Biedermeier oder Revolution?

1. November 2011, 17:50
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    foto: verlag

    Frau Johannas Biedermeier-Kochbuch
    Andrea Karrer, Johannes Hradceny
    213 S., € 24,90
    Residenz 2011,

Es tut gut, sich ein neues, altes Kochbuch näher anzusehen, das faszinierende alte Biedermeier-Rezepte in neuem Licht betrachtet

Ob wir tatsächlich in einem neuen Biedermeier leben, ist heiß umstritten. Klar, die Sehnsucht nach Rückzug aus der grauslichen Welt, wo Krieg und Krise herrschen und der Blick auf die Akteure der Politik einen mit Verzweiflung erfüllt, spricht dafür.

Auch, dass auf die Umwelt- und Naturkatastrophen mit Rückzug ins Private, mit der Besinnung auf qualitätvolle Lebensmittel und ähnliches mehr reagiert wird, deutet in diese Richtung: Viele wünschen sich eine kleinere, überschaubare Welt - oft auch eine, in der es einfache Antworten auf komplexe Probleme gibt.

Anderseits könnte das weltweite Aufbegehren, die Wiederentdeckung der Protest- und Demonstrationskultur, ob in Ägypten oder der Wall Street, schon auch einen Aufbruch aus dieser qualvollen selbstverordneten Lähmung signalisieren, hin zu mehr Bürgersinn und Verantwortung. Zu schön, um wahr zu sein?

In einem wie im anderen Fall tut es gut, sich ein neues, altes Kochbuch näher anzusehen, das faszinierende alte Biedermeier-Rezepte in neuem Licht betrachtet. Neben dem Originalrezept, etwa für "Estahahase-Roßbraten" (sic!), wird jeweils eine zeitgemäß adaptierte Version präsentiert. Falls die Revolution noch auf sich warten lässt, kann man zumindest etwas Ordentliches zu essen machen. (Severin Corti, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2011)


Kommentar posten
16 Postings
tipster
00
4.11.2011, 21:29
Ab 1815 bis vor der Revolution 1848

Biedermaier

Chien de Pique
00
2.11.2011, 13:44

Andrea Karrer, nicht Harrer (Text zum Bild).

tipster
01
1.11.2011, 22:17
Herr und Frau Biedermeier

aßen gut und gern!

Lilly Rush
 
00
2.11.2011, 13:29

Vielleicht weils eines der wenigen Dinge war, die damals erlaubt waren?

Vayav indrasca
11
4.11.2011, 13:19

Damals war weniger verboten als heute, wo der Mensch Tag und Nacht geschützt, unterstützt und betreut wird.
Schöne alte Welt!

tipster
11
4.11.2011, 21:44
Idyllisch

Dreimäderlhaus
und Schwammerl mit Syphilis.

Lilly Rush
 
00
4.11.2011, 14:03

Ja sowieso!
Das Biedermeier war super und die Frauen durften studieren und hatten Wahlrecht und es gab volle Presse und Meinungsfreiheit!

Vayav indrasca
42
4.11.2011, 14:18

Aha, da meldet sich wohl der moderne Supermensch, egal ob Männlein oder Weiblein (das Geschlecht wird ja gerade abgeschafft)

– der 4 Stunden am Tag joggt, nix raucht, nix trinkt, nur Pflanzen und Pillen frisst, sich auf Flughäfen bis auf den Slip filzen lässt, permanent von Kameras überwacht wird, von der Bank bis zum Einkaufszentrum auf Securities trifft, und wenn er sich einmal in den Finger geschnitten hat, sofort vom psychologischen Betreuungsteam kassiert wird ...

Gratuliere zu dieser Welt. Ich bevorzuge das Biedermeier.

Lilly Rush
 
20
4.11.2011, 14:24

Ihr Post ist so schwindlig, das zahlt sich gar nicht aus, darauf was zu antworten.

Vayav indrasca
21
4.11.2011, 14:49

statt mein Post als "schwindlig" zu charakterisieren (was soll das überhaupt heißen, ich weiß es jedenfalls nicht – ein Schwindel? mir wird dabei schwindling? - egal!)

statt dessen sollten Sie sich besser bemühen, mit Fakten dagegen zu argumentieren. Das macht man heute so und hat man auch im Biedermeier so gemacht (und sogar schon im Altertum, seit Sokrates).

Lilly Rush
 
20
4.11.2011, 15:14

Nix für ungut:
Von mir ist das Rotstricherl nicht bevor ich wieder überall die Masern bekomme.

tipster
10
2.11.2011, 20:14

Den gut Situierten immer!

Lilly Rush
 
10
2.11.2011, 21:55

Bei Biedermeier assoziiert man sowieso Bürgertum.

tipster
10
4.11.2011, 19:26
Herr und Frau Biedermeier:

treuherzig, einfach, kleinbürgerlich

Lilly Rush
 
10
4.11.2011, 23:04

Die haben halt das Beste aus ihrer Situation gemacht.

tipster
10
5.11.2011, 10:10

Vor allem am Land gab es nur Plackerei zeitlebens,
von Herrn Biedermeier keine Spur, außer Leute wie Schwammerl (Franz Schubert) und Schilcherl (Anselm Hüttenbrenner) kamen aus der Stadt (in diesem Fall Graz) auf einer Landpartie vorbei, um bei deftiger Brettljause Schilcher zu trinken.

Have a nice weekend!

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