Leichte Kost in harten Zeiten

31. Oktober 2011, 06:15
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Sparen als Gebot der Stunde: Die Banken laden auch heuer traditionell zum Weltspartag in die Filialen

Sparen ist das Gebot der Stunde. Staaten tun es, ganz Europa tut es. Gäbe es ihn nicht schon, so wäre jetzt eine gute Zeit, den Weltspartag zu erfinden. Auch heuer wird er wieder am 31. Oktober zelebriert. Mit Angeboten und kleinen Geschenken locken heimische Banken ihre Kunden in die Filialen, um bei einem Kaffee oder einem Gläschen Sekt über Geldsorgen zu plaudern.

In Zeiten wie diesen wird da wohl auch Platz für das eine oder andere Gespräch über die Krise und den Anteil der Banken an derselben sein. Denn während Banken sich gegebenenfalls mit Milliarden-Verlusten und dem gestiegenen Kapitalbedarf als Ergebnis des jüngsten Euro-Gipfels herumschlagen, wollen die meisten Bankkunden einfach nur ihre Notgroschen in Sicherheit wissen. Sparbuch, Bausparer, Girokonto, vielleicht noch ein Fonds oder die eine oder andere Aktie, das steht in Österreich nach wie vor ganz oben.

Sparbuch vs. Finanzuniversum

Längst schon haben die Bankkunden aber den Überblick über die unendlichen Weiten des Finanzuniversums und deren schwarze Löcher verloren. CDS, CDO, Zertifikate, Derivate, Hedge-Fonds, Subprime. Die meisten halten sich schon für gut informiert, wenn sie wissen, wofür die Abkürzungen oder Begriffe stehen. Was dahinter steckt und wie es funktioniert, daran scheitert mittlerweile so mancher Experte. Es wundert also wenig, dass das Sparbuch noch immer die Nummer eins unter den Anlageformen in Österreich ist. Auch wenn die Ausbeute mitunter sehr mager ausfällt.

Österreich lud 1925 zum ersten Mal flächendeckend in die Banken, ein Jahr davor haben es die Italiener vorgemacht. Hohe Inflationsraten haben in der Bevölkerung das Vertrauen in die Stabilität des Geldes gedämpft, Sparen ist sich kaum ausgegangen. Das mit dem Misstrauen ist aktueller denn je, und auch die Inflation ist seit längerem wieder am aufsteigenden Ast, Sparen vor allem für die Staaten durchaus en vogue. Ökonomen aller Richtungen weisen aber auch immer wieder darauf hin, dass Sparen auch die Wirtschaft abwürgt und deren Wachstum bremst.

Konsum vs. Sparen

Denn Sparen und Konsumieren sind ein ewig zeterndes, unstetes Paar. Das eine lässt das andere in den meisten Fällen nicht zu. Und dabei ist egal, welches das eine und welches das andere ist. Den Banken ist es nicht egal, auch wenn sie den Großteil ihrer Gewinne mittlerweile nicht mehr aus dem traditionellen Bankengeschäft ziehen. Dieses Jahr sollten Sparkunden aber davon profitieren, dass die Banken zur Verbesserung ihrer Bilanzen (Loan-Deposit-Ratio) einander Kunden abzujagen versuchen. Denn all die Investments und die großartigen Geldvermehrungsprodukte und -konstrukte haben einen schweren Schlag abbekommen, reißen mit Abschreibungen tiefe Löcher in die Bank-Bilanzen und bleiben in einem ungewissen Umfeld auch weiterhin Risikoposten.

Für die tendenziell eher risikoscheuen Österreicher werden daher auch heuer wieder pünktlich zum Weltspartag etwas besser verzinste Sparbücher, gebundene wie täglich fällige, angeboten, um die Kunden entweder bei der Stange zu halten oder sie von anderen Banken abzuwerben. Dem Sparer wird's wohl mehr oder weniger egal sein, ob er 1,5 oder 1,75 Prozent auf seine Spareinlagen bekommt. Durchschnittlich legt der Österreicher 168 Euro pro Monat auf die Seite, reich wird man damit sicher nicht. (Daniela Rom, derStandard.at, 31.10.2011)

  • Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. (Sumsi aus dem Jahr 2010)
    foto: derstandard.at

    Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. (Sumsi aus dem Jahr 2010)

  • Manchmal auch etwas Praktisches: Bürste eingesandt von Userin Creabea.
    foto: creabea

    Manchmal auch etwas Praktisches: Bürste eingesandt von Userin Creabea.

  • Ebenfalls eingeschickt von Creabea, ein Täschchen aus den 1980ern.
    foto: creabea

    Ebenfalls eingeschickt von Creabea, ein Täschchen aus den 1980ern.

  • Ein Erinnerungsstück von einer Kollegin aus der Reise-Redaktion.
    foto: derstandard.at

    Ein Erinnerungsstück von einer Kollegin aus der Reise-Redaktion.

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