Master für alle Lehrer - Gemeinsame Schule für 6- bis 14-Jährige - Gegen Studiengebühren
Wien - Gegen Ziffernnoten als Leistungsbewertung und für eine gemeinsame Ganztagsschule der Sechs- bis 14-Jährigen plädiert der Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen (BSA) in seinem heute präsentierten Bildungsmanifest. Kern ebendieses ist laut BSA-Präsident Andreas Mailath-Pokorny die Forderung nach einem "leistungsstarken und chancengerechten Bildungssystem". Noch immer werde Bildung vererbt, als Gegenmaßnahme brauche es ein "politisches Bekenntnis zu Bildung und eine ausreichende Finanzierung auf allen Ebenen des Bildungssystems".
Kein Frontalunterricht
Den von der Koalition beschlossenen Ausbau der Neuen Mittelschule (NMS) begrüßt Mailath-Pokorny zwar als "wichtigen Schritt" - dieser löse jedoch "nicht den Anspruch nach einer gemeinsamen Schule". Wenig hält er vom Festhalten an Schultypen, so der Wiener Kulturstadtrat in Richtung ÖVP, die sich vehement für den Erhalt der AHS ausspricht. Ebenso wie die AHS sollen nach Vorstellung des BSA, der auch die Unterstützung des Bildungsvolksbegehrens von Ex-SP-Vizekanzler Hannes Androsch betonte, künftig Noten und Frontalunterricht der Vergangenheit angehören und in der Oberstufe ein Kurssystem eingeführt werden.
Die gemeinsame Schule geht für die Verfasser des Manifests nur Hand in Hand mit einer gemeinsamen Lehrerausbildung, im Rahmen derer alle Lehrenden - sowie "weitgehend" die Kindergartenpädagogen - ein Masterstudium an einer Hochschule absolvieren sollen. Die Pädagogischen Hochschulen (PH) sollen nach Vorstellung des BSA zu "eigenständigen pädagogischen Universitäten ausgebaut werden"; eine Kooperation zwischen PH und Universitäten sei zwar notwendig aber "keine Dauerlösung". Im Manifest offen bleibt, "wer in weiterer Folge die Federführung übernimmt", so FSG-Lehrergewerkschafter Stefan Wenka.
Gegen Studiengebühren
Sowohl an den Schulen als auch an den Universitäten fordert der BSA "mehr Demokratie", allen voran mit der Wiedereinführung der Direktwahl der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH). Die von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle in Aussicht gestellte Hochschulmilliarde deckt indes "nur das Allernotwendigste ab", meinte Mailath-Pokorny, der erneut die Ausfinanzierung der Unis forderte und sich "selbstverständlich" gegen Studiengebühren aussprach.
Im Rahmen eines Hochschulplans müsse das Uni-Budget auf zwei Prozent des BIP bis 2015 angehoben, ein besseres Betreuungsverhältnis geschaffen, mehr Studienplätze ermöglicht und inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden. Letztere sollen nicht mit Platzbeschränkungen einhergehen, wie Mailath-Pokorny auf Nachfrage betonte. "Studentenströme leiten heißt für uns intensiv im Vorfeld informieren und berechnen, wie viele Studienplätze es in welchen Studiengängen braucht." (APA)