Verbrechen der Militärdiktatur sollen geahndet werden

27. Oktober 2011, 17:19

Parlament stimmt für Annullierung des Amnestiegesetzes

Montevideo - In Uruguay sollen die Verbrechen aus der Zeit der Militärdiktatur von 1973 bis 1985 künftig geahndet werden. Das Abgeordnetenhaus stimmte am Donnerstag mehrheitlich für die Annullierung eines 1986 verabschiedeten Gesetzes, das Polizisten und Militärangehörige vor einer strafrechtlichen Verfolgung schützte. Von 90 anwesenden Abgeordneten stimmten 50 von der linksgerichteten Regierungskoalition nach einer zwölfstündigen Debatte für die Abschaffung. Der Senat hatte sich bereits am Dienstag mit 16 von 31 Stimmen für das neue Gesetz ausgesprochen. Seine Abzeichnung durch den Staatspräsidenten José Mujica, einen ehemaligen Guerillakämpfer gegen die Diktatur, wird erwartet.

Damit können Diktaturverbrechen bestraft werden, die bis zum Ende der zwölfjährigen Militärdiktatur am 1. März 1985 begangen wurden. Folter, außergerichtliche Hinrichtungen und gewaltsames Verschwindenlassen werden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft, die nicht verjähren.

"Nationale Aussöhnung"

Die Straffreiheit für Polizisten und Militärs für Verbrechen während der rechtsgerichteten Militärdiktatur war 1986 mit der Begründung erlassen worden, damit zu einer nationalen Aussöhnung beizutragen. Zwei Volksabstimmungen hatten 1989 und 2009 das Schlusspunktgesetz bestätigt. Im Mai war eine Annullierung des Gesetzes durch das das uruguayische Parlament denkbar knapp gescheitert.

Während der Junta-Herrschaft in dem südamerikanischen Land verschwanden nach Angaben einer von der Präsidentschaft im Jahr 2000 eingesetzten Kommission 231 Menschen. 38 verschleppte Menschen wurden demnach ermordet oder zu Tode gefoltert. Andere Uruguayer wurden im Zuge der "Operation Condor", der Geheimaktion mehrerer Militärdiktaturen Lateinamerikas zur Ausschaltung politischer Gegner, vor allem im Nachbarland Argentinien getötet. (APA)

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
21
27.10.2011, 23:03
Eigentlich wirds langsam

Zeit dass auch in Österreich die Nazizeit aufgearbeitet wird . Die Opferlüge - Die Dollfusslüge - Hasenjagd - ...

witchdoctor
11
27.10.2011, 20:46
"Nationale Aussöhnung"

Dass in zwei Volksabstimmungen die Nicht-Verfolgung bestätigt wurde - sogar noch 2009 - sagt mehr aus über das Volk in Uruguay als das jetzt endlich beschlossene Gesetz.
Verbrechen einfach unter den Tisch zu kehren, weiter zu leben, als wäre nie etwas passiert, und das ganze dann Aussöhnung nennen! Waren und sind immer noch der Grossteil der Bevölkerung an Unterdrückung und anderen Machenschaften beteiligt oder gelten Verbrechen einfach als erlaubt, wenn es der eigenen Position hilft?
Habe eine Kollegin aus Uruguay, die zur Zeit der Militärdiktatur aufgewachsen ist und später auch für das Militär gearbeitet hat, und sie bestätigt meine These ins Detail!

NONE
01
27.10.2011, 18:13

Sehr gut. Zwar 20 Jahre zu spät aber immerhin.

brachliegende Werbefläche
00
13.11.2011, 16:05

immerhin, genau. aber eben spät. und dass der senat mit 16:15 nur extremst sehr knapp zustimmt, stimmt mich auch nachdenklich. aber ja, immerhin.

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