635.559,64 Euro für initiative Bürger

26. Oktober 2011, 18:18
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    foto: der standard/hendrich

    Bürger schäumen - aber letztlich zählen vor allem Rechtsfragen, wenn es um Umweltanliegen geht. Grüne Abgeordnete zahlen in eine Kassa, die Bürgerinitiativen Zugang zum Recht erleichtert.

Seit 20 Jahren unterstützen die Grünen per Selbstbesteuerung einen Verein, der Bürgerinitiativen hilft, heikle Rechtsfragen durchzusetzen

Wien - Umweltschutz funktioniert heute anders als vor 20 Jahren - aber manche Mechanismen bleiben: Bürgerinitiativen sind das wichtigste Gegengewicht zu potenziell die Natur und die Umwelt bedrohenden Projekten geblieben. Sie sind "die Guten", deren Anliegen von Grün-Politikern nach Kräften unterstützt werden. Und diese Kräfte sind aus einem Topf gespeist, der seit 20 Jahren aus den Bezügen der Nationalratsabgeordneten der Grünen monatlich wiederaufgefüllt wird.

Der aktuelle Bericht des Vereins BIV zur Unterstützung von Bürgerinitiativen weist 51.846,51 Euro an Beiträgen der Abgeordneten aus - über zwei Jahrzehnte haben sich die Beiträge auf 718.174,28 Euro summiert, 635.559,64 sind bisher für Bürgerinitiativen ausbezahlt worden. Sehr oft mit weit über den Anlassfall hinaus wirkenden umweltpolitischen Effekten, sagt Marlies Meyer, die Klubjuristin der Grünen, die die Geschäfte des Vereins führt: "Wo wirtschaftliche Unvernunft auf initiative Bürger trifft, da sind Erfolge möglich."

Als Beispiel nennt sie den Anrainerwiderstand gegen die Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerks Voitsberg durch die A-Tec von Mirko Kovats: Hier hat eine Bürgerinitiative so lange Rechtsmittel eingelegt, bis sich herausgestellt hat, dass das Projekt ohnehin wirtschaftlich sinnlos ist. Nun soll das Kraftwerk demontiert werden. Wäre es nach Kovats und der steirischen Landespolitik gegangen, wäre das alte Braunkohlekraftwerk auf (importierte) Steinkohle umgerüstet worden - entgegen den erklärten energiepolitischen Zielen des Bundes.

Unter die Erfolge von 2010 zählt Meyer unter anderem die Verhinderung des Ausbaus des ÖBB-Kraftwerks Spulersee in Vorarlberg, der Auswirkungen auf das Lechtal gehabt hätte. Umweltschützer und die Alpgemeinschaft hatten gegen das Projekt eine Beschwerde bei der EU-Kommission erhoben, woraufhin eine innerstaatliche Genehmigung gar nicht erst erteilt wurde.

Die EU als Verbündete

Maria Scheiber, Tiroler Landtagsabgeordnete der Grünen und Aktivistin einer Bürgerinitiative, zieht daraus einen allgemein gültigen rechtspolitischen Schluss: "Meinen Infos zufolge hat die Beschwerde ihre Aufgabe hervorragend erfüllt, über möglichen Genehmigungen durch Bund und Länder wie ein Damoklesschwert zu schweben. Jede Bescheid ausstellende Behörde musste deshalb von vornherein mit einer Überprüfung ihrer Entscheidung durch die EU rechnen."

Auch wenn die EU nicht immer der natürliche Verbündete der Umweltschützer ist - in vielen Fällen hat sie deren Anliegen genutzt. Wobei sich Meyer durchaus noch Verbesserungen des EU-Rechts wünscht. In einem anderen vom Verein BIV mitfinanzierten Rechtsstreit - in der Sache ging es um die Durchsetzung eines UVP-Verfahrens für den Skylink-Terminal am Flughafen Wien - zeigte sich, dass die Bürger gegenüber ihrem Heimatland im Nachteil sind, wenn sie ein Vertragsverletzungsverfahren beim EuGH einleiten: Die Republik Österreich konnte geltend machen, dass ihre Schreiben an den EuGH der klagenden Partei (also den initiativen Bürgern) nicht bekannt gemacht werden dürfen.

Meyer erklärt dem Standard: "Die EU-Verordnung über den Zugang zu Dokumenten ist refombedürftig. Im EU-Parlament nimmt sich unsere Abgeordnete Eva Lichtenberger der Sache an."

