Anel Hadžić hat Rapid mit einem Traumtor aus dem Cup geworfen - Der U21-Teamspieler über seine Aufgaben in Ried und verlockende Angebote von Köln bis Hütteldorf
derStandard.at: Ein Traumtor zum Cup-Triumph über Rapid, ein Traumtor zum Aufstieg in der Europa League-Qualifikation gegen Bröndy Kopenhagen. Ein Spezialist für wichtige Traumtore?
Anel Hadžić: Spezialist? Nein, es ist schön, wenn man die wichtigen Tore macht und vielleicht habe ich ein Naserl dafür. Aber wichtig ist, dass die Mannschaft aufsteigt, egal wer die Tore macht.
derStandard.at: Die SV Ried hat 30 Anläufe gebraucht, um in Hütteldorf zu gewinnen. Warum hat es dieses Mal geklappt?
Hadžić: Ich glaube, dass wir den unbedingten Willen gehabt haben um dort den Aufstieg zu schaffen. Es war ein sehr spannendes Spiel und es hätte auch anders ausgehen können. Zum Schluss war es sicher ausschlaggebend, dass die Rapidler zwei Rote Karten gesehen haben. Im Endeffekt war der Sieg dann verdient.
derStandard.at: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer gezeigten Leistung?
Hadžić: Zur Zeit läuft es Gott sei Dank sehr gut. Ich spiele jetzt auch auf meiner Wunschposition, auf der ich meine Qualitäten ausspielen kann. Natürlich muss man immer an Verbesserungen arbeiten, es ist immer etwas drinnen. Aber im Moment bin ich sehr zufrieden.
derStandard.at: Wunschposition? Trainer Paul Gludovatz lässt mit einem 3-3-3-1-System spielen. Auf welcher Position spielen Sie und was zählt zu Ihren Aufgaben?
Hadžić: Ich spiele den Sechser vor der Dreier-Abwehr. Meine Aufgaben sind, dass ich die Bälle verteile und die Position im Zentrum halte, um eventuelle Konter der gegnerischen Mannschaft abzufangen. Ich soll die Mannschaft zusammenhalten und führen.
derStandard.at: Am Samstag geht es zu den Bullen nach Salzburg. Wie müssen Sie die Mannschaft führen, damit Ried und Salzburg auch nach dem Spiel noch zumindest punktegleich sind?
Hadžić: Wir müssen mit einer Brust nach Salzburg fahren. Wir sind jetzt aufgestiegen und haben drei Siege in Folge gelandet. Da kann man drauf aufbauen. Wir werden uns dort sicher nicht verstecken und versuchen, sie zu ärgern.
derStandard.at: Der 1. FC Köln und US Palermo, einer der besseren Klubs der Serie A, sollen im Sommer Interesse gezeigt haben. Auch ein unterschriftsreifes Angebot von Rapid haben Sie angeblich abgelehnt. Warum eine Vertragsverlängerung bei der SV Ried bis 2013?
Hadžić: Ja, das stimmt alles. Ich habe in Ried verlängert, weil einfach alles gepasst hat. Es hat sich Herr Reiter (Anm. d. Red.: Manager von Ried) sehr um mich bemüht und ich fühle mich im Innviertel sehr wohl. Außerdem wollte ich nicht auf Teufel komm raus irgendwo hin wechseln, sondern meine Leistungen ohne großen Druck bestätigen und das kann ich in Ried sehr gut.
derStandard.at: Warum können sich junge Spieler bei der SV Ried so gut entwickeln?
Hadžić: Es wird einfach sehr viel auf junge Spieler gebaut und Trainer Gludovatz kann mit diesen auch sehr gut umgehen. Es wird einem das Vertrauen geschenkt und du wirst ins kalte Wasser geschmissen. Dann muss du dich halt beweisen. Manche nützen die Chance und manche halt nicht. In Ried ist die Philospohie des Vereins, dass junge Leute eine Chance bekommen müssen. Da passt einfach alles zusammen.
derStandard.at: Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
Hadžić: Meine Stärken liegen natürlich im technischen Bereich, im Spielaufbau und im Lesen des Spiels. Freilich gibt es auch Schwächen, man muss immer dazulernen. Die Schwächen sag ich aber nicht so gerne, denn man sollte immer auf seine Stärken bauen.
derStandard.at: Die nächsten Ziele?
Hadžić: Ich möchte den Sprung ins Nationalteam schaffen. Es ist egal in welches (Anm.: Anel Hadzic ist österreichisch/bosnischer Doppelstaatsbürger). Und ich möchte in eine stärkere Liga wechseln. Das sind die Ziele, die ich in den nächsten paar Jahren schaffen möchte.
derStandard.at: Hat schon einer der Teamchefs mit Ihnen Kontakt aufgenommen?
Hadžić: Ja, es hat sich der bosnische Verband bei mir gemeldet. Sie sind auch sehr daran interessiert, dass ich für sie spiele. Es kommt jetzt auch darauf an, wie Bosnien in den Playoffs der EM-Quali abschneidet, aber ich schätze nächstes Jahr werde ich sicher einberufen werden. Und ich werde nicht nein sagen, weil es eine große Chance ist. Es war immer mein Wunsch und mein Traum im Nationalteam zu spielen. Das werde ich nicht ablehnen. (Alex Aigner, derStandard.at 27.10.2011)
Zur Person:
Anel Hadžić, geboren am 16. August 1989 in Velika Kladuša, ist österreichisch/bosnischer Doppelstaatsbürger. Der 22-Jährige ist fußballerisch ein Rieder Eigengewächs, 2007 debütierte er für die Innviertler in der Bundesliga. Hadzic wurde auch ins österreichische U20- und U21-Nationalteam berufen.