Südtiroler Permafrost-Region untersucht

28. Oktober 2011, 12:39

Projekt "Ortler Ice Core" soll über mindestens drei Jahre laufen

Bozen - Beim Wort "Permafrost" werden die meisten an die arktische Tundra denken, doch in höheren Lagen gibt es entsprechende Böden auch in unseren Breiten. Eine solche Region wird nun im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes "Ortler Ice Core", bei dem die Südtiroler Klimageschichte rekonstruiert werden soll, untersucht. Dafür wurden am Ortlermassiv Messgeräte zur Permafrost-Überwachung installiert. Die Instrumente sollen ab dem nächsten Jahr und für die Dauer von mindesten drei Jahren Daten liefern, um die Entwicklung des Permafrosts im Hochgebirge zu untersuchen, teilte das Landesamt für Geologie mit.

Seit Herbst dieses Jahres ist unter der Koordination des Byrd Polar Research Center (BPRC) der Ohio State University (OSU) und des Hydrographischen Amtes ein internationales Netzwerk aus italienischen, amerikanischen und österreichischen Instituten am Projekt "Ortler Ice Core" beteiligt. Vor rund drei Wochen wurden die Eiskernbohrung am Oberen Ortler-Ferner abgeschlossen. Die gewonnenen Bohrkerne könnten nun in den Laboratorien der OSU-BPRC und den Universitäten von Venedig und Innsbruck chemisch und physikalisch untersucht werden, hieß es.

Sensoren-Netzwerk

Im Zuge des Permafrostmonitoring wurden am Ortlermassiv zahlreiche Sensoren installiert. Unter anderem wurden am 3.905 Meter hohen Gipfel zwei Temperatursonden im Fels angebracht, ebenso am Vorgipfel (3.845 Meter), am Lombardi Biwak (3.319 Meter) und an der Hintergratscharte (3.212 Meter). Diese Geräte würden die Temperatur des Felsens messen und diese stündlich registrieren. Zudem wurde an der Hintergratscharte mittels einer Dampfbohrsonde ein zehn Meter tiefes Loch ins Eis gebohrt und wie auch am Oberen Ortler-Ferner eine Thermistorenkette eingebaut, die stündlich und in verschiedenen Tiefen die Temperatur des Eises messen könne.

Die gemessenen Daten werden vor Ort automatisch gespeichert und sollen in Zukunft zweimal im Jahr abgelesen werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Permafrostforschern, die anhand von Modellen arbeiten, werde bei diesem Projekt vor allem an Ort und Stelle gemessen. Anhand der gemessenen Daten könnten dann Simulationen erstellt werden, um die Entwicklung des Permafrosts darzustellen. (APA/red)

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