Körper- und Wolkenklänge

27. Oktober 2011, 19:06
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Das von Mia Zabelka und Mike Harding kuratierte zweite Phonofemme-Festival präsentiert originelle Positionen aktueller Klangkunst

Wien - Die eine hat in der Donau nach Klängen geangelt, die andere lässt sich vom Trommeln der Schmetterlingsbeinchen inspirieren. Und wieder eine andere Kollegin steht musikalisch gleichermaßen mit beiden Beinen fest in den Wolken. Das am Freitag  startende, zweite Phonofemme-Festival bietet allerlei Kreatürlich-Natürliches als Ausgangsbasis des in Richtung Klangkunst und Soundinstallation orientierten Programms. Initiatorin Mia Zabelka konnte diesmal Mike Harding, Mitbegründer des britischen Touch-Labels, als Ko-Kurator gewinnen, Wien modern tritt zudem als Kooperationspartner auf.

Harding bringt naturgemäß einige "seiner" Label-Künstlerinnen ins Festival ein: So wird Christine Ödlund, die schwedische Klangkünstlerin und Komponistin, Phonofemme mit einer Audio-Video-Installation umrahmen. Ihr sonisches Material erschließt sie tatsächlich aus den Geräuschen, die entstehen, wenn Comma-Schmetterlinge mit ihren Vorderbeinen auf Brennnesseln trommeln, um die Pflanzen zu bestimmten chemischen Reaktionen anzuregen.

Die aus Norwegen stammende Jana Winderen wird hingegen ihr Projekt From The Black Forest to The Black Sea vorstellen, für das sie die Donau von der Quelle bis zur Mündung entlanggewandert ist. Die gesammelten Klänge nützt sie als Basis für eine Live-Performance in Surround-Beschallung. Und die isländische Cellistin und Soundelektronikerin Hildur Ingveldardottir Gudnadottir lässt sich für ihr Projekt Wolkenbilder (ebenfalls am 29. 10. zu hören) von Himmelsbeobachtungen leiten: Das Resultat sind von fragiler Sparsamkeit gekennzeichnete "Kompositionen, die einzelnen Noten Raum und Atem lassen".

Mia Zabelka selbst wird mit ihrer One Night Band, bestehend aus den Festivalmusikerinnen sowie Philip Jeck, Manon-Liu Winter und Franz Hautzinger, zu vernehmen sein: Mike Harding wird in einer "Drone Conduction" ihr grafisch notiertes Werk Organische Trennung 3 aufführen. Am 30. 10. präsentiert die Violinistin ihr neues Solo-Album M (Monotype), in dem sie ihr Grundkonzept des "automatic playing" weiterdenkt: Aufnahmen kleiner Kontaktmikrofone, auf Haut und Haar angebracht, werden ebenso mitverarbeitet wie Geräusche aus dem Inneren des Körpers. Inoffizielles Motto von Phonofemme 2011: Alles ist Klang!  (Andreas Felber/ DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2011)

28.-30. 10., Brunnenpassage

 

  • Die Violinistin Mia Zabelka ist bei Phonofemme sowohl vor als auch hinter Bühne präsent.
    foto: phonofemme

    Die Violinistin Mia Zabelka ist bei Phonofemme sowohl vor als auch hinter Bühne präsent.

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