Stadtrat plant Neustrukturierung der Kunsthalle und "neue Leitlinien"
Wien - Keiner Fleißaufgabe, sondern einer bezahlten
Nebentätigkeit soll Kunsthallen-Direktor Gerald Matt als
Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des Ausstellungshauses
nachgegangen sein. Wie der "Falter" in seiner aktuellen Ausgabe
berichtet, haben sowohl Matt als auch Kunsthalle-Geschäftsführerin
Bettina Leidl als Geschäftsführer der Kunst im öffentlichen Raum GmbH
(KÖR) ein Gehalt für ihren "Nebenjob im Hauptjob" erhalten. Dies wurde
aus dem Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gegenüber
dem "Falter" bestätigt, eine Summe wurde aber nicht genannt.
KÖR hat die "Belebung des öffentlichen Raums der Stadt Wien mit
permanenten bzw. temporären künstlerischen Projekten" zum Ziel und
wird mit einem Fonds von 800.000 Euro von kommunalen Geschäftsgruppen
subventioniert. Diesen hatte der Kulturstadtrat einst an den Verein
Kunsthalle ausgegliedert, um "wirtschaftliche Stabilität zu gewähren
und Expertise zu nutzen", sagte eine Sprecherin der Kunsthalle dazu. In ebendiesem Sinne haben Matt und Leidl
2007 die Funktion der Geschäftsführung übernommen - dabei seien "die
Projekte, das Inhaltliche und die Umsetzung zufriedenstellend
abgewickelt" worden.
Im "Falter" argumentierte Leidl, es habe sich bei der Entlohnung
nicht um ein Gehalt, sondern eine "betragsmäßig geringe
Funktionszulage" gehandelt. Mit dem Wechsel Leidls von der Kunsthalle
zur Wiener Kreativförderagentur "departure" mit 1. Dezember werden
sich laut Kunsthalle "personelle Veränderungen ergeben" und "Dinge
neu überlegt". Ob Matt weiterhin KÖR-Geschäftsführer bleibt, ist noch
nicht klar. Fix ist hingegen die Ausschreibung des
Geschäftsführerpostens - laut "Falter" im Rahmen von 40
Wochenstunden.
Das Ausmaß sei zweitrangig, betonte Mailath-Pokorny am Donnerstag
am Rande einer Pressekonferenz: "Wir suchen einfach
eine neue Leitung." In den kommenden Wochen solle auch die
angekündigte Neustrukturierung der Kunsthalle Gestalt annehmen. Dabei
wird auch über "neue Leitlinien" für andere öffentlich
subventionierte Kulturvereine nachgedacht. "Die Politik muss wieder
stärker Kontrolle übernehmen können", betonte Mailath-Pokorny erneut
seinen "Corporate governance"-Ansatz. Das heiße nicht, dass nun alle
Vereine unter Generalverdacht stehen: "Man darf Kulturpolitik nicht
mit staatsanwaltschaftlicher Tätigkeit verwechseln." (APA)