Wiedereinstieg durch die Küche

27. Oktober 2011, 17:32
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Sabine Derflingers Dokumentarfilm "Hot Spot" begleitet Langzeitarbeitslose zurück ins Arbeitsleben

Wien - Arbeitslose werden in der Regel in Statistiken zusammengefasst, Sabine Derflinger gibt einigen von ihnen in ihrem Dokumentarfilm Hot Spot ein Gesicht. Im Wiener Restaurant Michl's, einem sozialökonomischen Betrieb, werden Langzeitarbeitslose ein halbes Jahr lang in der Küche und im Service angestellt, um ihnen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Derflinger blickt hinter die Kulissen dieses Projekts. Neben der Arbeit im Restaurant versucht ein engagiertes Team von Therapeuten, Sozialarbeitern und AMS-Betreuern den temporären Mitarbeitern in Beratungsgesprächen unter die Arme zu greifen. Unbestreitbar fungiert es auch als Kontrollinstanz, der gegenüber Rechenschaft abgelegt werden muss. Am Ende kommt es auf jeden selbst an, sich den Weg zurück auf den "ersten" Arbeitsmarkt zu erkämpfen.

Hot Spot ist ein Dokumentarfilm, dessen Schwerpunkt nicht ganz deutlich wird. Derflinger beschränkt sich großteils auf das Beobachten der Verhältnisse im Michl's, besonders der Beratungsgespräche. Einige der Protagonisten werden in ihr privates Umfeld, zum Deutschkurs oder aufs AMS begleitet. Um Porträts der Hauptpersonen geht es der Regisseurin aber nicht, hierzu werden ihre Lebensumstände letztlich zu wenig beleuchtet.

Gesellschaftspolitische Fragen wie jene, was ein Mensch ohne Arbeit wert ist oder ob der Arbeitsmarkt nur Platz für jene hat, die ins System passen, stellt Hot Spot nur indirekt: wenn die Verunsicherung in den Gesichtern der Protagonisten abzulesen ist und der Kampf um einen Arbeitsplatz, der den eigenen Ansprüchen entspricht, deutlich wird.

Dennoch drängt sich der Eindruck auf, dass Derflinger das Potenzial ihres Themas nicht ausgeschöpft hat, denn diese Szenen sind die stärksten unter einer Menge leerer Beobachtungen, die wie zufällig mitgefilmt wirken. Arbeitende Hände und konzentrierte Gesichter mögen der Hauptteil des Alltags im Michl's sein, doch die großen Fragen, um die es Derflinger eigentlich geht, kann der Film nicht aufwerfen.  (Sabina Zeithammer / DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2011)

  • Beratungsgespräch im Michl's, einem sozialökonomischen Wiener Gasthaus für Langzeitarbeitslose.
    foto: polyfilm

    Beratungsgespräch im Michl's, einem sozialökonomischen Wiener Gasthaus für Langzeitarbeitslose.

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