Das Glück liegt auf der Straße

28. Oktober 2011, 18:37
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Nach einem legendären Rennpferd benannte Hermes Paralluelo seinen ersten Langfilm

In "Yatasto" sind die Einhufer zugleich essenzieller Lebensinhalt wie auch Wunschobjekt der Jugend in Córdobas Elendsvierteln.

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Starr ist die Kamera vor dem Kutschbock montiert, Ricardo, Bebo und Pata stets im Blick behaltend. Die drei Burschen, zehn, vierzehn und fünfzehn Jahre alt, leben zwar im argentinischen Córdoba, interessieren sich aber dennoch wenig für die österreichische Fußballgeschichte. Mit dem Pferdekarren fahren sie durch die Stadt, um zu betteln oder Müll zu sammeln. In ihrer Heimat kennt man sie und ihre Kollegen als "cartoneros".

Mit Yatasto hat der 1981 in Barcelona geborene Hermes Paralluelo die jugendlichen Müllsammler ins Zentrum seines ersten Langdokumentarfilms gestellt. Besonders markant sind dabei ebenjene Passagen, in denen er sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück ihres Weges begleitet. Ob es sich bei der gerade durchruckelten Gegend um das heimatliche Elendsviertel, eine mehrspurige Autostraße oder um die begrünten Bezirke betuchterer Bürger handelt, die Gesichter der Jugendlichen bleiben ebenso unverändert wie ihre Späße und Träume, wie das stete Geklapper der Hufe.

Wenn sie gerade nicht arbeiten, hegt Pata das Pferd, das ihm seine Eltern schenkten, um ihn von Drogen fernzuhalten. Bebos Pferd ist hingegen verschwunden, schuld ist für ihn der nachlässige Vater. Ricardo wiederum plant einen Ausflug nach Santiago del Estero, um mit seinem zumeist abwesenden Erzeuger zu fischen.

Diese Reise zeigt der Film ebenso wenig wie das Betteln der Kinder. Es sind vielmehr die Phasen zwischen den großen Ereignissen, die Paralluelo einfängt. Dabei begegnet er den Porträtierten so nüchtern wie diskret. Yatasto ist kein Betroffenheitskino, vielmehr öffnet der Film ein Fenster, um einen Ausschnitt aus dem Alltag der Armen freizulegen.

Auch wenn Paralluelo Momente des häuslichen Lebens filmt, bleibt die Kamera zumeist unbewegt, lässt dabei die Gesichter der Akteure auch gerne im unsichtbaren Außen. So lernt man neben verantwortungsbewussten Mütterchen auch Dámaris, Ricardos Schwester, kennen, die ihren Schulabschluss machen möchte, um Polizistin zu werden und den Vater wegen Trunkenheit zu verhaften. Ricardo selbst hält von der Schule nicht viel, ihn ziehe es mehr auf die Straße, nur dort fühle er sich frei. (Dorian Waller, DER STANDARD - Printausgabe, 29./30. Oktober 2011)

  • 29. 10., Stadtkino, 13.00
  • 30. 10., Urania, 21.00
  • Nur ein kurzer Rollentausch. Anders als auf dem Bild ist es in Hermes 
Paralluelos "Yatasto" dann doch meist das Pferd, das die argentinische 
Jugend durch die Gegend ziehen muss.
    foto: viennale

    Nur ein kurzer Rollentausch. Anders als auf dem Bild ist es in Hermes Paralluelos "Yatasto" dann doch meist das Pferd, das die argentinische Jugend durch die Gegend ziehen muss.

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