Generell sei das Rechtssystem aber besser auf den Umgang mit engagierten Bürgern eingestellt als früher, sagt Ronald Schmutzer, Vorstand des BIV. Damit müssten sich auch die Bürgerinitiativen abfinden: "Ich sage den Leuten: ‚Legt jedes Wort auf die Goldwaage, wenn Ihr einen Vorwurf erhebt!‘" Allzu rasch könne man sich nämlich eine Ehrenbeleidigungsklage einhandeln. Schließlich hätten nicht nur Bürgerinitiativen, sondern auch die Projektwerber juristisch aufgerüstet.

Gegner nicht mehr so "böse"

Seit der Einführung der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Jahr 1993 hat sich die Qualität der Anträge wesentlich verbessert: Da es vom Gesetz vorgeschrieben ist, prüfen die Planer bereits im Vorfeld die Umweltauswirkungen ihrer Projekte.

Aber man muss oft auch Grenzen einsehen: "Es gehört zu den schwierigsten Sachen, eine Bürgerinitiative, die zu Recht empört ist, wenn in ihrer Nachbarschaft ein Großprojekt geplant ist, davon zu überzeugen, dass sie rechtlich keine Chance hat. Obwohl Anwälte, die daran ja verdienen, der Bürgerinitiative vielleicht bessere Aussichten ausmalen" , sagt Schmutzer dem Standard.

"Die Gegenseite ist nicht mehr automatisch so ‚böse‘ wie früher, sie hat sich mit Umweltauflagen meist schon auseinandergesetzt" , sagt auch Meyer. Aber was im Einzelfall umweltgerecht erscheint, kann im größeren Zusammenhang dennoch falsch sein - wenn etwa eine Straße umweltschonend geplant wird, ein übergeordneter Verkehrswegeplan aber fehlt. An diesem Beispiel verzahnt sich das Bürgerengagement mit der parlamentarischen Arbeit der Grünen. (Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 27.10.2011)

Kommentar posten
22 Postings
...10
01
18.11.2011, 18:01
wird zeit

den grünen sumpf trocken zu legen

red15rose1096
54
27.10.2011, 11:52

Und wie viel hat die Anzeige gekostet?

ChristianderGuru
95
27.10.2011, 10:00
Bürgerinitiative ist ein anderes Wort für Diktatur der Minderheit, speziell wenn auch noch das Kleinformat unterstützend eingreift

FalscherProphet
35
27.10.2011, 11:31
Wie meinen?

Bürgerinitiativen sind also quasi mit der Demokratie nicht vereinbar - oder wie meinen'S das jetzt, Guru-Chris?

Oder aber doch vielmehr:
Bürgerinitiativen können GELEBTE DEMOKRATIE sein.

Wen alle Bürger so lethargisch herumsuderten wie der Guru-Chris, dann ginge wohl ÜBERHAUPT NICHTS mehr weiter in Österreich.
Zum Nachteil aller Bürger.

ChristianderGuru
02
28.10.2011, 20:12
Dank Bürgerinitiativen und der Krone geht in Österreich nichts weiter!

Aber Gott sei Dank haben unsere Vorfahren dafür gesorgt, dass wir eine Infrastruktur haben (Strassen, Eisenbahn, Kraftwerke, Flughäfen...) Heute wird ja jeder Schotterweg ein Staatsakt

Onkel Gans
00
27.10.2011, 12:18
so wie es jetzt halt ist?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
107
27.10.2011, 01:57
Haben die grünen auch interesse daran -

die schikanen u. existenzzerstörenden bezugskürzungen bei der mindestsicherung u. zwangsarbeit, zwangscoaching für arbeitslose abzustellen? In wien u. österreichweit?

Monokausalweltverbesserergutmenschsimplifizierer
57
27.10.2011, 10:58
tschuldigung

sie sind wohl falsch abgebogen...
hier gehts lang: www.krone.at

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
03
27.10.2011, 20:46
?

Die krone soll auf der seite der schikanierten u. unterdrückten, der neuen sklaven stehen - tatsächlich??

Wie stehen die grünen zu diesem dunklen kapitel der aktuellen politik?

Cape Of Green Hope
24
26.10.2011, 19:40
Ein prima informativer Artikel ...

... würde auch den öffentlich-rechtlichen gut anstehen, darüber zu berichten.
Aber nicht nur "Anwälte malen bessere Aussichten".
Auch Grüne tun dies - nicht wegen dem Verdienst, sondern wegen dem gewählt-werden-wollen.

