Beteiligungen laufen schwierig - Während einige Wasserkraftwerke aufgewertet wurden, wurde das Gaskraftwerk Mellach abgewertet
Wien - Der börsenotierte Stromkonzern Verbund hat in den
ersten drei Quartalen einen niedrigeren Konzerngewinn verbucht, beim
operativen Ergebnis aber zugelegt. Kraftwerke wurden um einige
hundert Millionen Euro neu bewertet. Das Konzernergebnis sank um 6,2
Prozent auf 313,3 Millionen Euro und war von negativen Bewertungseffekten
und Fremdwährungsverlusten belastet, teilte der Verbund am
Donnerstag mit.
Der Wert der Wasserkraftwerke habe sich nach dem Atomausstieg
Deutschlands positiv verändert. Zudem geht man von einem
weiterhin positiven Umfeld für erneuerbare Energien aus. Daher seien
das Donaukraftwerk Freudenau sowie die Laufkraftwerksketten Mittlere
Salzach und Obere Drau, die 1998 um 480,9 Mio. Euro abgewertet worden
waren, auf ihre Werthaltigkeit geprüft worden. Die nun ermittelte
Wertaufholung (Zuschreibungsgebot) betrage insgesamt 312,6 Mio. Euro.
Gaskraftwerke leiden unter schwacher Profitabilität
Das in Bau befindliche Gas-Kombikraftwerk in Mellach wurde dagegen
zum 30.9.2011 abgewertet: Die Wertminderung betrage 110,3 Mio. Euro und sei den schlechten Erdgas-Lieferverträgen geschuldet.
Für die vom Verbund geplante 400-Megawatt-Anlage in Klagenfurt etwa,
für die erst das Genehmigungsverfahren läuft, "müsste der Gasvertrag
schon anders sein" als der jetzige zu Mellach, der derzeit noch
nachverhandelt wird, betonte Anzengruber am Donnerstag. Grund für die "schwierige Profitabilitäts-Situation", die
"Gaskraftwerke in ganz Europa unter Druck" bringe, sei die
Entwicklung des "Clean Spark Spreads", also der Differenz zwischen
Erdgas- und Zertifikatspreisen einerseits und dem Strompreis
andererseits.
Diese ölpreisinduzierten ToP-Gasverträge (Take-or-Pay)
sehen Wettbewerbshüter als Knebelverträge an, weil das Gas auch dann
bezahlt werden muss, wenn es nicht benötigt wird oder woanders
günstiger beschafft werden könnte. Weil hier ein Teil der
Energieliberalisierung "gestört" sei, "befinden sich Gas-Kraftwerke
derzeit nicht mehr in der Merit-Order-Kurve", sagte der Verbund-Chef.
Anhand der Merit-Order-Grenzkostenkurve (Wert-Reihenfolge) lässt sich
für eine Stromnachfrage zu jedem Zeitpunkt bestimmen, mit welchen
Kraftwerken diese Nachfrage am kostengünstigsten gedeckt werden kann.
Beteiligungen laufen schwierig
Das Beteiligungsergebnis sank im Vergleich
zum Vorjahr um 212,5 Mio. Euro auf minus 154,0 Mio. Euro. Die
negative Entwicklung sei zum überwiegenden Teil aus den nach der
Equity-Methode bilanzierten Auslandsbeteiligungen gekommen. So habe
der zwischen der französischen Poweo Pont-sur-Chambre Production
S.A.S. und der ENI bestehende Gasliefervertrag im dritten Quartal
erstmals ergebniswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden
müssen. Der Effekt wird mit insgesamt minus 75,2 Mio. Euro angegeben.
Bei der 50,01-prozentige Beteiligung an der Shkodra Region
Beteiligungsholding GmbH gab es eine Wertminderung um 35,7 Mio. Euro.
Die Kursentwicklung der türkischen Lira zum Euro bzw. zum
US-Dollar führten bei der Enerjisa Enerji Üretim und bei der Enerjisa
Elektrik Dagitim zu ergebniswirksamen Kursverlusten aus der Bewertung
von Fremdwährungsverbindlichkeiten. "Der Wert der türkischen Lira hat
sich heuer um zirka 20 Prozent reduziert", sagte Vorstandschef
Wolfgang Anzengruber im Pressegespräch. Der daraus resultierende
Effekt auf das Ergebnis aus nach Equity-Methode bilanzierten
Beteiligungen wird im Quartalsbericht mit insgesamt minus 54 Mio.
Euro angegeben. Positive Effekte kaman aus steuerlichen
Investitionsbegünstigungen bei der italienischen Sorgenia.
Trotz schwacher Wasserführung gute Werte
Das operative Ergebnis stieg unbereinigt um 35,5 Prozent auf 847,6
Mio. Euro. Bereinigt um die insgesamt positiven Ergebnisse der
Werthaltigkeitsprüfungen liege es trotz der schwachen Wasserführung
um 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Dies sei im Wesentlichen auf
interne Kosteneinsparungen, eine höhere Erzeugung aus thermischen
Kraftwerken sowie auf höhere Strompreise am Spotmarkt zurückzuführen,
so der Verbund.
Die Wasserführung sei in den ersten drei Quartalen um 12 Prozent
unter dem vieljährigen Durchschnitt und um neun Prozentpunkte unter dem
Vorjahreswert gelegen. Die Erzeugung aus Wasserkraft sank um 7,9
Prozent auf 18.883 GWh, jene aus Wärmekraft stieg hingegen um 17,4
Prozent auf 3.478 GWh. Der Umsatz stieg um 16,7 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro.
Die für das Geschäftsjahr 2011 maßgeblichen Strompreise (im Jahr
2010 gehandelte Forward-Kontrakte) sei mit 49,9 Euro pro
Megawattstunde (MWh) um 1,4 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen.
Die positiven Effekte des deutschen Atomausstiegs würden sich daher
erst im Geschäftsjahr 2012 zeigen.
Für das Gesamtjahr 2011 wird ein operatives Ergebnis von rund einer
Mrd. Euro (ohne Effekte aus Werthaltigkeitsprüfungen rund 800 Mio.
Euro) und ein Konzernergebnis von rund 380 Mio. Euro erwartet. Als
Basis wurde eine durchschnittliche Wasserführung für das Restjahr
angenommen. Die Dividende werde sich an einer Ausschüttungsquote von
45 bis 50 Prozent orientieren. (APA)