Unter Chinas Stemplern sind Österreicher die Platzhirsche

26. Oktober 2011, 19:48
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Trotz Internetzeitalter ist die Nachfrage nach Stempeln groß. Pekings Finanzministerium sorgt jetzt für einen Großauftrag für die Welser Trodat-Gruppe

Peking - Die Gesichter der Stempelhersteller, allen voran beim österreichischen Konzern Trodat aus Wels, strahlen zur Jahresmesse der Branche in Peking satte Zufriedenheit aus. Dank Bürokratie, Zentralisierung und alter Tradition bleibt China nämlich auch im Internetzeitalter ein Paradies für Stempelhersteller. 100 Millionen Stempel macht der amtliche Neubedarf pro Jahr aus. Heuer kommen zehn Millionen Stück extra dazu.

Der Grund: Pekings Finanzministerium verlangt, alle Quittungs-Stempel des Landes durch neue vereinheitlichte Ovalstempel zu ersetzen. Für Martin Krott, Geschäftsführer der chinesischen Tochter der Trodat-Gruppe, die Weltmarktführer für sich selbst nachfärbende Stempel ist, bedeutet das volle Auftragsbücher. "Für uns fällt 2011 rund eine Million an Stempelanfertigungen zusätzlich an."

Der 2001 in Südchinas Xiamen gegründete hundertprozentige Ableger des Stempelherstellers kann nun zum Zehn-Jahr-Jubiläum im November verkünden, mit 2,2 Millionen in China verkauften und zwei Millionen exportierten Stempeln in diesem Jahr erstmals mehr Stempel auf dem Inlandsmarkt als im Export abzusetzen. Die 170 Arbeiter beschäftigende Fabrik schreibt schwarze Zahlen und wird auf rund 6,6 Millionen Euro Umsatz aus dem Stempelgeschäft und auf eine weitere halbe Million aus dem Verkauf von Lasergravier-Maschinen ihrer Tochterfirma Trotec kommen. Damit trägt sie nun auch spürbar zum weltweiten Konzernergebnis von Trodat bei, das im Vorjahr bei 120 Millionen Euro lag.

"Wendepunkt"

"Für uns ist 2011 ein Wendepunkt", sagt der 58-jährige Wiener Martin Krott. Sein Unternehmen, das als erstes in China anerkannte digitale Stempel ("istamp") für computerverschickte Dokumente herstellt, nimmt auch auf der Pekinger Messe den umdrängtesten Platz ein: "Wir sind hier der Platzhirsch", sagt Krott.

Den Erfolg auf traditionell chinesischem Terrain verdanken die Österreicher neben dem Hightech-Profil und den patentgeschützten Stempeln vor allem ihrem geschickten Eventmarketing. Für Schanghais Weltausstellung Expo 2010 sponserten sie beispielsweise alle Pavillonstempeln. Die Designs wurden zum Publikumsrenner. 700 Millionen Mal ließen sich Expo- Besucher ihre Abdrucke in Souvenirhefte drucken. Die Werbeaktion zahlte sich auch als Geschäft aus, als die Pavillons wegen der Massennachfrage tausende Stempel und tonnenweise Farbe nachbestellten. (Johnny Erling, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.10.2011)

  • Die Umstellung von eckigen auf ovale Stempel in Chinas Finanzverwaltung 
füllt die Auftragsbücher österreichischer Hersteller.
    foto: bilderbox/woticka

    Die Umstellung von eckigen auf ovale Stempel in Chinas Finanzverwaltung füllt die Auftragsbücher österreichischer Hersteller.

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