Religion im Web

Klagemauer 2.0: Gläubige twittern an Gott

27. Oktober 2011, 09:16

Student deponiert für Gott bestimmte elektronische Nachrichten in Jerusalem

Millionen von Menschen besuchen jedes Jahr die heiligste jüdische Stätte in Jerusalem, um ihre Gebete dort zu platzieren. In den Ritzen der Klagemauer stecken Tausende zusammengefalteter Zettel. Doch immer mehr Nachrichten werden auf digitalem Umweg an Gott gerichtet: per E-Mail, Twitter oder Smartphone-App. Die Rabbiner der Klagemauer bringen täglich Gebete zur Mauer, die ihnen per Mail oder mit einem Formular auf der Webseite der Klagemauer zugesandt worden sind, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Gebete zwitschern

Der israelische Student Alon Nir bietet demnach seit zwei Jahren den kostenlosen Service "Tweet your Prayer" an. Jeder kann ihm über den Kurznachrichtendienst Twitter Gebete in den zulässigen 140 Zeichen senden. Etwa 100 bis 200 digitale Gebete erhält Nir jeden Tag - manche auf japanisch oder chinesisch. Bei 100.000 Nachrichten habe er aufgehört zu zählen. "Die meisten kommen aus den USA und Brasilien, aber auch aus England, Frankreich, Deutschland oder Israel selbst", sagt er. Auch Christen, Muslime, Buddhisten oder Anhänger der japanischen Shinto-Religion hätten ihn schon kontaktiert. Die meisten Gebete erhält Nir nicht als öffentlichen Tweet, sondern als Privatnachricht - diese liest er nicht, denn nach jüdischem Glauben sind die Zettel an der Klagemauer nur für Gott bestimmt.

Weltfrieden

Wie der 27-Jährige durch die öffentlichen Gebete und E-Mails weiß, sind die Wünsche vielfältig. "Manche bitten um die großen Dinge wie Weltfrieden, Liebe oder Gesundheit. Gerade aus den USA kommen aber auch viele Tweets mit finanziellen Sorgen, weil jemand sein Haus verliert oder seinen Job." Auch vor Feiertagen oder bei Katastrophen wie den Erdbeben in Haiti oder Fukushima steige die Zahl der Gebete sprungartig an. wollen, dass Fremde meine Ängste und Wünsche erfahren", sagt er pragmatisch. Eine Software durchsucht die Nachrichten nach Schlagwörtern - denn Obszönitäten oder antisemitische Hetze sollen keinen Platz in der Klagemauer finden. (APA/red)

Zara von Thustra
00
27.10.2011, 09:56

Wer was auch immer an welchen Gott auch immer twittert, die Antwort wird sein: intergalaktisches Rauschen oder anders ausgedrückt: Schweigen.

Kelvan
00
27.10.2011, 12:41

Das Rauschen ist nur eine verschlüsselte Nachricht.
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