Wiener Budget 2012

Mehr Einnahmen, mehr Ausgaben, mehr Schulden

25. Oktober 2011, 15:30

Erster rot-grüner Voranschlag präsentiert - Neuverschuldung in Höhe von 401,49 Mio. Euro - Kritik der Opposition

Wien - Mehr Einnahmen, mehr Ausgaben und zusätzliche Schulden: So lässt sich der von der Stadt Wien vorgelegte, erste rot-grüne Budgetvoranschlag für 2012 zusammenfassen. Der Budgetrahmen habe einen neuen Rekordwert, informierte Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) am Dienstag in der Bürgermeister-Pressekonferenz. Konkret sieht der Entwurf Einnahmen von 11,43 Mrd. Euro vor - und damit um 615,3 Mio. Euro mehr als 2011 - und Ausgaben von 11,83 Mrd. Euro. Das sind um 395,49 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Die prognostizierte Neuverschuldung beträgt 401,49 Mio. Euro.

Beim Budgetentwurf 2012 sei ein klares Konzept verfolgt worden, betonte die Stadträtin - nämlich weiterhin gegen die Auswirkungen der Krise anzukämpfen: "Aber gleichzeitig haben wir natürlich das klare Ziel, möglichst bald keine neuen Schulden mehr zu machen." Die Neuverschuldung solle schrittweise bis 2015/16 zurückgefahren werden, kündigte sie an. In einer bei der Pressekonferenz präsentierten Grafik sind demnach für 2013 ein Minus von rund 320 Mio. Euro, für 2014 minus 230 Mio. Euro und 2015 minus 110 Mio. Euro geplant. Danach soll die schwarze Null erreicht sein und die Schulden zurückbezahlt werden.

Brauner: "Wir haben viele Großprojekte"

Die Neuverschuldung im kommenden Jahr wird 401,49 Mio. Euro betragen. Das sind um 219,81 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. "Man kann zusammenfassen, dass wir eine maßvolle, bewältigbare Verschuldung haben", so Brauner. Ende 2011 soll der Schuldenstand Wiens 3,99 Mrd. Euro betragen. Darin enthalten seien auch 475 Mio. Euro Wohnbaudarlehen. Der jährliche Zinsenaufwand für die städtischen Gesamtschulden betrage 20 Mio. Euro. Das Maastricht-Saldo wird 2012 bei einem prognostizierten Defizit-Wert von 372,46 Mio. Euro liegen. Der Unterschied zwischen administrativem Ergebnis und Maastricht-Ergebnis ist darauf zurückzuführen, dass sich Finanztransaktionen im administrativen, aber nicht im Maastricht-Wert niederschlagen.

Die Gesamtinvestitionen der Stadt Wien und ihrer Betriebe und Unternehmungen werden 2012 um 40,41 Mio. Euro auf 2,68 Mrd. Euro steigen. Mehr Geld ausgeben will Wien auch bei den nachfragewirksamen Ausgaben - nämlich 4,42 Mrd. Euro (2011: 4,29 Mrd. Euro). In das Bau- und Baunebengewerbe sollen 1,74 Mrd. Euro (2011: 1,66 Mrd. Euro) fließen. "Wir haben sehr, sehr viele Großprojekte", erklärte Brauner mit einem Verweis auf den geplanten U-Bahn-Ausbau sowie die Bahnhofsumbauten.

Föderungen werden evaluiert

"Absoluter Schwerpunkt" des Budgets 2012 seien die Bereiche Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheit und Soziales. Für Bildung und Kinderbetreuung sollen im kommenden Jahr rund 1,72 Mrd. Euro locker gemacht werden, davon für die Kinderbetreuung 588,92 Mio. Euro. Für Gesundheit und Soziales sind fast 3 Mrd. Euro budgetiert. Damit sollen etwa die Mindestsicherung wie auch die Umsetzung des Geriatrie- und Spitalkonzepts finanziert werden. Der Entwurf sieht für den Wohnbau 557,01 Mio. Euro (2011: 536,93 Mio. Euro) vor - insbesondere für den geförderten Neubau und die Sanierung. 58 Mio. Euro gibt es außerdem für arbeitspolitische Maßnahmen. Der Personalstand der Stadt Wien soll 2012 um 189 auf 58.575 Personen wachsen. Der Großteil der Neuzugänge befinde sich im Kindergartenbereich, hieß es.

