Einen Seitenhieb auf Teamchef Marcel Koller gönnt sich Paul Gludovatz nach Rieds erstem Erfolg im Hanappi-Stadion. Rapid bleibt nach dem Aus im Cup nur noch die Meisterschaft und ein Versprechen von Trainer Peter Schöttel
Wien/Ried - "Mich freut das, denn man gewinnt nicht alle Tage auswärts gegen Rapid. Wir haben diese einmalige Chance genützt", sagte Paul Gludovatz nach Rieds in der Verlängerung, also innert 120 Minuten erzwungenen 2:1-Cupsieg am Mittwochabend im Gerhard-Hanappi-Stadion.
Der routinierteste Coach Österreichs hatte nicht zu hundert Prozent recht. Denn die Innviertler haben genau genommen noch nie bei Rapid gewonnen - egal ob im Cup oder in der Meisterschaft. Wenn jemand tatsächlich auf dieses Ereignis gewartet hat, dann hatte er sich nach flinker Berechnung der Oberösterreichischen Nachrichten seit dem Bundesliga-Einstieg des SV Ried Anfang August 1995 genau 5929 Tage zu gedulden. In jenen mehr als 16 Jahren besuchten die Rieder 30-mal Hütteldorf und fuhren 21-mal als Verlierer wieder nach Hause. Achtmal reiste wenigstens ein Punkt mit retour. Das Minus an Toren belief sich alles in allem auf 50 (22:72), Gludovatz' Freude ist also durchaus berechtigt.
Sozial ohne Netzwerk
Dass dabei selbst einem 65-Jährigen die Pferde durchgehen können, bewies Gludovatz durch die Antwort auf die Frage nach seinem Anteil am Erfolg. "Bei uns stehen die Spieler im Mittelpunkt. Wir haben keinen Facebook- oder Twitter-Trainer, der sich besser verkaufen muss, als es die Arbeit auf dem Platz zeigt." Das galt wohl dem neuen, in der Welt sozialer Netzwerke und alternativer Nachrichtenplattformen schon heimischen Teamchef Marcel Koller, der sich in etwa zeitgleich mit dem historischen Wiener Cup-Match in Hannover am 1:0-Pokalerfolg der Mainzer samt Treffer von Andreas Ivanschitz delektierte.
Auf Kollers Bestellung vor drei Wochen hatte Gludovatz, der selbst als möglicher Nachfolger von Dietmar Constantini gehandelt und als solcher auch von seinem ehemaligen Arbeitgeber ÖFB kontaktiert worden war, noch verhalten beleidigt reagiert und sich offiziell gar nicht übergangen gefühlt. "Ich weiß nur, dass ich die Punkte im Anforderungsprofil erfüllt hätte, außer dass ich vielleicht zu wenig verlangt habe."
Während Ried am Samstag keine weitere Chance auf einen historischen Erfolg hat - in Salzburg gelangen bisher schon drei Siege -, spielt Rapid daheim gegen Meister Sturm, der Liga-Spitzenreiter Admira zum Abschluss des Achtelfinales recht souverän mit 3:1 aus dem Cup entfernte, wider die völlige Depression. Trainer Peter Schöttel traut sich nach wie vor zu, "das Ganze wieder auf einen besseren Weg zu bringen. Wir werden diese Phase durchtauchen" , versprach der 44-Jährige.
Gegen Ried hätte es vom Ansatz her gar nicht schlecht ausgesehen, "aber wir gewinnen im Moment eben die engen Partien nicht" . Den im Finish ausgeschlossenen Jungspunden Christopher Drazan und Michael Schimpelsberger wollte Schöttel keine gesonderten Vorwürfe machen. "Wir haben uns in einigen Situationen naiv benommen, und da rede ich gar nicht von den Ausschlüssen."
Ein scheinbar sicheres Erfolgserlebnis winkt Rapid übrigens erst wieder Anfang Dezember in Kapfenberg. Der KSV ist nämlich der letzte der aktuellen Bundesligisten, gegen den Rapid - egal ob daheim oder auswärts - noch nie verloren hat. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 28. Oktober 2011, APA, red)