Neue Wege gegen Arbeits­losigkeit bei Migranten

27. Oktober 2011, 18:06

Schlechte Ausbildung, schlechtes Deutsch: Zuwanderer sind unter den Arbeitslosen stark überrepräsentiert

Wien - Sie kommen oft in Begleitung, manchmal mit der halben Familie im Schlepptau. Stumm sitzen die Frauen da, das Kopftuch ins Gesicht gezogen, während der Mann an ihrer Seite das Wort führt. Zieht die Beraterin ihnen doch ein paar Sätze aus der Nase, offenbart sich nicht selten holpriges Deutsch.

Türkische Mädchen und Frauen zählen zur schwierigsten Klientel von Jobvermittlern. Drei Viertel haben lediglich die Pflichtschule besucht - und auch diese nicht immer lückenlos. "Einmal gehen sie in die Schule, dann wieder nicht", sagt Inge Friehs, "weil von vornherein klar ist, dass sie heiraten und Hausfrau werden sollen". Die Vizegeschäftsführerin des Wiener Arbeitsmarktservices will keinesfalls alle türkischen Familien in diesen Topf werfen: "Doch es sind immerhin so viele, dass es uns auffällt."

Friehs beschreibt nur eine Facette eines beunruhigenden Gesamtbildes: Unter den Kunden des AMS sind Menschen mit Migrationshintergrund stark überrepräsentiert. Mit 31,4 Prozent ist ihr Anteil unter Österreichs Arbeitslosen fast doppelt so hoch wie bei den Beschäftigten. In Wien stellen Zuwanderer "nur" 32 Prozent der Werktätigen, aber beinahe die Hälfte der Jobsucher. Von den arbeitslosen Jugendlichen der Hauptstadt haben sogar 70 Prozent ausländische Wurzeln.

Österreich kämpfe mit den gleichen Problemen wie viele andere westeuropäische Staaten, die ihre boomende Industrie in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit ausländischen Arbeitskräften besetzten, sagt der niederländische Migrationsforscher Bert-Jan Buiskool. Doch weil weder Gast noch Gastgeber mit einem Daueraufenthalt rechneten, investierten beide Seiten zu wenig in Weiterbildung. Als alte Industriejobs wegbrachen, blieben als Erste einseitig fokussierte Migranten übrig.

Vielen Gastarbeiterkindern gelang es nicht, ihre schlecht ausgebildeten Eltern zu überflügeln. Immer noch hat ein Drittel der Bürger mit Migrationshintergrund lediglich Pflichtschulabschluss, bei den Türken sind es mehr als doppelt so viele. Domänen sind Branchen wie Gebäudebetreuung, Landwirtschaft und Tourismus, wo es hohe Fluktuation und niedrige Gehälter gibt: Zuwanderer finden rascher Jobs als einheimische AMS-Kunden, fliegen aber auch schneller wieder raus.

"Bildung, und zwar von klein auf" hält Friehs für den "Schlüssel", an dem Jobvermittler wie sie freilich nur begrenzt, weil erst spät drehen können. Nichtsdestotrotz will das AMS Wien im kommenden Jahr um zwei Millionen mehr für gezielte Unterstützung von Migranten, die in der Regel sehr motiviert seien, aufwenden. So sollen Sprachkurse mit Konversationstraining ergänzt werden - damit frisch erworbene Deutschkenntnisse nicht gleich wieder versanden. Fast die Hälfte der jugendlichen Klienten, wissen die Betreuer, spricht zu Hause ausschließlich in der Muttersprache.

Neue Ausbildungsmodule sollen Zuwanderern helfen, zu einem hierzulande anerkannten Abschluss zu kommen, anderweitig erworbene Fähigkeiten - etwa Berufspraxis - will das AMS bei der Vermittlung stärker berücksichtigen. Denn bei allen Bildungsdefiziten zeigt sich auch: Fast 30 Prozent der Zuwanderer gelten für ihren Job als überqualifiziert.

Hoffnung setzt das AMS auch in eigens abgestellte Coaches, die Migranten bei der Arbeitssuche quasi bei der Hand nehmen sollen. Überdies schwärmen Berater aus, um in "bildungsfernen Schichten" Kontakte zu knüpfen - in Moscheen, Lokalen oder auch in Mädchenschulen. In Erstgesprächen mit jungen Frauen aus traditionellen Familien gehe es oft gar nicht um die Arbeitssuche, erzählt Friehs, viele redeten sich erst einmal den Frust über ihr beengtes Leben von der Seele. Die Klientinnen wollten deshalb Jobs in österreichischen Firmen und nicht in Migrantenunternehmen: "Denn da sind Frauen erst recht wieder die Dienenden."

Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hat ein neues Rezept bei der Hand: Eine Ausbildungsverpflichtung bis zum 18. Lebensjahr, was umgekehrt auch ein Recht auf Ausbildung bedeute. Allerdings räumt er ein, dass Österreich auf eine solche Garantie noch nicht eingestellt sei - dafür fehlten Lehrplätze. Lange warten dürfe man nicht mehr, warnte Hundstorfer bei einer Konferenz des AMS Wien diese Woche: "Es herrscht Alarmstufe Rot." (Gerald John, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2011)

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Stark überrepräsentiert? Weil wir sie nicht heimschicken sondern in unsere soziale Hängematte legen.

Herzlichen Dank an die linksgrünen GutmenschenInnen.

Die Geschichte vom ewigen Wachstum !!

Die mittlerweile berühmt gewordenen Geschichte von der Flasche, in der sich die Zahl der Bakterien jede Minute verdoppelt und die nach einer Stunde voll ist. Die Bakterien merken zwei Minuten vor zwölf – die Flasche ist zu diesem Zeitpunkt zu einem Viertel gefüllt –, dass es eng wird und schicken Kundschafter aus. Nach einer Minute kehren sie mit der frohen Botschaft von drei leeren Flaschen zurück, die das Wachstumsproblem ein für alle Mal lösen würden. Die Erleichterung währt nicht lange: Zwei Minuten nach zwölf sind auch diese voll und das Desaster bricht über die Population herein.

Auch das AMS wird keine neue leere Flasche finden.
Leergut ist mittlerweile sehr gefragt.

ganz einfach: Hast du Job: herzlich willkommen: hast du keinen: Heimattreue.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hat ein neues Rezept bei der Hand: Eine Ausbildungsverpflichtung bis zum 18. Lebensjahr

Und wo wachsen nacher die Jobs für die durchgetragenen, gecoachten Lehrlinge? Eine echtes Lemming-Niveau.

einen lustigen lösungsansatz für dieses problem hat sich die letzte multikultibastion in europa einfallen lassen: schweden! um immigranten in den arbeitsmarkt zu bekommen zahlt der staat bis zu 80% des gehalts.

resultat: schweden ohne immigrationshintergund müssen nach norwegen oder kopenhagen zum arbeiten. denn in schweden sind sie zu teuer geworden...

der Weg in die Hölle

ist gepflastert mit 'guten' Vorsätzen ...

reinstecken was geht

Mir hat ein Migrant den Job weggeschnappt. Er war im Gegensatz zu mir nur 2 Jahre älter, weniger gebildet und hatte keinen Abschluss. Wollte eine Gemeindewohnung - null Chance, da eine Migrantenfamilie mit zwei Kindern und zwei arbeitslosen Eltern der Vorzug gegeben wurde. Von daher bin ich sauer, nicht auf Migranten, aber auf diejenigen die mich als Österreicher verarschen.

So ist es,

nicht nur in Wien!

du bewirbst dich um einen Job und die sagen dir wer ihn bekommen hat, klären dich über seine Qualifikation und über sein Alter auf?

eher unglaubwürdig, Datenschutz?

du suchst um eine Gemeindewohnung an und bekommst keine?

eher unglaubwürdig, meines Wissens ist es eine Frage der Zeit

man sagt dir wer "deine" Gemeindewohnung bekommen hat, wo er herkommt und gibt seine sozialen Umstände preis?

eher unglaubwürdig, Datenschutz?

Der mit dem Job hat es mir selber gesagt. Die Wohnung liegt neben der Wohnung eines Bekannten und der hat es mir dann erzählt. Als ich eine GWohnung gesucht habe war ich arbeitslos, und musste aus meiner Wohnung raus. Das nächste mal warte ich auf eine Räumungsklage. Dann klappts auch mit der Wohnung.

Ahnungslose von diesem Kaliber

sollen besser nicht posten. Kann aus eigener Erfahrung solche Ereignisse bestätigen, und natürlich gibt es die Infos, Mitarbeiter in den Firmen, frustrierte Beamte im Wohnungsamt,... alles selbst erlebt!

