Unerfüllter Kinderwunsch

Frauen leiden mehr als Männer

28. Oktober 2011, 12:26
  • Artikelbild
    foto: apa/waltraud grubitzsch

    Die Teilnehmer der Studie haben die Hilfe der Reproduktionsmedizin nicht in Anspruch genommen.

Wie gehen Menschen mit unerfüllten Wünschen um? - Ein psychologisches Forschungsprojekt untersucht, welche Bewältigungsstrategien am besten helfen

Frankfurt - Ein über viele Jahre unerfüllter Kinderwunsch ist für Betroffene mit Schmerz und Selbstzweifeln im Wechsel mit Hoffnung und Sehnsucht verbunden. Frauen leiden darunter stärker als Männer, so das Ergebnis einer Studie am Fachbereich Psychologie der Goethe-Universität. Untersucht wurden nicht nur das Befinden der Befragten, sondern auch ihre Strategien, mit dem unerfüllten Wunsch umzugehen (Coping-Strategien). Als hilfreich erlebten die Betroffenen die Unterstützung aus dem sozialen Umfeld. Bei der Verarbeitung der Situation war für Befragte, die den Wunsch noch nicht endgültig aufgegeben hatten, die emotionale Verarbeitung der Situation wichtiger als die kognitive. Auch persönliche Einstellungen spielen eine Rolle. Hier hat Flexibilität bei der Lebensplanung den größten Einfluss auf das Wohlbefinden.

An der Studie nahmen 68 Personen teil, die entweder einen langandauerndem unerfüllten Kinderwunsch hegten oder die Hoffnung auf Nachwuchs bereits aufgegeben hatten. Bedingung war, dass sie mindestens drei Jahre ihren Kinderwunsch verfolgt hatten, ohne die Hilfe der Reproduktionsmedizin in Anspruch zu nehmen. „Das ist selten", erklärt Studienleiterin Kerstin Brusdeylins, „die meisten Studien basieren auf Erhebungen an Klienten aus der Reproduktionsmedizin." 

Beziehung zu Gott

Brusdeylins untersuchte ferner das religiöse Coping, das auch in der Gesundheitspsychologie allmählich an Bedeutung gewinnt. Das Ergebnis: Die Zugehörigkeit zu einer Religion und das religiöse Engagement beeinflussten das Wohlbefinden nicht. Allerdings gab es einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen der Beziehung zu Gott und dem Befinden der Befragten. Probanden mit unerfülltem Kinderwunsch fühlten sich signifikant schlechter, wenn ihre Gefühle in Bezug auf Gott negativ waren. Keinen Einfluss hatte der Glaube auf die Hoffnung der Kinderlosen, dass ihr Wunsch doch noch in Erfüllung gehen könnte.

Die Studie steht im Zusammenhang mit der Untersuchung eines Phänomens, das Psychologen als „Nicht-Ereignis" bezeichnen. Siegfried Preiser, Professor für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität, gab den Anstoß zu einer explorativen Vergleichs-Studie, in der 62 Betroffene „Nicht-Ereignisse" nennen sollten, unter denen sie sehr leiden. Neben Kinderlosigkeit waren dies unerfüllte Karrierewünsche, aber auch Probleme mit dem Normalgewicht oder das Bedauern, einen bestimmten Beruf nicht erlernt zu haben. Verglichen wurden diese Probanden mit solchen, die mit ihren nicht erfüllten Wünschen Frieden geschlossen hatten.

Bewältigung durch Kreativität und Bewegung

„Obwohl Menschen, die mit ihrer Situation noch hadern, einer deutlich höheren emotionalen Belastung ausgesetzt sind, nehmen sie weniger professionelle Hilfe in Anspruch als Menschen, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben, aber noch darunter leiden", stellt Kerstin Brusdeylins fest. Im Interview nannten diese Personen neben den klassischen Bewältigungsstrategien vor allem die kreative Bearbeitung des Problems, körperliche Aktivität und Regeneration, zum Beispiel durch Gartenarbeit.