Es wird auch gespart in Wien: Die Stadt habe generell die Linie ausgegeben, mit dem Mitteleinsatz effizient zu sein, erklärte Brauner: "Wir sind dabei, unsere Strukturen zu überprüfen, um auch hier möglichst einzusparen." So werden Förderungen auf Effizienz und Zweckmäßigkeit überprüft. Aktuell werde etwa die Wirtschaftsförderung evaluiert. Als Beispiel führte die Ressortchefin außerdem an, dass die Garagenförderung der Stadt um 26 Mio. Euro reduziert werde.

Erstes gemeinsames Budget

Der Budgetentwurf basiert auf der Konjunkturprognose des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts vom September dieses Jahres, das für Österreich ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent für 2012 voraussagt. Das Zahlenwerk muss noch im Gemeinderat beschlossen werden.

Der Voranschlag für 2012 ist das ersten gemeinsame Zahlenwerk der rot-grünen Regierung - auch wenn bei der Präsentation kein grüner Vertreter dabei war. "Für mich war das neu, keine Frage, mit einem Koalitionspartner zu verhandeln", gestand Brauner auf Nachfrage. Sie unterstrich: "Es ist wirklich sehr konsensuell und sehr freundschaftlich erfolgt. Und wir haben vor allem die großen Schwerpunkte Kinderbetreuung, Bildung, Soziales, Gesundheit in großer Übereinstimmung getroffen." Zudem seien Budgetverhandlungen "immer schwierig": "Es ist ganz egal, welcher Farbe politisch ein Stadtrat angehört." Alle hätten gute Ideen und würden gerne mehr Geld haben.

Opposition erzürnt über Anstieg der Schulden 

Die Rathaus-Opposition hat mit dem präsentierten Budgetvoranschlag keine Freude. FPÖ und ÖVP kritisierten vor allem den weiteren Anstieg des Schuldenstands. FP-Klubchef Johann Gudenus griff zu drastischen Worten und wetterte gegen das "Pestbudget", sein schwarzes Pendant Fritz Aichinger ortete finanzpolitische Hilflosigkeit bei der rot-grünen Stadtregierung.

Die Freiheitlichen zeigten sich via Aussendung "erschüttert" über das Zahlenwerk von "Schulden-Renate". "Wann erlöst uns Bürgermeister Häupl endlich von der wandelnden Geldvernichtungsmaschine?", wollen die Blauen wissen. Die von Brauner angekündigte "maßvolle Neuverschuldung" mache das Maß nämlich endgültig voll, so die FP-Analyse.

VP-Klubobmann Aichinger geißelte ebenfalls den Schuldenanstieg. Wien brauche vielmehr einen Kassasturz als die "immerwährende Fortführung der SPÖ-Schuldenpolitik". Die Volkspartei vermisst Sparwillen und tiefgreifende wirtschaftsfördernde Maßnahmen. "Mit Erstaunen" bemerkte Aichinger zudem die Abwesenheit des grünen Koalitionspartners bei der Budgetpräsentation. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 67
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Capricorn89
00
17.2.2012, 11:06
Alle reden vom Budget, aber hat eigentlich

schon jemand daran gedacht, auf welche Höhe sich das Anlagevermögen der Stadt wien beläuft? Allein die 220.000 (!) Gemeindewohnungen repräsentieren einen Wert von rund 30 Milliarden Euro! Mindestens! Das restliche Anlagevermögen (Liegenschaften, Beteiligungen, Fuhrpark uvm.) haben ungefähr den gleichen Wert. Aber die Stadt wien muß an allen Ecken und Enden einsparen. Ich find das zum kotzen.

weana beinhart
00
27.11.2011, 09:06
some123
00
23.11.2011, 11:46
Grüner Bettvorleger für rote Gauner…

Aber die nächste Wahl kommt bestimmt!

system1
00
7.11.2011, 12:36
So werden Förderungen auf Effizienz und Zweckmäßigkeit überprüft...

was sich hinter diesem lapidaren satz verbirgt: die stadt wien hat die "förderungen" für pflege (pflegestufen) drastisch verschärft, zudem dürfen nurmehr personen mit mind. pflegestufe 4 in ein seniorenheim ziehen. DAS versteht das ach so soziale wien darunter.....

