Bernhard und die Preise

27. Oktober 2011, 17:37
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Im Salzburg-Museum liest Werner Friedl "Meine Preise" - Thomas Bernhards Schmähschrift über Preisverleihungen und Preisverleiher

Salzburg - "Ich bin geldgierig, ich bin charakterlos, ich bin selbst ein Schwein", stellte sich Thomas Bernhard in seinem 1980 publizierten Prosawerk Meine Preise selbst bloß. Einen Literaturpreis zu bekommen war ihm zwar zutiefst zuwider - das damit verbundene Geld hingegen nahm er kapitalistisch offenherzig an.

Das Salzburger Landestheater nimmt sich dieser genussvoll-bissigen wie betörend ehrlichen Schmähschrift über Preisverleihungen an und bringt sie, mit Werner Friedl in der Hauptrolle, szenisch im passenden Ambiente des Ständesaals im Salzburg-Museum auf die Bühne.

Meine Preise erschien erstmals zu Bernhards zwanzigstem Todestag. In erster Linie hackt Bernhard darin den Verleihern von Literaturpreisen verbal ein Auge aus. All die Minister und Sprachakademiepräsidenten, die Bürgermeister und anderen Honoratioren, die nicht den blassesten Dunst eines Kunst- und Kulturverständnisses hätten, wie Bernhard notierte, bekommen ihr Fett ab.

Bernhards Reden bei den Ehrungen waren stets das fruchtbare Feld, auf dem Skandale gediehen. Eine Wiener Zeitung schrieb nach der Verleihung des Österreichischen Staatspreises 1967: "Bernhard ist eine Wanze, die man vertilgen muss."

Insgesamt sechzehn große Preise wurden Bernhard zugesprochen. Nur den letzten (den Antonio-Feltrinelli-Preis) lehnte er ab. Denn Bernhard war zu einer Erkenntnis gekommen: "Die einzige Antwort ist die, sich nicht mehr ehren zu lassen."

Im Salzburg-Museum ist Meine Preise als vergnügliche Vorstellung zu sehen. Werner Friedl schreitet als Thomas Bernhard zwischen Lesepult und Stehpult parlierend hin und her, ohne den Meister des Skandals zu imitieren.

Unterhaltsam und nachdenklich zugleich zelebriert Friedl, meist frei sprechend, Bernhards tragikomischen Humor. Er hat sichtlich viel Spaß am Ernst der Sache. Am linken Rand der kleinen Bühne sitzt Eva Maria Just als Bernhards engste Vertraute, "Tante" Hedwig Stavianicek, und spendet kleine Worthülsen.

Das Kairós-Streichquartett begleitet die Szenen (eingerichtet von Cornelius Gohlke) mit Mozart-, Schubert-, Vivaldi- und Haydn-Klängen. Auf einem Flatscreen ist Thomas Bernhards Leben in Schwarz-Weiß-Bildern, die sein langjähriger Fotograf Sepp Dreissinger machte, zu sehen.  (Christian Weingartner/ DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2011)

Bis 9. 11., Salzburg-Museum, 19.30

  • Werner Friedl als Thomas Bernhard: Über das schwierige Verhältnis zu Literaturpreisen.
    foto: landestheater salzburg

    Werner Friedl als Thomas Bernhard: Über das schwierige Verhältnis zu Literaturpreisen.

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