Open Courseware

Offene Systeme für eine offene Hochschule

28. Oktober 2011, 11:35

Universitäten stellen Seminare und Lehrveranstaltungen kostenlos für Internet-User zur Verfügung - Österreichische Unis sind dabei noch sehr zurückhaltend

Bei Computersoftware und in Kunst und Kultur sind offene, frei zugängliche Systeme längst etabliert, auch im Bereich der Hochschulbildung kommt dieser Bewegung immer mehr in die Gänge. Vorreiter ist das MIT (Massachusetts Institute of Technology). Vor zehn Jahren stellte es die ersten Lehrveranstaltungen ins Netz, kostenlos, ohne Registrierung und für jeden Internet-User abrufbar. Andere Elite-Universitäten reagierten skeptisch bis verwundert. Die Vision dahinter: Wissen als ein öffentliches Gut, von dem alle profitieren können, soll auch für alle frei zugänglich sein.

Heute sind als Open Courseware (OCW) rund 2000 Kurse, Seminare und Lehrveranstaltungen aus den verschiedensten Fachrichtungen des MIT verfügbar. Namhafte Universitäten weltweit machten es dem MIT gleich. Im 2005 gegründeten Open Courseware Consortium (OCC) arbeiten mittlerweile rund 200 Hochschulen, darunter die Tsinghua-Universität in China, die University of California Berkeley oder die niederländische Delft University of Technology. Insgesamt wurden mehr als 13.000 Kurse öffentlich zugänglich gemacht.

Das einzige österreichische Mitglied in diesem Konsortium ist die Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt. Das Angebot ist derzeit noch bescheiden. Außer dem Kurs Deutsch als Fremdsprache sei im Moment kein weiteres Angebot abrufbar, das liege aber am Relaunch der Uni-Website, entschuldigt sich Thomas Pfeffer, OCW-Projektleiter der Alpen-Adria-Universität. Nichtsdestotrotz verschlafe Europa diese Entwicklung ein wenig, sagt er. "Das hat aber auch mit der Organisation der Universitäten zu tun. Die Unterstützung, die Lehrende bekommen, ist hier sehr gering" , kritisiert Pfeffer. Um eine Lehrveranstaltung als Open Courseware anbieten zu können, brauche es auch eine neue und erweiterte Gestaltung der Inhalte. "Bisher wurden von den Lehrenden nur wenige Materialien für ihre Lehrveranstaltungen produziert. Für OCW braucht es aber umfassende Präsentationen, die auch außerhalb der Lehrveranstaltung les- und verstehbar sind" , erklärt Pfeffer.

Open Courseware hat nichts mit einem Fernstudium zu tun und ist kein Ersatz für herkömmliche Lehr- und Kursangebote. Eine Interaktion mit den Vortragenden findet nicht statt, es gibt auch keine Zertifikate für das Absolvieren der Kurse. Die Materialien sind unter Nennung der Quelle weiterverwertbar.

Genutzt wird das Angebot von Autodidakten, Lehrern und Studierenden. Die genaueste Analyse der Nutzer bietet ebenfalls das MIT. Jeden Monat zählt die Seite rund eine Million Visits. Rund 43 Prozent sind Autodidakten, die sich großteils Wissen außerhalb ihres beruflichen Kontextes aneignen möchten. An zweiter Stelle, mit 42 Prozent, liegen Studierende, die ihr persönliches Wissen verbessern möchten. Neun Prozent der User sind selbst Lehrende, die sich weiterbilden und das Angebot in ihre Kurse integrieren möchten. Der überwiegende Teil kommt aus den USA, gefolgt von Südostasien und Europa.

Visits aus der ganzen Welt

Seit dem Start vor zehn Jahren haben Personen aus 215 Ländern die Seite des MIT besucht. Nach den 100 Millionen Besucher der vergangenen Jahre ist das ambitionierte Ziel für die nächste Dekade, mit dem Angebot eine Milliarden Menschen zu erreichen. In Yale gehört die Open-Yale-Website, die seit 2007 besteht, mittlerweile zu den meistbesuchten Sites der Universität, die Besucher kommen aus 191 Ländern. Lehrende aus der ganzen Welt würden die Inhalte der Open Yale Courses nutzen. Damit der Zugang zu den Kursen noch leichter zugänglich ist, sind die Kurse auch auf Youtube und iTunes abrufbar.