Theo56
54
26.10.2011, 18:59
Frage

Haben die Grünen Abgeordneten die Spenden an den Verein nun von Ihrem bereits versteuerten Einkommen bezahlt oder wurde für das Geld ohne Versteuerung an den Verein weitergeleitet ?????

Dies geht aus dem Artikel leider nicht hervor.

Da der Cash-Flow von den Abgeordneten zu diesem Verein bereits in der Überschrift genannt wird, hätte ich mir von einer angeblich seriösen Recherche schon nähere Infos zu dieser in der Überschrift genannten Gestaltung des Cash-Flows erwartet.

Michael Bakunin
21
27.10.2011, 15:02

Ohne Versteuerung?
Wie soll das gehen?
Die Lohnsteuer wird immer automatisch abgezogen, dass kann sich kein Lohnempfänger (auch nicht die Abgeordneten) aussuchen.

re flexion
00
30.10.2011, 09:20
Sie sollten sich etwas mit Lohnverrechnung

beschäftigen. Grob gesagt:

- Sie haben ein Einkommen (Bruttoeinkommen).

- Davon werden einige Dinge abgezogen (Sozialversicherungsbeiträge, Pendlerpauschale, Werbeaufwendungen, ev. Spenden an definierte Organisationen, ...) Das nennt man auch steuerlich Abschreiben weil für diese Beträge (Aufwendungen) keine Lohnsteuer gezahlt werden

-Der Restbetrag ist dann das versteuerbare Einkommen. Dafür wird Lohnsteuer gezahlt.

-Der verbliebene Rest ist das versteuerte Einkommen (Nettoeinkommen)

Die Frage des Vorposters war, ob die Abgeordneten es vom Nettoeinkommen zahlen oder ob sie die Zuwendungen steuerlich Abschreiben.

Michael Bakunin
00
30.10.2011, 13:44

Wenn du dich besser mit Lohnverrechnung auskennen würdest, dann würdest du wissen, dass kein Lohnsteuerzahler jedes Monat von seinem Lohn irgendwelche ausgaben abschreiben kann. Das kann erst am Ende des Jahres für das ganze Jahr im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung gemacht werden.
Und wenn es vom Finanzamt toleriert wird, dass man diese Spenden abschreiben kann, ist es auch in Ordnung - wie bei jedem anderem Lohnempfänger.

re flexion
00
30.10.2011, 19:11
Wenn du

sinnerfassend lesen könntest dann hättest du dieses Posting nicht geschrieben.

a) Wo hab ich je behauptet das das monatlich passiert?

b) Sagt ja niemand dass hier was passiert was das Finanzamt nicht toleriert

c) Die Frage war einfach ob die Spende steuerlich abgeschrieben wird oder nicht

hin und wieder ein tunichtgut
34
27.10.2011, 06:50
gab es übrigens

nennenswerte projekte mit geldern, die fpö-abgeordnete anno dazumal gespendet/gesammelt haben? hab ich das verdrängt oder ...?

wenigstens funktioniert das bei den grünen: dass sie im rahmen des ihnen möglichen etwas sinnvolles anstellen.

und wasvgenau passt ihnen daran nicht?

BobaFett
15
26.10.2011, 21:37

haarspalter.

dass dieses konstrukt im sinne freier menschen ueberhaupt existiert, DAS ist bemerkenswert.

alle anderen predigen doch nur immergleich das wasser und saufen den wein, als ob's kein uebermorgen gabat.

Montgomery McFerryn
94
26.10.2011, 18:42

Ist denn schon wieder Wahlkampf?

Biha
12
27.10.2011, 14:15

ups, die spenden über jahre hinweg und prahlen damit nicht in jeder noch so pupsigen pressekonferenz und wie plappern was von wahlen?

sehr ärmlich

Montgomery McFerryn
00
27.10.2011, 14:49

Das Parlamentarier in die Parteikasse spenden "müssen" ist ja aber nicht nur bei den Grünen so sondern bei anderen Parteien auch üblich, die Grünen machen es halt transparenter.

FalscherProphet
49
26.10.2011, 19:22
Momentan steht sogar NOCH SCHLIMMERES an:

Ein harter Korruptions-Vertuschungskampf im U-Ausschuss seitens ÖVP und FPÖ.

Wer behauptet DIE Wahrheit zu kennen - lügt
 
00
29.10.2011, 15:23

die gr moser ist es an der spitze des u-ausschusses, und die inkarnation der paranoiden verschwörungstheorien (aka pilz) wird ihr auch helfen alle anzuschütten

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