NS-Virus: Die Verblödung schreitet unaufhaltsam voran

26. Oktober 2011, 19:24
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Beinhartes Politkabarett von I Stangl: "Es gilt die Ungustlvermutung"

Wien - Obgleich er immer wieder klassisches, pointiertes Politkabarett einfließen ließ: Im letzten Jahrzehnt widmete sich I Stangl, mit Bierbauch und grotesken Haarbüscheln seitlich der Glatze die "personifizierte Niederlage eines Traummannes", in erster Linie dem Geschlechterkampf. Er ging der Frage nach, Warum Frauen gut aussehen und Männer besser fernsehen (2004), präsentierte sich als Frauenflüsterer (2007) und analysierte in einem geglückten Best-of den Irrtum Mann (2010).

Auch sein neues Programm Es gilt die Ungustlvermutung, kürzlich in der Kulisse präsentiert, klingt eher harmlos. Auf Ungustln stößt man schließlich bald einmal, etwa im Flugzeug in der Spezies des österreichischen Globetrottels, der zu seiner Frau unentwegt "Mama" sagt. Und man sieht sie im Fernsehen: Wenn der Bauer nicht so sehr eine Partnerin, sondern ein landwirtschaftliches Nutzgerät sucht.

Doch abgesehen von ein paar kleinen Abschweifungen ins Triviale ist I Stangls pseudowissenschaftlicher Vortrag "nach der Hahn-Guttenberg-Methode" eine beinharte Abrechnung mit der Politik - vornehmlich mit jener von Strache, den er konsequent nur "Bumsti" nennt, und seiner Kompagnons, die sich allerlei ungustiöse NS-Sprüche auf Unterarme und Bauchdecken tätowieren ließen.

Um zu beweisen, dass er den Schwachsinn, von dem er redet, nicht erfunden hat, zeigt I Stangl - ähnlich zu Stefan Raab in seiner Fensehshow TV Total - am Bildschirm jede Menge Videoeinspielungen, darunter Ausschnitte aus Reden des Angstverbreiters H.C. Strache, sowie Fotos und decouvrierende Facebook-Einträge von FPÖ-Mandataren. Auch wenn I Stangl sich über die "Wuchteln" lustig macht: Es ist ihm bitterernst. Und nur einmal zitiert er sich selbst: Wenn er feststellt, dass in Kärnten das Motto "Unsere Ehre heißt Veruntreuung" laute.

Ausgangspunkt für das dichte Programm bildet eine Überschrift aus der Kärntner Tageszeitung: "Gestohlene Verblödungs-Viren bedrohen Menschheit." I Stangl erzählt, dass die von den Nazis entwickelten Verblödungsviren, die nicht mehr gegen die Alliierten zum Einsatz kamen, 1965 im Toplitzsee gefunden wurden. Das Reagenzglas gelangte in die Hände des slowenischen Geheimdienstes. Und dieser setzte die Viren in Unterkärnten, das verloren war, aus. Kurze Zeit später fand der erste Villacher Fasching statt.

Mithilfe einer "Verblödungsvirenverbreitungskarte" veranschaulicht I Stangl, welche erschreckenden Ausmaße die Seuche angenommen hat. Besonders kontaminiert sind die SPÖ-Zentrale und das Innenministerium.

Die Folgen liegen für I Stangl auf der Hand: Strache wird 2013 Kanzler. Der Abend endet daher richtig - mit einem Blackout.  (Thomas Trenkler  / DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2011)

Nächste Vorstellungen in der Kulisse: 29./30. 10.; 9./10./19. 11.

  • Vortrag über Verblödungsviren und FP-Politik: I Stangl.
    foto: breneis

    Vortrag über Verblödungsviren und FP-Politik: I Stangl.

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