Als großer Förderer dieser Angebote gilt die William and Flora Hewlett Foundation, eine der zehn größten Stiftungen der USA. Die 1966 von William Hewlett, dem Mitbegründer von HP, ins Leben gerufene Stiftung hat sich unter anderem die weltweite Verbreitung hochwertiger akademischer Lehrgänge zum Ziel gesetzt. Viele der OCW-Projekte wurden und werden von dieser Stiftung finanziell unterstützt. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.10.2011)

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lessismore
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30.10.2011, 21:36

Let me just say: SICP.

her wig
11
30.10.2011, 07:56

Nachdem das alles zumindest in Europa eh mit öffentlichen Geldern finanziert ist handelt es sich um öffentliches Gut. Da könnte man eine Veröffentlichung schon einfordern. Schlimmstenfalls senkt das die Studierendenzahlen weil sich manche dann nur noch inoffiziell weiterbilden.

SK26
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2.11.2011, 01:25

inoffiziell weiterbilden nützt nur bedingt etwas, weil für den Job braucht man im allgemeinen einen zettel wo draufsteht dass man es kann (diplom...)

RS69
 
00
2.11.2011, 10:45

inoffiziell weiterbilden nutzt deutlich mehr als nicht weiter bilden.

SK26
00
2.11.2011, 14:48

na bitte wenn sie ein freund der inoffiziellen weiterbildung sind: unterstützen sie es indem sie ihre Vorlesungen der Allgemeinheit online zur verfügung stellen, ihre Vorlesungen sind so und so der Allgemeinheit zugänglich, da eine Uni ja ein öffentliches Gebäude ist, aber Arbeiter können schlecht sagen sie gehen jetzt statt zur Arbeit in ihre Vorlesung, aber sie könnten sehrwohl daheim den PC aufdrehen und sich ihre Vorlesung anschaun, und wenn auch nur die hälfte hängenbleibt, ist auch schon was

RS69
 
00
2.11.2011, 22:30

Macht aus meiner Sicht wenig Sinn, wie gesagt Folien oder Audiomitschnitte unkomentiert machen bestenfalls für EInführungsvorlesungen Sinn.

Ich halte wenig davon, Leute mit komplexen Zusammenhängen zu berieseln, die aus dem Zusammenhang gerissen bestenfalls zu Unverständnis oder Halbwissen führen, ohne weiter zu bringen.

Hillsmith
00
4.11.2011, 22:13
Man nennt es Multimedia

Funktioniert aber ganz gut, so ein Kurs mit "sprechenden Folien", nur sieht man halt die/den VortragendEn nicht - obwohl auch das gemacht wird. Begleitet von saftigen Hausaufgaben kann das ganz schön anspruchsvoll werden. Bei Vorlesungen für TN-Zahlen von über 50 handelt es sich ohnehin um Veranstaltungen mit Massenkommunikationscharakter - also ab ins Netz damit. Modernes E-Learning kann so sinnvoll mit klassischen Studiengängen verbunden werden. Die ProfessorInnen kümmen sich um die nach regionalen Schwerpunkten zu gestaltenden Lehrpläne, und studiert wird quasi autodidakt.Damit braucht man auch nicht mehr die Probleme von gestern mit Mitteln von Vorgestern zu lösen und Hörsääle ausbauen - oder Parkplätze-spart auch noch CO2!

RS69
 
00
5.11.2011, 00:33

Ich kenn's, und ich weiss wie's funktioniert.

Ich schreibe ja auch: Es macht wenig Sinn, eine Live-Vorlesung einfach mitzuschneiden. Folien für Online umstrukturieren (muss ja anders aufbereitet sein, weil ich nicht durch andere Medien ergänzen kann), und gut vertont (Es muss ja alles gesagt werden, dass ich in der direkten Interaktion vielleicht nur nach der Reaktion der Studenten sage oder nicht) ist was Anderes.

