Student deponiert für Gott bestimmte elektronische Nachrichten in Jerusalem
Millionen von Menschen besuchen jedes Jahr die heiligste jüdische Stätte in Jerusalem, um ihre Gebete dort zu platzieren. In den Ritzen der Klagemauer stecken Tausende zusammengefalteter Zettel. Doch immer mehr Nachrichten werden auf digitalem Umweg an Gott gerichtet: per E-Mail, Twitter oder Smartphone-App. Die Rabbiner der Klagemauer bringen täglich Gebete zur Mauer, die ihnen per Mail oder mit einem Formular auf der Webseite der Klagemauer zugesandt worden sind, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
Gebete zwitschern
Der israelische Student Alon Nir bietet demnach seit zwei Jahren den kostenlosen Service "Tweet your Prayer" an. Jeder kann ihm über den Kurznachrichtendienst Twitter Gebete in den zulässigen 140 Zeichen senden. Etwa 100 bis 200 digitale Gebete erhält Nir jeden Tag - manche auf
japanisch oder chinesisch. Bei 100.000 Nachrichten habe er aufgehört zu
zählen. "Die meisten kommen aus den USA und Brasilien, aber auch aus
England, Frankreich, Deutschland oder Israel selbst", sagt er. Auch
Christen, Muslime, Buddhisten oder Anhänger der japanischen
Shinto-Religion hätten ihn schon kontaktiert. Die meisten Gebete erhält Nir nicht als öffentlichen Tweet, sondern als
Privatnachricht - diese liest er nicht, denn nach jüdischem Glauben sind
die Zettel an der Klagemauer nur für Gott bestimmt.
Weltfrieden
Wie der 27-Jährige durch die öffentlichen Gebete und E-Mails weiß, sind
die Wünsche vielfältig. "Manche bitten um die großen Dinge wie
Weltfrieden, Liebe oder Gesundheit. Gerade aus den USA kommen aber auch
viele Tweets mit finanziellen Sorgen, weil jemand sein Haus verliert
oder seinen Job." Auch vor Feiertagen oder bei Katastrophen wie den
Erdbeben in Haiti oder Fukushima steige die Zahl der Gebete sprungartig
an. wollen, dass Fremde meine Ängste und Wünsche erfahren", sagt er pragmatisch. Eine Software durchsucht die Nachrichten nach Schlagwörtern - denn Obszönitäten oder antisemitische Hetze sollen keinen Platz in der Klagemauer finden. (APA/red)