Cucumuch
13
27.10.2011, 08:06
Den Kommentar sollte man sich auf der Zunge

zergehen lassen:

Die Stadt habe generell die Linie ausgegeben, mit dem Mitteleinsatz effizient zu sein, erklärte Brauner:

Na so was weitsichtiges aber auch. Die alte Linie war wohl: Die Stadt hat generell die Linie ausgegeben das Geld mit vollen Händen rauszuwerfen!

Selber Schuld wer sowas wählt!
mfg

Paul Achatz
 
01
26.10.2011, 21:34
Die Neuverschuldung für's kommende Jahr soll

400 Mio sein, im letzten Jahr waren es den Angaben zufolge 621 Mio. Der Zinsaufwand für die Gesamtschuld macht jährlich angeblich 20 Mio aus. Selbst wenn die Stadt Wien erst voriges Jahr mit dem Schuldenmachen begonnen hätte, wären es >1 Mrd Schulden, folglich < 2% Zinssatz.

Wen bitte finden die, der ihnen zu so niedrigen Zinsen Geld leiht? Dort möchte ich auch ein paar Mrd Kredit aufnehmen, die lege ich einfach auf die Bank und mach einen gewaltigen Gewinn.

Also, da braucht's doch wirklich keinen Rechnungshof, um zu überreißen, dass an diesen Angaben was faul ist, oder? Auch bezeichnend, dass die Höhe der Gesamtschuld nicht angegeben wird.

Der bessere Wisser
00
7.12.2011, 14:24
Es ist noch besser

4 Milliarden Gesamtschulden, 20 Millionen Zinsen, das ist 0,5%, ja fast gratis. Toll hat die Stadt mit der Bank Austria verhandelt.

fizcaraldo
00
26.10.2011, 19:51

So schlecht neue Schulden sind, aber wenn ich das richtig verstehe ist die Neuverschuldung im Vergleich zum Vorjahr um 220 Millionen Euro gesunken.

Sigrun1
23
26.10.2011, 17:15

...der österr. Weg. Und darauf kann jemand stolz sein? Nein! Schämen sollte sich jeder für sich solche Politiker gewählt zu haben!

Walter Kaiser.
00
26.10.2011, 20:16
Na, wegen Ihnen werden wir die blauen Pülcher wählen.

So weit kommts noch.

Mika Eskimo
 
03
26.10.2011, 15:03
0,5% Zinsen, wow!

0.5% Zinsen
Ende 2011 soll der Schuldenstand Wiens 3,99 Mrd. Euro betragen.....Der jährliche Zinsenaufwand für die städtischen Gesamtschulden betrage 20 Mio.

Das wären also 0.5% Zins, weniger als die Hälfte der Zinsen zu denen die Ezb bereit ist Geld an Banken zu vergeben. Glaubt das wirklich jemand ?
Wenn der Betrag stimmt, ist Wien dumm nicht noch viel mehr Schulden zu machen, die würden ohnehin von selber weginflationiert werden.

Pauli Feuerstein
00
26.10.2011, 17:17
Simple Mathematik ist ein Problem,

was erwarten sie sich von der ..... whatever!

Walter Kaiser.
10
26.10.2011, 20:22
Und von Ihnen kann man nichts anderes erwarten als negative Kritik ohne die Fakten zu kennen.

MrBurns
 
01
18.11.2011, 15:10
Ich denke, Pauli Feuerstein hat recht

Mit den -20 Mio. € ist wohl nur das Zinssaldo gemeint, also Zinseinnahmen - Zinsausgaben. Die Stadt Wien nimmt ja auch Zinsen ein, z.B. von Wohnbaudarlehen und Steuerschulden.

