Mission bunter Hund

28. Oktober 2011, 17:32
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Blau & Scheibl eint die Liebe zu Schmuck - Beim bevorstehenden Messeauftritt stellen sie Unikate aus Glasperlen in den Mittelpunkt

Der Vorname Elisabeth ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: Einig sind sich Lisi Blau und Sissi Scheibl etwa in ihrer Liebe zu Schmuck, der sie am Lobkowitzplatz frönen. Rechter Hand ein bekannter Emailschmuckproduzent, linker Hand ein auf bildende Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts spezialisierter Kunsthändler - und in der Mitte das Duo, das über genannte Passion zueinanderfand. Damals in den frühen 1990ern, als man auf kleinen Antiquitätenmessen in den Bundesländern zu handeln begann, die eine dann ihr Geschäft in der Schönlaterngasse eröffnete und die andere schließlich ihren Zivilberuf als AHS-Lehrerin aufgab.

1998 bezogen die beiden in Sichtweite zur Albertina und dem Dorotheum ihr Quartier, einem Architekturjuwel der späten 1980er-Jahre. Um die Ecke im Gasthaus Reinthaler hatte Carl Pruscha dem damaligen Bauherrn Patrick Kovacs die ersten Ideen zu diesem Geschäftsstandort auf eine Serviette skizziert. Ein knappes Jahrzehnt residierte Kovacs dann in jener urbanen Zelle, die genauso gut eine Einkaufsstraße in Mailand oder New York zieren könnte. Dann kamen Sissi und Lisi, füllten die Vitrinen mit Modeschmuck der 1930er-Jahre, farbfröhlichem Putzwerk aus Bakelit, dazu Korallengeschmeide und Perlengarnituren oder Bijouterie aus der Zeit des Biedermeier. Zwischendrin Kunstgewerbe, Silberleuchter und Messerbänkchen, Glasaufsätze und Keramik-Kreationen von Walter Bosse, Goldscheider, Anzengruber und Keramos, Aufputz in erweiterter Form quasi, ein Eldorado für Zierwerk insgesamt.

Ästhetik siegt über Material

Per Eigendefinition sehen sie sich als bunten Hund, vielleicht nicht so bekannt wie der redensartliche, allein in puncto offerierter Sortimentsvielfalt jedenfalls. Aber im Umbruch, tönt der Nachsatz im Duett. Der Geschmack der Klientel habe sich geändert, alter Schmuck ist derzeit kaum gefragt und dabei auch nur einen Griff zur Lade entfernt. Die 60er- und 70er- Jahre hielten entsprechend der Nachfrage Einzug, ergänzt um Eigenkreationen aus der zugehörigen Goldschmiedewerkstatt.

Mit Ausgefallenem oder Unikaten - nicht selten ist der Materialwert dem Design dabei untergeordnet - könne man derzeit besser punkten. Und in dieser Liga bereiten Blau & Scheibl für die Wikam (Wiener Internationale Kunst- und Antiquitätenmesse, 4.-13. 11.) eine besondere Präsentation vor: Konkret Glasperlen-Arbeiten (zu Preisen von 1450 bis 14.900 Euro) von Jacqueline Lillie, Absolventin der Hochschule für angewandte Kunst in den 1960ern, deren Exponate internationale Museumssammlungen wie jene des New Yorker Metropolitan oder des Mak in Wien schmücken. (kron, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 29./30. Oktober 2011)

  • J. Lillie: Glasperlengeschmeide für Anspruchsvolle.
    foto: petr dvorak

    J. Lillie: Glasperlengeschmeide für Anspruchsvolle.

  • Seit 1998 residieren Sissi Scheibl (li.) und Lisi Blau (re.) mit ihrem Programm am Lobkowitzplatz.
    foto: standard/robert newald

    Seit 1998 residieren Sissi Scheibl (li.) und Lisi Blau (re.) mit ihrem Programm am Lobkowitzplatz.

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