In einer aktuellen Studie befragt die Psychologin nun Männer und Frauen, die beginnen ihren Babywunsch praktisch umsetzen. Der online-Fragebogen beinhaltet Fragen zur Lebenszufriedenheit, Glaubensstile, Bewältigungsstrategien und kinderwunschspezifische Fragen. (red)

Kommentar posten
14 Postings
Thomas Felder1
10
5.11.2011, 13:58
der Beziehung zu Gott

ja solche einbildungen helfen, aber es ist fraglich, ob selbstbelügen wirklich der sinnvollste weg sein kann.

Dr. Seltsam
 
23
5.11.2011, 12:24

Wie evolutionsbiologisch relativ klar belegt ist, beruht das genetische Erfolgsprogramm bei Männern auf einer möglichst breiten Streuung des Erbguts - "Dissemination" im ursprünglichsten Sinne ;-) Ein Mann kann also im genetischen Sinne sehr erfolgreich sein, ohne seine Nachkommen je gesehen zu haben.

Bei Frauen hängt der Fortpflanzugnserfolg v.a. von der Brutpflege ab. Da überrascht es nicht, dass Frauen mehr an Kinderlosigkeit leiten, als Männer.

Der Kluge
01
27.11.2011, 06:43

Das ist korrekt. Ein erfolgreiches Männchen kann ja Unmengen von Kindern zeugen, während ein Weibchen immer nur 1 Kind pro Jahr austragen kann.

Reinhold Loecker
32
28.10.2011, 18:16
Warum Frauen mehr leiden:

Wenn ich von Zeit zu Zeit die Frauenzeitschriften durchblättere, die unsere Putzfrau im Pausenraum herumliegen läßt, dann weiß ich, warum Frauen mehr leiden: mögen die eigenen Leiden auch unbedeutend sein, man muß als Frau auch die vielen weltbewegenden Leiden der Promifrauen mitleiden, die einem via "Frau im Spiegel" und "Neue Post" frei Haus geliefert werden. Laetitia zu Tode betrübt, Maxima in Sorge, Kate verzweifelt, Camilla knapp vor Nervenzusammenbruch, Koksnäschen Hilton wieder im Knast; der verzweifelte Kampf der Amalia Weinhaus.

Nemi
00
11.11.2011, 09:44

Selten so einen Schwachsinn gelesen...

Robert Schein
11
28.10.2011, 14:43

um zu wissen, daß sich eher frauen al männer kinder wünschen (und entsprechend leiden sowie unter sozialen druck gesetzt werden, wenns nicht klappt), brauche ich kein "psychologisches Forschungsprojekt", sondern hör mich einfach unter freunden und bekannten um

demnächst wird wohl noch ein forschungsprojekt gestartet, um herauszufinden, ob mehr frauen als männer lippenstift und bh verwenden...

Colette
01
2.11.2011, 17:34

also am besten keine wissenschaftlichen studien mehr machen, weil jeder kann ja seine bekannten fragen. ;)

tbonex
 
02
28.10.2011, 13:39
Seit dieser Woche: 7 Milliarden Menschen

Vielleicht startet ein bisher unbekannter biologischer Prozess, der die Fruchtbarkeit unterbindet wenn es "zu eng" wird?

myope
00
31.10.2011, 09:51
genau. die natur regelt sich selbst.

traurig wenn es einen selbst betrifft oder bekannte aber wenns nicht sein soll, solls nicht sein.

und der mensch sollte nicht künstlich alles versuchen gegen die natur zu arbeiten. wo das hinführt zeigt uns die vergangenheit...

Max. Power
14
28.10.2011, 12:47
Simplizität

Erfüllung(eines Wunsches)
_____________________ =Glück
Wünsche

Ist ganz einfach, je weniger Wünsche man hat, desto glücklicher ist man.

silence
03
28.10.2011, 15:43
ja, aber...

wenn man gar keine wünsche hat, geht das ihrer formel nach ziemlich in die hose.
man braucht also mindestens einen wunsch. wenn der dann allerdings nicht erfüllt wird, schauts mit dem glück auch traurig aus.
ist anscheinend doch ein bissl komplizierter ;)

Frau Techne
00
17.12.2011, 11:20
Geht der Nenner gegen Null, geht dar Quotient gegen Unendlich.

Was wollen Sie mehr?!
:-)

Max. Power
02
28.10.2011, 17:42
ja, aber

"komplizierter"
ich weiss nicht.
aber

ich hab beides probiert, kein vergleich.
da ich keine wünsche hab, bin ich circa der reichste mensch der welt ;)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.