Ich dachte immer

das sind unsere 'Pensionsretter bzw. Sozialstaatsicherer'

Die Aussage 'Österreich braucht Zuwanderung' könnte durchaus stimmen, wenn nicht das Wörtchen 'qualifizierte' dabei fehlen würde.

Allerdings das Gesindel welches mittlerweile Wien bevölkert braucht wirklich NIEMAND.

Wenn jetzt jemand meint mir Ausländerfeindlichkeit unterstellen zu wollen, ich selbst habe KEINE Österreicherin geheiratet und weiß auch, dass unser toller Staat sehr wohl bei Auländern groooooße Unterschied zu machen scheint (Türken bevorzugt kann ich nur sagen)

Trauriges Land, sehr sehr traurig - es geht immer schneller bergab ...

Den Nagel auf den Kopf getroffen.

Sprache allein??

Meine Freundin ist Rumänin, beim AMS gemeldet und graust sich vor jedem Treffen mit ihrer Betreuerin.
Schon alleine der Ton, der dort für Nicht-Österreicher angeschlagen wird, ist aggressiv und voll mit Vorurteilen. Was ihre Sprachkenntnisse angeht: sie spricht sehr gut Deutsch, bis auf ein/zwei Patzer in der Grammatik, über die man leicht hinwegsehen kann!
Fazit: Sprache allein reicht nicht, man ist auch noch von der Akzeptanz andere abhängig!

systemimmanent

einer freundin - wienerin, akademikerin - ist es beim letzten ams-besuch auch passiert, dass der sehr unfreundliche sachbearbeiter mehrmals bei der vorlage von unterlagen gefragt hat, ob sie es lesen und verstehen könne. was sie doch sehr verwundert und auch verletzt hat. ich denke, die unfreundliche, herablassende und unhöfliche betreuung durch das ams (und andere behören) trifft alle "kundInnen", nur sind menschen mit migrantischer herkunft aufgrund der gesellschaftlichen umstände verletztlicher. ich möchte auch nicht den job der ams-angestellten ausüben - wie soll man menschen helfen/betreuen, wenn es einfach keine jobangebote gibt und man versuchen muss, die statistik hinunterzudrücken und damit ja den eigenen job wegzuarbeiten

Muß dem Tortenfreak Recht geben. Beamte sind halt auch nur Menschen.
Ich wäre nur gespannt zu erfahren, wie freundlich der Ton der rumänischen Beamten ist-dann relativiert sich die Sache wahrescheinlich sehr schnell.

Als Österreicher sollten sie aber wissen das Beamte nicht nett freundlich und hilfsbereit sind, erklären sie ihrer Freundin einfach mal das Österreicher auch nicht besser behandelt werden.

Und wenn man sich so umschaut Weltweit dürfte das eine Beamtenkrankheit sein.

Ist im Staatsdienst

ganz normal, ob Österreicher oder nicht spielt keine Rolle.

Die Beamterl und VBtscherl haben nämlich vergessen, dass sie eigentlich Diener am Volke sind und nicht umgekehrt.

von mir gibts grün. habe die gleiche erfahrung gemacht - nur die sprache ists nicht. da spielen zusätzlich noch andere faktoren mit.

Qualifikation

vielleicht?

warum so erstaunt? seit jahren weiß man über diese fakten bescheid

und seit einiger zeit werden diese auch in den zeitungen publiziert. seit jahren weiß man wohin der ungeregelte zuzug und vor allem der familiennachzug aus der türkei führt. seit jahren gibt es in zb wien ghettobildung. seit jahren sieht man dem aufbau von paralellstrukturen zu. seit jahren toleriert man vereine wie die atib. seit jahren werden kritische stimmen niedergemacht.
und nun auf einmal erkennen jene die früher diesen zuzug bejubelt haben dass es probleme gibt und dass dieser zuzug mehr kostet als er je gebracht hat.
ach ja … es geht nicht um migranten, es geht, in erster linie, um anatolier. und trotzdem geht der zuzug/familiennachzug munter weiter

Ja, aber die SPÖ und die Grüninnen brauchen auch in der Zukunft Wähler also wird auf Teufel komm raus fest weiterimportiert!

Wer profitiert wohl am meisten von einer moderat angespannten Arbeitsmarktsituation?

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