Elektrischer Gasfuß: Ran an die Steckdosen!

28. Oktober 2011, 17:15
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Renault bringt den Fluence und den Kangoo in vollelektrischer Ausführung. Indem die Batterien gemietet werden, ergibt sich ein interessanter Preis

Während die einen noch über die Sinnhaftigkeit von Elektroautos diskutieren, stehen sie anderswo schon in den Auslagen, könnte man sagen. Renaults Anstrengungen zum Thema E-Mobilität zeigen erste durchaus beeindruckende und handfeste, besser gesagt: gasfußfeste Ergebnisse. Kurzum: Zwei Modelle stehen bereits zum Kauf bereit. Den Fluence Z.E. (Z.E. kommt von Zero Emission) gibt es ab Jänner, der Kangoo Z.E. folgt kurz darauf im Februar.

Das heißt: Nach Mitsubishi i-MiEV (und Nissan Leaf) sind dies die ersten reinen Elektroautos eines etablierten Großserienherstellers. Das Charmante dran: Man hat so lange am Preis der Batterien gedreht, bis sich Dimensionen ergaben, die vernünftig und leistbar erscheinen. Der Trick: Das Auto wird gekauft, die Batterie gemietet. Die Autokosten liegen in einer Größenordnung von 25.000 Euro, die Batteriemiete beträgt im Monat etwa so viel wie ein voller Tank bei einem dicken Benzinauto (100 €). Renault übernimmt im Wesentlichen auch das Risiko des Batteriebetriebs, denn wenn die Leistungsfähigkeit unter 75 Prozent des Ausgangswerts sinkt, kriegt man eine neue. So kann Elektroautofahren auch heute schon funktionieren.
Erwartungserfüller

Der Fluence ist eine mittelgroße viertürige Stufenhecklimousine und als solche schon einmal nicht unbedingt der große Renner am österreichischen Markt. Interessant daran erscheint trotzdem, dass der Fluence vollständig alle Erwartungen erfüllt, die man in ein derartiges Auto setzt, vorausgesetzt, man kommt mit der Reichweite zurande, die normgemäß 185 km beträgt, womit selbst unter widrigsten Umständen mit mehr als 100 km zu rechnen ist, weit mehr also, als ein durchschnittlicher Mitteleuropäer täglich mit dem Auto zurücklegt.

Unbedingt erwähnt sei an dieser Stelle, dass die Implementierung des Elektroantriebs mit großer Sorgfalt vorgenommen wurde, das heißt: leises und geschmeidiges Dahingleiten, auch mit saftiger Beschleunigung, wenn's mal sein soll - und kein ungebührlicher Lärm aus irgendeiner Ecke. Die Tatsache, dass der Batterieblock senkrecht hinter den Rücksitzlehnen steht, verhindert allerdings eine Durchlademöglichkeit, die der Österreicher auch dann gerne hat, wenn er nicht Ski fährt.

Eindeutig überzeugender und eher auf den alpenländischen Geschmack zugeschnitten erscheint der Kangoo Z.E.. Als zweisitziger verblechter Lieferwagen (mit langem Radstand auch fünfsitzig und mit Fenstern) ist er für Unternehmen vorsteuerabzugsfähig. Das heißt dann, die Preisliste beginnt bei 20.000 € (netto).

Die Batterien sind im Kangoo unter dem Fahrzeugboden angeordnet und nehmen dort keinen Platz weg. Man kann sie allerdings auch nicht so leicht tauschen wie beim Fluence, der für jenes Batteriewechselsystem geeignet ist, das etwa von Better Place mit Renault-Nissan in Israel betrieben wird. Auch am Kangoo beeindruckt die Selbstverständlichkeit, mit der man sich elektrisch fortbewegt. Die Gleichförmigkeit der Beschleunigung erinnert an das Losfahren in einer hypermodernen Doppelmayer-Gondelbahn. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/28.10.2011)

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