Olivenöl im Test: Von wegen "nativ extra"

  •  Echt Bio, erhältlich bei Penny, erzielte als bestes Produkt im Test 
eine "gute" Gesamtwertung. Das zweitplatzierte Conte de Cesare schnitt bei der Expertenverkostung am besten ab.
    foto: standard/matthias cremer

    Echt Bio, erhältlich bei Penny, erzielte als bestes Produkt im Test eine "gute" Gesamtwertung. Das zweitplatzierte Conte de Cesare schnitt bei der Expertenverkostung am besten ab.

Die deklarierte Spitzenqualität wird oft nicht geliefert - Das beste Öl im Test kommt von Penny

Wien - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete Olivenöle der höchsten Qualitätsklasse nativ extra (extra vergine). Solche Öle müssen unter anderem in Geruch und Geschmack fehlerfrei sein. Das ernüchternde Ergebnis: Ein Drittel der 15 getesteten Öle bestanden die Prüfung eines akkreditierten Expertenpanels nicht. "Spitzenqualität wird deklariert, aber nicht geliefert", kritisiert VKI-Geschäftsführer Franz Floss in einer Aussendung.

Bereits vor vier Jahren testete der VKI 18 Olivenöle: Die Hälfte der damals getesteten nativ extra Öle wurden wegen Verdacht auf unerlaubte Wärmebehandlung aus der Wertung genommen. Diese Behandlung ermöglicht, leicht fehlerhafte Öle qualitativ zu "verbessern. Kein einziges Produkt war zudem frei von Schadstoffen wie Weichmachern und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK).

Öle zweiter Güteklasse

Der aktuelle Test fiel eine Spur besser aus und dennoch nicht zufriedenstellend: Fünf Öle bestanden die Prüfung des Expertenpanels nicht: Carapelli, Natürlich für uns, Montolivo, Rapunzel und S-Budget. Laut den vom VKI beauftragten Experten des Deutschen Olivenöl Panels (DOP) handelt es sich hierbei um Öle zweiter Güteklasse (nativ). Darüber hinaus vergab der VKI bei den Olivenölen von S-Budget und Spar Natur Pur kein Testurteil, da der Verdacht auf Wärmebehandlung oder mangelnde Frische bestehe. "Das ist besonders ärgerlich, da es sich bei Olivenöl um ein Produkt handelt, das als gesundheitsfördernd empfohlen wird," so Floss.

Schadstoffe im Öl

Auch dieses Mal wurden die Olivenöle auf Schadstoffe wie Weichmacher und PAK untersucht: Kein einziges Öl ist frei von Schadstoffen, wenn auch viele nur knapp über der Bestimmungsgrenze liegen. "In jedem Öl sind ein bis drei Weichmacher nachzuweisen. Insbesondere Altis, Natürlich für uns und Rapunzel fallen negativ auf. Hier wurde der für Lebensmittel festgelegte Migrationswert von 1,5 mg/kg überschritten", kritisiert VKI-Ernährungswissenschafterin Nina Zellhofer. PAK wiederum finden sich zwar mittlerweile überall in der Natur und somit auch in den getesteten Olivenölen. Bei der Anzahl gibt es aber große Unterschiede: Im besten Fall stecken nur vier verschiedene PAK im Öl (Altis, Conte de Cesare, Echt Bio), im schlechtesten ist es ein "Cocktail" von insgesamt sieben Substanzen (Bertolli, Ja! Natürlich und Natürlich für uns).

Herkunft und Kennzeichnung

Die Herkunft des Produktes ist für viele Konsumenten von großer Bedeutung. Hier gibt es in Sachen Kennzeichnung kaum etwas zu beanstanden. Die Früchte kommen in der Tat aus jenen Ländern, die auf den Flaschenetiketten vermerkt sind: Griechenland, Italien und Spanien. Teils wird auch die EU als Herkunftsort genannt, wobei es sich hierbei um sogenannte "Mittelmeermischungen" handelt. Weniger gut sieht es dagegen bei den ausgelobten Hinweisen zur Ölgewinnung aus. Die Aussage, dass Ja! Natürlich und Iliada ihr Olivenöl tatsächlich noch nach traditioneller Art pressen, ist mit Vorsicht zu genießen: Auf Anfrage des VKI hin musste Ja! Natürlich zugeben, dass die Angabe am Etikett fehlerhaft ist. Die Antwort von Iliada stehe noch aus.

Die guten Öle

Restlos überzeugen konnte die Fachleute kein einziges Öl. Echt Bio, erhältlich bei Penny, erzielte als bestes Produkt im Test eine "gute" Gesamtwertung. Mit 7,99 Euro pro Liter liegt es im preislichen Mittelfeld der 15 getesteten Olivenöle, für ein Bio-Olivenöl ein echter Kampfpreis. Das zweitplatzierte Conte de Cesare, gekauft bei Merkur, schnitt bei der Expertenverkostung am besten ab. Sieben Olivenöle wurden mit "durchschnittlich" bewertet, fünf mit "nicht zufriedenstellend".

Die getesteten Öle sind im Handel zwischen 3,45 und 12,98 Euro erhältlich. "Bezieht man sämtliche Kostenfaktoren mit ein, die sich bei Produktion, Transport und Vertrieb ergeben, stellt sich die Frage, wie dies bei einem Preis von vier Euro machbar ist", so Floss.

Kochen mit Olivenöl

Wie jedes Speiseöl muss auch Olivenöl vor Wärme, Licht und Sauerstoff geschützt werden. Daher sollte es immer kühl, dunkel und gut verschlossen gelagert werden. Olivenöl nativ extra eignet sich auch zum Kochen und Braten. Dabei sollten aber keine Temperaturen höher als 170 Grad erreicht werden, da es schon bei 180 Grad zu rauchen beginnt. (red, derStandard.at, 27.10.2011)

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