ORF-Zusatzjobs: Hundert Moderationen nebenbei

27. Oktober 2011, 17:05
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Den Umgang mit Nebenjobs regelt der Verhaltenskodex - Redakteursrat Wendl geht davon aus, dass Präzisierungen "dort erfolgen, wo sie hingehören: in den Ethikrat"

Wien - Autorevue, Bank-Austria-Gala, Weinpreisverleihung, Lehrlingstagung, Biersilvester, Polizei-Award: Für Veranstaltungen aller Art können ORF-Stars über die hauseigene Agentur gebucht werden. Genau die Art von Zusatzverdienst steht derzeit unter Kritik: Ein leitender Redakteur im Landesstudio Oberösterreich kommt offenbar auf rund hundert Moderationen im Jahr, ein anderer hochrangiger Journalist soll ebenfalls ungewöhnlich viel moderiert haben. Zuletzt stießen, wie berichtet, der ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Brigitte Kulovits-Rupp Nebenjobs im Landesstudio Burgenland auf.

Kritik gibt es weiters am künftigen Salzburger Landesdirektor Roland Brunhofer, bisher SP-Betriebsrat im ORF in Oberösterreich. Er soll für den ORF Beiträge für das Werksfernsehen des BMW-Motorenwerks in Steyr und zugleich im ORF Beiträge über BMW gestaltet haben. Zudem ist von einer politischen Beratertätigkeit für den langjährigen oberösterreichischen SP-Chef Erich Haider die Rede. "Das stimmt schlichtweg nicht", sagt Brunhofer. Zu Bilanzpressekonferenzen von BMW sei er von der Redaktion geschickt worden: "Da kann man nichts schönen."

Mit Haider sei er "seit hundert Jahren befreundet. Wenn das eine Beratung gewesen wäre, dann hätte er seine letzte Wahl nicht verloren", so Brunhofer. Generaldirektor Alexander Wrabetz will Fragen dazu bei der nächsten Stiftungsratsitzung am 10. November beantworten. Den Umgang mit Nebenjobs regelt der Verhaltenskodex. Redakteursrat Fritz Wendl geht davon aus, dass Präzisierungen "dort erfolgen, wo sie hingehören: in den Ethikrat."

Publikumsratswahl gekippt

Unterdessen kippte der Verfassungsgerichtshof (VfGH) die Faxwahl des Publikumsrats im ORF-Gesetz: Für das Höchstgericht ist nicht hinreichend definiert, wer bei der Wahl für das Gremium tatsächlich wahlberechtigt ist - ob ausschließlich Rundfunkteilnehmer mit eigener Teilnehmernummer oder auch Haushaltsangehörige oder Heimbewohner.

Zum Modus der Faxwahl traf der VfGH keine Aussage. Die Regelungen seien schon aufgrund der Unklarheiten bei der Wahlberechtigung aufzuheben.

Dem Gesetzgeber steht es nun frei, wie er die künftige Zusammensetzung des Gremiums regelt. Sollte er sich erneut für direkt gewählte Mitglieder entscheiden, müsse er vor der nächsten Publikumsratswahl 2014 das ORF-Gesetz reparieren. Der VP-Freundeskreisleiter im ORF-Stiftungsrat, Franz Medwenitsch, fordert schon jetzt eine "umfassende Reform der Gremien.

Der Präsident des Umweltdachverbands, Gerhard Heilingbrunner, der den Verfassungsgerichtshof angerufen hatte, sprach von einem "sehr wichtigen Teilerfolg": Er habe angestrebt, die Wahl 2010 gänzlich aufzuheben, mehr dazu hier.  (prie, APA, DER STANDARD; Printausgabe, 28.10.2011)

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