Wehrpflicht-Debatte

Bundesheer neu: Die Wehrpflicht hat ausgedient

Kommentar der anderen | 26. Oktober 2011, 17:59

Wer will, dass das Bundesheer effizienter wird, darf sich einer Strukturreform nicht verschließen: Plädoyer für einen Wendepunkt in der der österreichischen Landesverteidigung - Von Norbert Darabos

Es gibt keine fertige, keine perfekte Armee, weil es auch keine Welt gibt, die gesellschaftlich, politisch und ökonomisch von Starrheit geprägt ist. Bestes Beispiel sind die derzeit stattfindenden Umbrüche im arabischen Raum, die vor einem Jahr wohl niemand vorhersehen konnte. Derartige Wendepunkte in der Weltgeschichte gibt es viele. Denken wir nur an den Fall der Berliner Mauer oder an die Terroranschläge in New York - zwei Ereignisse, die konträrer nicht sein können, aber dennoch eines gemein haben: Sie veränderten die Welt, weil sie wesentlichen Einfluss auf die internationale Sicherheitspolitik hatten. Wenn sich die Welt verändert, müssen sich auch die Streitkräfte verändern. Es gehört also zum Wesen eines Heeres, flexibel und anpassungsfähig zu sein.

Das Bundesheer steht daher nicht vor dem Abgrund, wie es ein Pessimismus verbreitender Heeresgewerkschafter formuliert hat, sondern vor einer Richtungsentscheidung. Belassen wir alles so, wie es ist, oder haben wir den Mut, alte Zöpfe abzuschneiden, um das Bundesheer auf die Herausforderungen der Zukunft auszurichten?

Nach der Umstellung auf ein Profi-Heer in Deutschland und in Schweden wurde im Herbst 2010 auch innerhalb der SPÖ eine Debatte über den Sinn der Wehrpflicht entfacht. Als damaliger Wehrpflicht-Befürworter* war diese Situation keine einfache für mich. Es war mir allerdings auch klar, dass die Zeit reif ist, sich einer sachlichen Debatte darüber zu stellen - und zwar mit offenem Ausgang. Nach einer internationalen Enquete, unzähligen Gesprächen mit meinen Amtskollegen in Europa und dem Studium der vom Generalstab erarbeiteten Wehrsystem-Modelle habe ich meinen Standpunkt geändert. Ich bin zur Auffassung gelangt, dass wir Veränderung brauchen, um die unbestritten hohe Qualität der Arbeit unserer Soldaten abzusichern.

Das hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen ist nach dem Ende des Kalten Krieges vor mehr als 20 Jahren die gegenseitige Bedrohung von Ost und West weggefallen und damit auch die Grundlage für ein Massenheer mit allgemeiner Wehrpflicht. Zum anderen erfordern die neuen Einsatzszenarien ein schlankes, flexibles und rasch einsetzbares Bundesheer aus Profis und Spezialisten.

Gerade die ohne Grundwehrdiener absolvierten Einsätze im Jahr 2011 (Evakuierung von Österreichern aus Nordafrika, Teilnahme an der EU-Battlegroup, Entsendung einer Reserveeinheit in den Nordkosovo) zeigen, dass die Herausforderungen völlig andere sind als zu Zeiten der Bipolarität. Eine konventionelle militärische Bedrohung durch Panzer gibt es nicht mehr. Die Bedrohungen sind komplexer und unvorhersehbarer geworden, sie treten kurzfristig ein. Internationaler Terrorismus, das "Scheitern" von Staaten, Angriffe auf IT-Systeme, die Bedrohung strategischer Infrastruktur oder der Klimawandel - das sind einige der Gefahren, für deren Abwehr wir uns wappnen müssen.

