Reaktion auf Politik von Ministerpräsident Maliki
Tikrit/Bagdad - Die irakische Provinz Salaheddin hat sich für
autonom erklärt. Der Provinzrat stimmte am Donnerstag dafür, von einem
Verfassungsparagrafen Gebrauch zu machen, wonach sich jede Provinz, die dies
wünscht, zum Autonomiegebiet erklären kann. Das verlautete aus Kreisen des Rates
in der Provinzhauptstadt Tikrit. Alle 20 anwesenden Ratsmitglieder hätten für
die Autonomie gestimmt, hieß es. Acht Mitglieder seien der Sitzung
ferngeblieben.
Bisher hatten nur die drei kurdischen Nordprovinzen Dohuk, Suleimaniya und
Arbil dieses Recht für sich in Anspruch genommen. Sie haben sich zum
Autonomiegebiet Irakisch-Kurdistan zusammengeschlossen.
Der Provinzrat von Salaheddin erklärte, er habe sich zu diesem Schritt
entschlossen, weil die Bürger der Provinz von der Zentralregierung diskriminiert
würden. Tikrit, die Heimatstadt des früheren Diktators Saddam Hussein, liegt 160
Kilometer nordwestlich von Bagdad.
Parlamentarier der Al-Irakiya-Fraktion äußerten Verständnis für die
Entscheidung aus Tikrit. Sie erklärten, die verfehlte Politik von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki sei der Grund, weshalb bereits in mehreren
Provinzen darüber diskutiert werde, ob eine Autonomie nicht die beste Lösung für
sie sei.
Viele irakische Politiker haben die Sorge, dass ihr Staat nach dem Abzug der
US-Truppen in drei Teile zerfallen könnte - einen Schiitenstaat im Süden, einen
Kurdenstaat im Norden und ein sunnitisches Gebiet im Westen. (APA)