Grundsätzlich haben's schon Recht, so ab 70/80 Studenten wird's dann schwierig, direkt zu interagieren. Trotzdem haben's live viel mehr Feedback und mehr Kanäle: Tafel, Flip, Whiteboard, kurze Gruppenarbeiten, einzelne Studenten direkt ansprechen, schnell eine Folie zeichnen und dabei gemeinsam diskutieren, ...

Hillsmith
00
7.11.2011, 19:42
Multimedia II

Das könnte man weiterspinnen - z.B. wie beim Fernsehen mit "Studiopublikum" von max. 30 Personen (Audimax kann vermietet werden...), das die Folien des Tages schon kennt und sich dazu clevere Kommentare oder Fragen ausdenkt. Der Vortragende muss natürlich sämtliche Folien kommentieren, was zusammen mit den Studierendenbeiträgen aufgezeichent wird. Die anderen rufen es wie gehabt am Abend ab und kommen dann ein anderes Mal ins "Studio"... Selbst für Fremdsprachenkurse lässt sich da sicher einiges machen (Online vorgesprochene Dialoge, Vokabeldrillprogramme mit automat. Test etc.). Ab einem gewissen Niveau hat das sicher Grenzen, dann muss es halt wieder "interaktiver" werden. Gerade im "Massenbereich" ließe sich sicher einiges abdecken.

RS69
 
10
30.10.2011, 19:03

Da müssen's erst mal ins Urheberrecht sehen - und bei externen Referenten in die Verträge.

Grundsätzlich eine gute Sache, aber das bedarf einiger rechtlicher und vertraglicher Vorbereitungen.

Ich würd nicht zustimmen, einfach so amateurhaft mitgeschnitten zu werden und dann aus dem Konnex gerissen einzelne Aussagen auf Video zu haben.

Ich würde es nur machen, wenn ich professionelle Aufnahmen, die Möglichkeit zur Überarbeitung und Freigabe hätte. Das kostet natürlich mehr als nur schnell machen. Wenn's soweit ist, wär ich bereit drüber zu reden.

SK26
00
2.11.2011, 01:36
:) was ist das für ein Argument...

...offensichtlich schaffen es Ausgefuchste Akademiker in Yale und am MIT...fehlt in Österreich die kompetenz dazu oder was? uhhh ;) mit der Einstellung schaffen sie es nicht nach Yale... ;)
vielleicht nehmen sie es selber in die Hand (so wie sie schreiben tun sie als ob sie darüber entscheiden könnten und am Hebel sitzen...sitzen sie am Hebel?) und warten nicht drauf das irgendwas passiert - oder ist das zu unösterreichisch? Initiative? Irgendwer?

RS69
 
00
2.11.2011, 10:42

Ich mach Vorlesungen nur mehr nebenbei als externer Referent.

Auch in Yale bekommen die Leute ihre Möglichkeit für professionelle Aufnahmen.

Tatsächlich ja, ich sitze am Hebel und kann entscheiden was ich's mitmache und was nicht.

Es reicht mir, wenn ich dort Initiative zeige wo die Themen mir ein Anliegen sind. Wenn Ihnen dieses Thema wichtig ist, können Sie da aber Initiative zeigen.

Tatsächlich gibt es einige Kollegen die Vorlesungen online haben. Allerdings ist das einmal ein gehöriger Mehraufwand (was ja Sinn macht) - und nicht einfach ein Handymitschnitt. Wenn ich sowas mache, ist mein Anspruch dass es qualitativ hochwertig wird, alles gut lesbar ist, die Whitebordskizzen nicht spiegeln, ...

