Waghalsige Expeditionen für den Umweltschutz
"Eisbär! Eisbär im Wasser!", hallte es über Bord. Wie waren nur fünf Meter von dem majestätischsten Bewohner der Arktis entfernt. Eine Begegnung, die an Land meist tödlich verläuft, wir aber waren sicher unter den Segeln der "Pangea".
Unter dem Motto "Explore - Learn - Act" führt der südafrikanische Extremsportler Mike Horn Jugendliche in die abgelegensten Winkel unseres Planeten. Die insgesamt 12 "Pangea-Expeditionen" sind nach dem Urkontinent benannt. Sie wollen die Natur in ihrer ursprünglichen Form zeigen und Interesse an Umweltschutz wecken. Ein "Young Explorer" sollte auch im Alltag Vorbild sein und eigene Projekte initiieren.
Nach einer Online-Bewerbung und einem zehntägigen Auswahlcamp in der Schweiz gehörte ich zu den acht jungen Entdeckern der Nunavut-Expedition: drei Wochen in der kanadischen Arktis, rund um Baffin Island.
Die schiere Größe der Eisberge auf dem offenen arktischen Ozean ist imponierend. Schließlich befindet sich nur ein Zehntel der weißen Kolosse über der Wasseroberfläche. Sie brechen von Gletschern in Grönland ab und werden von Strömungen nach Süden getrieben, um dort zu "sterben".
Spontan beschloss Expeditionsleiter Mike Horn, auf einen der Eisberge zu springen. Zuerst war uns mulmig, doch als uns das Schiff auf der schwimmenden Plattform zurückließ, sahen wir nichts als Ozean rund um uns.
Unter uns nur Luft
Auf einer dreitägigen Gletscherüberquerung an der Ostküste schufteten wir uns mühsam über wackelige Steine der Endmoränen. Es war frustrierend, andauernd den Halt unter den Füßen zu verlieren, aber wir hatten ja keinen Ferienurlaub gebucht. Zelte, Campingkocher und Steigeisen zogen wir Jugendliche in einem 50 Kilo schweren Schlitten über das Eis, trotz der Kälte kamen wir ins Schwitzen. Doch es zahlte sich aus: Eine solch weite, vollständig unberührte Landschaft aus Gletschern, Fjorden und Bergen hatte noch nie jemand von uns gesehen. Besonders das Wissen, dass sich weit und breit keine Menschenseele befindet, ist unbeschreiblich.
Wir schliefen in warmen Schlafsäcken in Zelten, doch das Eis unter uns und die zehn Grad minus Außentemperatur brachten uns trotzdem zum Zittern. Der Abstieg war ein letzter Kraftakt für die Oberschenkelmuskeln.
Wovor wir alle großen Respekt hatten, war das Klettern an der Steilwand. An zwei Seilen zogen wir uns knapp 200 Meter die senkrechte Felswand hinauf. Wenn man in der Luft herumhängt, ist vollständiges Vertrauen in die Ausrüstung notwendig. Den Höhepunkt stellte die Nacht an der Felswand dar: Wir schliefen auf klappbaren Liegen, die man im rechten Winkel an der Wand befestigt, mit dem Gefühl, nur Luft unter sich zu haben.
Im besonderen Ökosystem der Arktis erwärmt sich das Klima zehn Mal schneller als in mittleren Breiten. Eine wichtige Rolle spielt der Permafrostboden, worin große Mengen an Kohlenstoff und Methangas gespeichert sind. Im Sommer taut die obere Schicht auf und es gedeihen allerlei Flechten, Moose und sogar Blumen.
Im Zuge des Klimawandels taut der Boden immer schneller auf und mehr schädliche Stoffe gelangen in die Atmosphäre. Wir nahmen Messungen der Schichten, der Temperatur und der Feuchtigkeit vor und entnahmen Bodenproben, um die Veränderungen in dieser fragilen Umgebung zu analysieren.
Dann wurden die Segel Richtung Süden gesetzt, die Nordpolarlichter über uns. Das Staunen wurde erst gebrochen, als Nackenschmerzen das gebannte Hinaufstarren unmöglich machten. (Ansgar Fellendorf, SCHÜLER-STANDARD, Print-Ausgabe, 25.10.201)
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Noch bis 30. November können sich Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren für die nächste Expedition in den Amazonas-Dschungel hier bewerben.