Ich plädiere daher für ein Heer mit ausschließlich bestens ausgebildeten Profi-Soldaten und starker Milizkomponente. Mein Modell sieht 8500 Berufssoldaten (2000 Offiziere - statt derzeit 2900 - und 6500 Unteroffiziere), 7000 Zeitsoldaten sowie 9300 Milizsoldaten vor. Die Miliz soll deutlich aufgewertet werden: zwei Wochen verpflichtende Übungen pro Jahr, auf Knopfdruck einsetzbar, finanzielle Anreize und bessere Ausstattung. Dazu kommen 6500 Zivilbedienstete statt wie bisher 8400. Damit erreichen wir eine drastische Reduktion des Verwaltungsapparats, eine notwendige pyramidenförmige Personalstruktur und eine Senkung des langsam aber stetig steigenden Durchschnittsalters des Berufskaders um zumindest fünf Jahre (von derzeit 41 auf 36).

Mit der angepeilten Personalstärke sind alle derzeit vorstellbaren Einsätze abgedeckt. Das umfasst natürlich auch Assistenzeinsätze zur Katastrophenhilfe mit einem Bedarf von 12.500 (Profi-) Soldaten. Garantiert ist darüber hinaus ein Auslandskontingent von mindestens 1100 Soldaten. Die Luftraumüberwachung ist zu 100 Prozent gewährleistet.

Um diese Personalstärke aufrechterhalten zu können, müssen wir in den ersten Jahren 2550 Personen rekrutieren, in Folge rund 2000 jährlich. Wir werden uns am Arbeitsmarkt behaupten müssen. Ich sehe das positiv, weil wir dadurch die Personalgewinnung weiter professionalisieren müssen. Wir werden mehr denn je dazu gezwungen sein, noch stärker aufzuzeigen, welche vielfältigen Berufschancen das Bundesheer bietet - vom Uno-Soldaten im Ausland, über den Hubschrauber-Piloten bis hin zum Techniker oder Generalstabsoffizier. Mein Konzept beinhaltet lukrative Anreizsysteme und Prämien. Es gibt Auslandseinsatzprämien für alle Angehörigen der Einsatzorganisation und damit 100 Prozent aller Zeitsoldaten. Darüber hinaus bieten wir eine Jahresprämie für die bis zu 9300 Soldaten der Freiwilligenmiliz. Neben den finanziellen Anreizen wollen wir den Zeitsoldaten berufliche Weiterbildungsmaßnahmen, Umschulungsangebote oder auch Beiträge für Zusatzpensionen bieten. Mit diesem Paket ist das Rekrutierungsziel absolut erreichbar.

Derzeit sind in einem auf die nicht mehr existente Bedrohung des Kalten Krieges ausgerichteten Massenheer 60 Prozent der etwa 24.000 Grundwehrdiener als Systemerhalter und somit als Fahrer, Köche, Kellner oder Schreiber eingesetzt. Ein gewaltiger Apparat ist damit beschäftigt, die restlichen 40 Prozent der Rekruten in kürzester Zeit zur Abwehr eines Feindes auszubilden, den es in dieser Form nicht mehr gibt. Vollkosten für die Grundwehrdiener: mehr als 200 Mio. Euro pro Jahr. Geld, das man stattdessen in Ausrüstung, Rekrutierung und Prämien investieren könnte.

Das Heer gehört grundlegend reformiert, um es an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen - andernfalls droht ein Verlust an Leistungsfähigkeit. Wir brauchen einen Wendepunkt in der Geschichte des Bundesheeres, um den Wendepunkten in der Weltgeschichte endlich gerecht zu werden. (Norbert Darabos, DER STANDARD; Printausgabe, 27.10.2011)

NORBERT DARABOS ist Bundesminister für Landesverteidigung und Sport.

Link: Vgl. Darabos' Kommentar von 3.9.2010: "Freiwilligenheer ist eine Illussion"

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Lazarus Long
03
19.5.2012, 11:09
Spätestens wenn man sich diesen Artikel durch liest

ist klar, dass Darabos keine Ahnung hat. Völlig unrealistische Erwartungen, verkennen der tatsächlichen Vorraussetzungen und ignorieren jeder bisherigen Erfahrungen aller Berufsarmeen. Als würde man einen Achtjährigen zum Minister machen.

Lt K.....
02
17.3.2012, 20:03
mah komm...

ich kann's mir nicht einmal durchlesen, was er schreibt, ohne daß sich eine Mischung von Zorn und Verzweiflung in mir aufstaut.