SK26
00
2.11.2011, 14:41

ja sehen sie, ich sitz nicht am hebel, sie sind in einer Position wo sie es machen könnten...ka wie ich das vorantreiben sollte/könnte bzw. glaube ich nicht dass es wirklich daran scheitert dass es zu aufwendig wäre, sondern dass die Leute es nicht machen wollen (am Anfang ohne zweifel ein mehraufwand aber nach einer Zeit wenn die technik etabliert ist wird es auch kein mehraufwand sein bzw finden sich sicher Studenten welche bereit sind das Material online zu stellen in ihrer freizeit...), eine email an Yale/MIT und die schicken ihnen sicher gerne ihre Lösungsansätze für gut lesbare Whitebordskizzen etc...man muss das Rad ja nicht neu erfinden einfach so machen wie yale

RS69
 
00
2.11.2011, 18:45

Sie verstehen nicht wirklich, worum es dabei geht?

großkotzige
00
30.10.2011, 17:35

Ich stimme Ihnen zu jedech versteh ich die Schlussfolgerung nciht wirklich.

Wenn man sich inoffiziell fortbilden möchte kann man sich auch einfach in eine Vorlesung setzen (da kann man auch Fragen stellen).

Aber natürlich würden Aufzeichnungen die Zugangshürden für die inoffizielle Fortbildung senken.

recall
00
30.10.2011, 19:29
Vergleich zur schriftlichen Publikation?

- Einzelne aussagen, so denke ich, können immer aus dem Kontext gerissen werden, egal ob aus einem Video oder einer schriftlichen Publikation (?).

- Das Urheberrecht für das, was man in Vorlesungen sagt hat man soweit ich weiß in Österreich, und kann es auch nicht verlieren. Wenn das wer klaut, ist das genauso, wie wenn man von einer schriftlichen Publikation klaut (also recht leicht).

- Und ein vielleicht etwas billiges Argument, aber: Vorlesungen sind sowieso öffentlich. Wenn wer klauen will, kann er auc einfach in die Vorlesung gehen.

- Ich denke aber, es gilt zu fragen, wie diese Form der Vorlesung unseren Zugang zu Wissen usw. verändert. das ist evt. nicht so unproblematisch, habe aber kaum darüber nachgedacht (siehe STS-Studien).

LuFi
41
29.10.2011, 22:03

an den österreichischen unis wird auch überall windows verwendet und microsoft word. open courseware, open software, überhaupt "open" gibts in ö kaum !

großkotzige
00
30.10.2011, 17:36

Dann waren Sie wohl an den falschen Unis.

Chemist88
10
30.10.2011, 14:14
ja klar

das funktioniert auch um Welten besser.

debian1
00
30.10.2011, 16:12

Ach so? Also funktioniert Word besser als LaTeX weil Word teurer ist? Sei jedem unbenommen sich immer das teuerste Tool zu kaufen, aber Unis sollten bei einer kostenlosen Alternative jene gegenüber der teuren bevorzugen. Das gilt für alle staatlichen Institutionen.

blub7
01
30.10.2011, 18:25
word...

...und latex kannst jetzt aber wirklich nicht vergleichen und sind auch 2 vollkommen unterschiedliche konzepte und für unterschiedliche dinge vorteilhaft

Chemist88
00
30.10.2011, 18:02
Zusatz

solang die kostenlose Alternative gleich gut funktioniert dann sollte man sie schon verwenden, sobald sie die Arbeit erschwert definitiv nicht mehr!

Chemist88
10
30.10.2011, 17:59
in gewissen Fällen:

JA! z.B. verwenden wir ein Programm um Strukturformeln zu zeichnen, in Word hat man diese Strukturen dann eingebettet ins Dokument und alle sind gleich groß, unter LaTeX muss man sie als Bild einfügen und die Skalierung bei jedem Bild einzeln anpassen. Etwa die 10fache Arbeit.

debian1
00
30.10.2011, 19:10

Ich bin kein Chemiker, aber Graphen zeichne ich mit Tikz. Die Graphen werden dann direkt in LaTeX textuell beschrieben. Für Strukturformeln gibt es sicher ein gutes Package mit dem man ähnliches machen kann. Dann habe ich alles zentral in einem File und kann es sogar versionieren...

RS69
 
00
6.11.2011, 13:24

Mühsam, wenn's viele haben.

Mathematische Formeln zeichne ich mit der Hand am Tablet und Win macht daraus schöne Formeln ins Word etc.

Wenn was gedruckt wird, wird's sowieso frisch gesetzt, wenn's nur für Präsentationen oder so ist reicht das.

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