Drittes Quartal

Verbund verdient unterm Strich weniger

27. Oktober 2011, 12:14

Beteiligungen laufen schwierig - Während einige Wasserkraftwerke aufgewertet wurden, wurde das Gaskraftwerk Mellach abgewertet

Wien - Der börsenotierte Stromkonzern Verbund hat in den ersten drei Quartalen einen niedrigeren Konzerngewinn verbucht, beim operativen Ergebnis aber zugelegt. Kraftwerke wurden um einige hundert Millionen Euro neu bewertet. Das Konzernergebnis sank um 6,2 Prozent auf 313,3 Millionen Euro und war von negativen Bewertungseffekten und Fremdwährungsverlusten belastet, teilte der Verbund am Donnerstag mit.

Der Wert der Wasserkraftwerke habe sich nach dem Atomausstieg Deutschlands positiv verändert. Zudem geht man von einem weiterhin positiven Umfeld für erneuerbare Energien aus. Daher seien das Donaukraftwerk Freudenau sowie die Laufkraftwerksketten Mittlere Salzach und Obere Drau, die 1998 um 480,9 Mio. Euro abgewertet worden waren, auf ihre Werthaltigkeit geprüft worden. Die nun ermittelte Wertaufholung (Zuschreibungsgebot) betrage insgesamt 312,6 Mio. Euro.

Gaskraftwerke leiden unter schwacher Profitabilität

Das in Bau befindliche Gas-Kombikraftwerk in Mellach wurde dagegen zum 30.9.2011 abgewertet: Die Wertminderung betrage 110,3 Mio. Euro und sei den schlechten Erdgas-Lieferverträgen geschuldet.

Für die vom Verbund geplante 400-Megawatt-Anlage in Klagenfurt etwa, für die erst das Genehmigungsverfahren läuft, "müsste der Gasvertrag schon anders sein" als der jetzige zu Mellach, der derzeit noch nachverhandelt wird, betonte Anzengruber am Donnerstag. Grund für die "schwierige Profitabilitäts-Situation", die "Gaskraftwerke in ganz Europa unter Druck" bringe, sei die Entwicklung des "Clean Spark Spreads", also der Differenz zwischen Erdgas- und Zertifikatspreisen einerseits und dem Strompreis andererseits.

Diese ölpreisinduzierten ToP-Gasverträge (Take-or-Pay) sehen Wettbewerbshüter als Knebelverträge an, weil das Gas auch dann bezahlt werden muss, wenn es nicht benötigt wird oder woanders günstiger beschafft werden könnte. Weil hier ein Teil der Energieliberalisierung "gestört" sei, "befinden sich Gas-Kraftwerke derzeit nicht mehr in der Merit-Order-Kurve", sagte der Verbund-Chef. Anhand der Merit-Order-Grenzkostenkurve (Wert-Reihenfolge) lässt sich für eine Stromnachfrage zu jedem Zeitpunkt bestimmen, mit welchen Kraftwerken diese Nachfrage am kostengünstigsten gedeckt werden kann.

Beteiligungen laufen schwierig

Das Beteiligungsergebnis sank im Vergleich zum Vorjahr um 212,5 Mio. Euro auf minus 154,0 Mio. Euro. Die negative Entwicklung sei zum überwiegenden Teil aus den nach der Equity-Methode bilanzierten Auslandsbeteiligungen gekommen. So habe der zwischen der französischen Poweo Pont-sur-Chambre Production S.A.S. und der ENI bestehende Gasliefervertrag im dritten Quartal erstmals ergebniswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden müssen. Der Effekt wird mit insgesamt minus 75,2 Mio. Euro angegeben. Bei der 50,01-prozentige Beteiligung an der Shkodra Region Beteiligungsholding GmbH gab es eine Wertminderung um 35,7 Mio. Euro.

Die Kursentwicklung der türkischen Lira zum Euro bzw. zum US-Dollar führten bei der Enerjisa Enerji Üretim und bei der Enerjisa Elektrik Dagitim zu ergebniswirksamen Kursverlusten aus der Bewertung von Fremdwährungsverbindlichkeiten. "Der Wert der türkischen Lira hat sich heuer um zirka 20 Prozent reduziert", sagte Vorstandschef Wolfgang Anzengruber im Pressegespräch. Der daraus resultierende Effekt auf das Ergebnis aus nach Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen wird im Quartalsbericht mit insgesamt minus 54 Mio. Euro angegeben. Positive Effekte kaman aus steuerlichen Investitionsbegünstigungen bei der italienischen Sorgenia.

