Höhlenlöwen Europas ließen sich vor allem Rentiere schmecken

29. Oktober 2011, 17:13
1 Posting

Die Großkatzen des Pleistozäns waren Einzelgänger und hatten einen eingeschränkten Speiseplan

Vor 12.000 Jahren jagten Europas Höhlenlöwen am liebsten als Einzelgänger, ihre Hauptbeute waren Rentiere. Aktuelle Untersuchungen deutscher Wissenschafter lieferten nun neue Daten zur Lebensweise der ausgestorbenen riesigen Raubkatzen. Durch die Analyse von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen (13C, 15N) im Knochenkollagen fossiler Beutegreifer kann man direkt auf die Ernährung der Beutetiere schließen. Bis vor etwa 12.000 Jahren stand den Höhlenlöwen eine große Bandbreite an Beutetieren zur Verfügung, unter anderem Mammuts, Wollnashörner, Bisons, Pferde und Rentiere. Diese mussten sie allerdings mit großen Konkurrenten teilen, darunter Höhlenhyänen, Braunbären, Wölfe und natürlich der Mensch.

Interessanterweise entdeckten die Forscher um Hervé Bocherens von der Universität Tübingen bei den Höhlenlöwen aus Südwestdeutschland, der nördlichen Schweiz, Nordfrankreich und dem südlichen Belgien sehr unterschiedliche Isotopenwerte - im Gegensatz zu den damals lebenden Hyänen, die als Rudeltiere sehr ähnliche Werte aufweisen. Dieses Ergebnis zeige, so die Wissenschafter, dass die Höhlenlöwen Einzeljäger waren und nicht im Rudel jagten, wie beispielsweise afrikanische Löwen.

Rentiere und junge Höhlenbären

Analog zum heutigen Beutespektrum der Löwen in Afrika, die Zebras und große Antilopen bevorzugen, könnte man vermuten, dass Pferd und Bison die Hauptbeute von Höhlenlöwen waren, die um etwa 25 Prozent größer wurden als heutige afrikanische Löwen. Tatsächlich aber stand bei Höhlenlöwen hauptsächlich Rentierfleisch auf dem Speiseplan, in sehr viel stärkerem Ausmaß als bei ihren Konkurrenten. Einige Löwen fraßen wahrscheinlich auch junge Höhlenbären. Die Vorliebe für Rentiere hielt wohl bis zum Ende der Eiszeit an: Das lokale Aussterben dieser kälteangepassten Tiere während der globalen Wiedererwärmung vor ca. 12.000 Jahren könnte sogar ursächlich für das Aussterben der europäischen Höhenlöwen gewesen sein. (red)

  • 35.000 Jahre alte Elfenbeinskulptur eines Höhlenlöwen aus Vogelherd. Die großen Raubkatzen dürften sich vor allem von Rentieren ernährt haben.
    foto: institut für ur- und frühgeschichte und archäologie des mittelalters, universität tübingen

    35.000 Jahre alte Elfenbeinskulptur eines Höhlenlöwen aus Vogelherd. Die großen Raubkatzen dürften sich vor allem von Rentieren ernährt haben.

Share if you care.