Prof. Alois
 
02
11.11.2011, 23:09
"Eine konventionelle Bedrohung durch Panzer gibt es nicht mehr"

Das offenbart die Schlichtheit der Gedankengänge unseres Ministers.
Panzer sind immer nur Mittel zum Zweck. Nur solche, die sich mit der Thematik nicht beschäftigen wollen, sehen Panzer als Sinn und Ziel von Militär an.

Kanada hat seine Kampfpanzer verkauft. Dann k am man dort drauf, dass es ohne nicht geht. Nicht einmal ein Friedenseinsatz. Und jetzt kaufen sie wieder welche.

Der Treppenwitz: Es handelt sich typmäßig um denselben Kampfpanzer, wie ihn Österreich auch verwendet. Wir Österreicher sind nur dazu verurteilt, anderer Leute Fehler zeitverzögert getreu nachzuhüpfen.

Prof. Alois
 
04
31.10.2011, 19:55
Nimmt sich dieser Darabos ernst?

Oder vertraut er nur darauf, dass sein Publikum keine Ahnung hat von Militär? Oder aus pazifistischen Grünen jeden Unsinn unterschreibt?
Allein der Hinweis auf Schweden und Deutschland ist eine Umkehrung: Die bereuen es dort, dass sie umgestellt haben.

ordy
04
28.10.2011, 13:24

Beim Zugang der Frauen war allen klar das es ohne Stellungspflicht nicht gehen wird.
Und jetzt tun alle überrascht.
Mehr Ehrlichkeit täte gut.
Freiwilligenheer ohne Stellungspflicht funktioniert nicht, das haben die Frauen aber so etwas von eindeutig bewiesen.

Salz Burger
20
5.11.2011, 23:23

Wenn man genug gute Leute haben will, muss man sie halt ordentlich bezahlen und behandeln. Dann funktioniert das schon.

Lt K.....
02
17.3.2012, 20:06

Ich denke, daß man in der Ausbildung zum Berufssoldaten sowohl ordentlich bezahlt als auch ordentlich behandelt.
Soldaten im AD verdienen deutlich mehr als andere junge Lehrlinge.

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02
28.10.2011, 13:16

Will er lauter Soldaten, die sagen:
Ich will aber schon kündigen dürfen, wenn es mich nicht mehr freut.
Besonders, wenn es Ernst wird.
Und zu anstrengend soll es nicht sein.
Und meine Motivation kommt nicht aus der inneren Einsicht über die Notwendigkeit der LV, sondern durch einen Coach.
Mein Leben opfern um Andere zu schützen bin ich nicht bereit, aber dafür habe ich Genderdiplome.
Das wäre wohl seine Traum-Armee.

ceiberweiber.at
30
29.10.2011, 18:32
ein chauvinistischer irrtum

es gibt viele soldaten und andere männer, die überhaupt nix für irgendetwas opfern würden. ihre feigheit, ihr opportunismus machen es aber erforderlich, dass andere sehr, sehr viel opfern und in kauf nehmen müssen - weil sie von denen im stich gelassen werden, die nur eine grosse (macho?) klappe haben. frauen und männer müssen wegen des versagens anderer sehr, sehr viel in kauf nehmen und tapferer sein, als die weicheier sich das auch nur vorstellen können.

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03
30.10.2011, 07:55

Natürlich gibt es fehlgeleitete Männer. Und je mehr, desto gefährlicher für den Staat.
Ein gutes Argument für Bewußtseinsbildung mittels Wehrdienst.

denke
00
29.10.2011, 20:47

Frauen haben Wahlrecht, sitzen im Parlament und beteiligen sich nicht am Schutz des Staates.
Derart unmoralisches Verhalten findet man in der Geschichte nur selten.
Die gläserne Decke scheint also ein wichtiger Pfeiler der wirtschaftlichen LV zu sein, da jedes Vertrauen sachlich begründet unangebracht scheint.