Trotz schwacher Wasserführung gute Werte

Das operative Ergebnis stieg unbereinigt um 35,5 Prozent auf 847,6 Mio. Euro. Bereinigt um die insgesamt positiven Ergebnisse der Werthaltigkeitsprüfungen liege es trotz der schwachen Wasserführung um 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Dies sei im Wesentlichen auf interne Kosteneinsparungen, eine höhere Erzeugung aus thermischen Kraftwerken sowie auf höhere Strompreise am Spotmarkt zurückzuführen, so der Verbund.

Die Wasserführung sei in den ersten drei Quartalen um 12 Prozent unter dem vieljährigen Durchschnitt und um neun Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert gelegen. Die Erzeugung aus Wasserkraft sank um 7,9 Prozent auf 18.883 GWh, jene aus Wärmekraft stieg hingegen um 17,4 Prozent auf 3.478 GWh. Der Umsatz stieg um 16,7 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro.

Die für das Geschäftsjahr 2011 maßgeblichen Strompreise (im Jahr 2010 gehandelte Forward-Kontrakte) sei mit 49,9 Euro pro Megawattstunde (MWh) um 1,4 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Die positiven Effekte des deutschen Atomausstiegs würden sich daher erst im Geschäftsjahr 2012 zeigen.

Für das Gesamtjahr 2011 wird ein operatives Ergebnis von rund einer Mrd. Euro (ohne Effekte aus Werthaltigkeitsprüfungen rund 800 Mio. Euro) und ein Konzernergebnis von rund 380 Mio. Euro erwartet. Als Basis wurde eine durchschnittliche Wasserführung für das Restjahr angenommen. Die Dividende werde sich an einer Ausschüttungsquote von 45 bis 50 Prozent orientieren. (APA)

der elch mit dem kelch
00
27.10.2011, 18:45
Ist ja auch kein Wunder

bei den Personalkosten.

Ist ähnlich wie bei den ÖNB ManagerInnen: Wenig Geschäftsrisiko, aber trotzdem voll zulangen. Mal sehen ob die Damen und Herren jetzt weniger bekommen werden - weil weniger erfolgreich?

Rot und Schwarz lassen Ihre Leistungsträger schon nicht verhungern - zur Aktionärsstruktur des "privaten" Verbunds: http://tinyurl.com/6chj26y

nix fir unguad
01
27.10.2011, 17:39
Die positiven Effekte des deutschen Atomausstiegs würden sich daher erst im Geschäftsjahr 2012 zeigen

Das heisst wir werden nächstes Jahr für diesen Unsinn blechen müssen!

skyrock
00
27.10.2011, 18:38
die Deutschen werden blechen

wir haben bekanntlich keine Atomkraftwerke

Der mit der Glaskugel spricht
02
27.10.2011, 16:01
Ein eher durchwachsenes Ergebnis

vor allem bei den Beteiligungen...

Mit "höheren Strompreisen am Spotmarkt" ist wohl der schamlos erhöhte Strompreis gemeint.

Vielleicht könnte der Standard einmal recherchieren und seinen sicherlich überraschten Lesern mitteilen, daß die Endkundenpreise für Strom trotz tw. deutlich rückläufiger Großhandelspreise vom Verbund saftig erhöht wurden...

will-alles.at
00
27.10.2011, 15:09
Wenn das Gas und die Boni strömen sowie die Dividende passt, muss die PR mit dem grünen Mäntelchen funktionieren ;))

Nösch Schidri-Ressua
00
27.10.2011, 13:46
Eh wurschst, notfalls wird der Strompreis angehoben, dann zahlen halt wir die indirekte Steuer via Verbn

ravenna
20
27.10.2011, 16:23

Ja, so ist das halt. Es kommt vor, dass Firmen auch etwas verdienen wollen. Sie arbeiten sicher auch gratis....

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