von "Rettet den ORF" und "SOS ORF". Im Wiener Stadttheater Walfischgasse führt er monatliche Gespräche, erstmals Sonntag um 11 Uhr mit Barbara Preytler (Heimayat) und Menschenrechtsexperte Manfred Nowak.

Zum Thema
Ruth Klügers Landschaften der Erinnerung - Zum 80. Geburtstag zeigen ORF und Viennale am Sonntag ein Porträt der Schriftstellerin - Renata Schmidtkunz begleitete Ruth Klüger durch Lebensräume zwischen Kalifornien, Deutschland und Österreich

RAU TV
"Ich habe den Endsieg der Nazis nicht vorangetrieben" - Schriftstellerin Ruth Klüger über ihre Zeit in Auschwitz und den abnehmenden Rassimus in den USA unter Obama

muppetbasher
00
28.10.2011, 20:47
OK! Lindner war schon ziemlich schwach!

Aber Zeiler war der Todesschuss für den ORF!

krikri
00
29.10.2011, 03:24

zeiler war vor lindner

Eduard-Barry Umlauf
 
14
28.10.2011, 18:35
Mein Gott, wo sind ...........

die Club 2's von Peter Huemer? Ich finde nichts fürchterlicher, als ewige Grantler, die einem ständig mit der Vergangenheit in den Ohren liegen. Doch diesmal, muß ich meine Grundsätze über Bord werfen und eine Homage auf Peter Huemer starten. Dieser Mann verstand es wie kaum ein anderer Journalist, seine Gesprächspartner auf eine Gesprächsebene zu führen, wo dieser sich wohl fühlte und in einem heimelnden Ambiente munter drauf los plauderte. Huemer war nie anschmeißerisch, beleidigend, agressiv oder egomanisch. Im Mittelpunkt standen immer seine Gäste.

CrangerMan
11
28.10.2011, 18:14

Es wäre alles andere als verrückt, kreuz und quer nur auf ORF 3 zu senden. Ich finde, der ORF zeigt in seinen Vollprogrammen unnatürlich viele Religionssendungen.

Karinkoller
00
29.10.2011, 10:56
"Religion und Wissenschaft"

ist einer der Thementage (Mittwoch) auf ORF 3. Offenbar glaubt man, das gehöre zusammen ( http://karinkoller.wordpress.com/2011/10/2... t-orf-iii/ ). Im Vorabendprogramm liegt jeden Tag der Schwerpunkt auf Brauchtum und Landschaft.
Die Hoffnung, dass ORF 3 es schafft, den täntchenhaften Kulturbegriff der Bildungsbürger zu entstauben, ist sehr gering.
Die Frage bleibt, ob man immer zufrieden sein muss, mit zaghaften Verbesserungen, oder ob man eine modernere Darstellung der heimischen Kultur fordern sollte.

krikri
11
29.10.2011, 03:28
Ö1

da waren sie noch nicht auf der ö1 programmseite -
das ist der reinste wahnsinn, was es da täglich für religionssendungen gibt - ich bin clubmitglied, downloader, absoluter fan von ö1 - deshalb regts mich ja so auf...

Brel
14
28.10.2011, 17:20

Sich nach vielen Jahren auf die "Ära Lindner" auszureden" ist ein bisschen schwach, Herr Huemer!

Sigmund_Marx
01
28.10.2011, 17:08

"Fernsehen gilt ohne als Auslaufmodell". Ach ja? Wo denn? Bei wem? Bei Printjournalisten? Spannend.

Captain Oglu
00
30.10.2011, 11:09
ganz schön "schitzo", die TV Redakteurin des Standard

sieht ihr Ressort als Auslaufmodell....
Wenn da nicht Print vorher abdankt? Vielliecht geht prie dann eben zum ORF.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.