Walter Kaiser.
00
21.11.2011, 23:20
Damit wollen Sie sagen, dass die 20 Mio vorstellbar sind?

Dann stimmt aber meine Kritik am Pauli Feuerstein (und der am Mika Eskimo) -
Ich kritisiere ja die beiden Lästermäuler, die sich lustig machen ohne die Fakten zu kennen.

Pauli Feuerstein
10
26.10.2011, 22:44
Wie steht es eigentlich mit den SFR Schulden und den Erlösen beim Verkauf der Bank Austria?

Soweit zur Mathematik!

thatslife
11
26.10.2011, 14:56
zeigt zumindest deutlich dass keine der vier aktuellen partein weitsicht beweisst

vor allem dass die grünen tatsächlich so einer extremen beuverschuldung zustimmen find ich schon etwas befremdlich. weil wozu soll man die grünen noch wähöen, wenn sie genauso wie spö, övp und fpö österreich auf schnellstem weg in den staatsbankrott führen wollen?

wird echt höchste zeit dass es endlich neue partein in österreich gibt, und die alten entweder umdenken oder von der bildfläche verschwinden.

MrBurns
 
10
18.11.2011, 15:13
Die Verschuldung ist nicht so extrem.

400 Mio. € sind nur ca. 1% von der Wirtschaftsleistung der Stadt Wien, beim Bund sinds z.B. ca. 3% der Wirtschaftsleistung.

soamist
22
26.10.2011, 12:09
2016

sind seid ihr geschichte, also bitte verarscht 2011 jemand anderen

MrBurns
 
00
18.11.2011, 15:18

ich hab da meine Zweifel. ich kann mir durchaus vorstelen, dass der Häupl auch 2016 noch im Amt ist...

Toto Wien
03
26.10.2011, 11:47
In Wien gehört wirklich einmal der gesamte Verwaltungsapparat durchleuchtet!

Einsparungspotenziale gibt es viele, daneben sollte der undurchsichtige Firmengeflecht endlich nachvollziehbar aufgestellt werden. Daneben wäre eine Objektivierung von Postenbesetzungen dringend notwendig.
Der Ausbau der U-Bahn ist sehr zu loben, damit aber die Schulden zu argumentieren greift zu kurz und gehört ins Reich der Märchen, außer die U5 wird endlich in Angriff genommen, davon hab ich aber nichts gehört....

MrBurns
 
00
18.11.2011, 15:17
Da geb ich dir recht

Wien hat soviel ich weiß ca. 200.000 öffentlich Bedienstete bei ca. 1,6 Mio. Einwohnern.

Capricorn89
00
17.2.2012, 12:31
Da sind Sie wohl der Gräuelpropaganda

der rechten Reichshälfte aufgesessen. Wien hat rund 60.000 Bedienstete, von denen nichteinmal 5% pragmatisiert sind, also weniger als 3000.
So schaut´s aus.

R. Lexer
00
14.12.2011, 09:12

Die meisten davon aber in den Krankenhäusern.

genial daneben
02
26.10.2011, 10:46
es wäre wirklich interessant zu erfahren, wie die Fremdwährungskredite der Gemeinde Wien in schweizer Franken und die SWAPS sich entwickelten

rd. 700 Mio EURO in Schweizer Franken aus dem SWAP 2007/I und CHF - Krediten 2009/II und III !!!
Der SWAP 2007 läuft im Jahr 2011 aus. Wie hoch sind die Kursverluste (gewesen).

Wie hoch waren die Kurse zum Zeitpunkt der Aufnahme der Frankenkredite 2009/II und 2009 III.

Im September 2010 sollen noch 700 Mio EURO in Franken offen gewesen sein. Kirs im September 2010 1,31. Somit erlitt Wien allein in der Zeit zwischen September 2010 und Oktober 2011 Kursverluste von rd. €50.000.000.

Betrachtet man die Kursentwicklung seint 10/2009 (Zeitpunkt der Aufnahme der Kredite) hat Wien bereits über 160.000.000 Kursverluste hinnehmen müssen.

Frage: sind diese Verluste budgetiert oder sind diese Verluste bereits 2011 realisiert worden??

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