Lupus67
07
28.10.2011, 09:34
kanns mir wer erklären?

ist das "ceiebrweiber.at" eigentlich dem darabosch seine frau oder seine pr-abteilung?

genauso wenig ahnung, aber dafür mit glühender begeisterung

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01
28.10.2011, 12:56

Der Penisneid existiert eben doch.
Wenn sie schon kein Mann sein kann, dann sollen die Männer auch keine sein.

ceiberweiber.at
10
28.10.2011, 19:19
penisneid?

im ernst?
auf wessen penis denn?
:-)

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
30.10.2011, 07:31
- auf des passenden?

:)

ceiberweiber.at
10
30.10.2011, 15:20
wie meine sie das?

ist mir nicht ganz klar....

Information Stammdaten Zusatzdaten
01
28.10.2011, 12:02

Eventuell beides und noch zusätzlich Vorstand der Groupie Vereinigung.

Tintifax der ... Druide!
13
28.10.2011, 08:20
Egal wie man zur Debatte steht,

ich finde es sehr löblich, dass sich Politiker inzwischen öfter mal die Zeit nehmen ihre Position zu erklären. Ob in einem Zeitungsartikel oder einer Fernsehdiskussion - so was sollte es viel öfter geben! Ich würde zB mit Begeisterung auch Kommentare unserer Spitzenpolitiker zum EFSF, der Bankenrekapitalisierung oder der Griechenlandkrise lesen, und auch in anderen Bereichen gibt es ja jede Menge Erklärungsbedarf.

Mir kommt vor, dass die Entscheidungen die getroffen werden in den meisten Fällen nicht so falsch sind (sonst wäre unser Lebensstandard ja nicht dort, wo er ist), aber man vergisst leider sehr häufig die Bevölkerung auf dem Weg der Entscheidungsfindung mitzunehmen.

171761
11
30.10.2011, 06:14
"Wendepunkten in der Weltgeschichte *endlich* gerecht zu werden"

Könnte der Herr Verteidigungsminister die Wendepunkte der Geschichte an konkreten Beispielen verdeutlichen? Überfall auf Polen? Einmarsch im Irak? Völkerrechtswidriger Angriff auf Libyen? Als NAZO Marionettenheer herumkommandiert werden? Nicht mit uns! Raus aus der NATO Kooperation!

leatherman1
30
28.10.2011, 09:13

"aufzuzeigen, welche vielfältigen Berufschancen das Bundesheer bietet - vom Uno-Soldaten im Ausland, über den Hubschrauber-Piloten bis hin zum Techniker oder Generalstabsoffizier"

Und nicht zu vergessen Häuselputzer, UO-Sklaven, Wachesteher und Soldheimbedienstete, die im Offizierskasino die Ehre haben, erbrochenes aufwischen zu dürfen

ceiberweiber.at
22
28.10.2011, 08:44
stimmt....

zb wäre es ganz gut, wenn faymann die eu-beschlüsse erläutert, ähnlich wie heute im morgenjournal - was es bedeuten würde, zum schilling zurückzukehren, dieser wäre der spekulation preisgegeben, usw. damit besser nachvollziehbar ist, was getan wird und was nicht.

Christ in der Zeit
03
28.10.2011, 11:06
Geh bitte!

Da müsste es ja ganz schön über aussehen für die Schweden Krone. Tut es aber nicht!

Wenn Faymann wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären versucht, ist das so, wie wenn ein Blinder von der Farbe spricht. Wiewohl zweiterer tut das noch um Lichtjahre besser!

Prof. Alois
 
01
19.5.2012, 14:00
Tut es ja auch

Ich stimme in allem zu, aber das mit der Schwedenkrone stimmt nicht. Die wurde schon einmal Opfer einer Attacke durch gewisse Hedgefonds. Konnte nur mühsamst abgewehrt werden.

Das mit dem Schilling stimmt insofern nur bedingt, weil es einen selbstständigen Schilling nie gab. Der war immer an die D-Mark gekoppelt. Man merkte das damals am Wechselskurs zur DM, denn der schwankte über Jahrzehnte nur zwei Stellen hinter dem K omma.

aiuto
02
28.10.2011, 11:03
ich weiß net, warum mir der

Faymann und der Darabosch so inkompetent vorkommen, wenn#s vom Bundesheer reden ?

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