Verteidigungsminister und Bundespräsident sind sich über die Wehrpflicht nicht einig
Der Ausspruch "Früher hätt's des net geb'n" ist zwar eine beliebte österreichisch-wienerische Methode, die Vergangenheit zu verklären, aber an diesem Nationalfeiertag war er voll berechtigt.
In der Tat: Früher hätte es das nicht gegeben, dass ein Bundespräsident und ein Verteidigungsminister, noch dazu beide derselben politischen Herkunft, vor den angetretenen Soldaten und den lauschenden Bürgern einander diametral in der Frage der Wehrpflicht widersprechen. Heinz Fischer betonte anlässlich der Angelobung eines frischen Schubs Wehrpflichtiger die Notwendigkeit des Wehrpflichtheeres, Norbert Darabos verkündete ungerührt seine (seine?) Meinung über die Angemessenheit eines Berufsheeres. Das hätte es unter keinem früheren Bundespräsidenten gegeben, auch wenn die ÖVP zeitweise für ein Berufsheer gewesen ist.
Ein Zeichen für eine neue Debattenkultur - oder eines für eine neue Rücksichtslosigkeit im politischen Umgang miteinander? Ein Ausdruck neuen Denkens in der Sozialdemokratie oder schlicht der einer Verinnerlichung des Krone-Denkens?
Darabos' Berufsheer könnte lustig werden. Es werden dort mit einiger Sicherheit rechte Waffennarren hineindrängen, und dort auf Migrantensöhne treffen, die hier eine Job- und Aufstiegsmöglichkeit suchen. Jedenfalls wird das dann kein repräsentativer Querschnitt durch die Gesellschaft sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2011)