"Der Nationalfeiertag ist ein leeres Ritual"

25. Oktober 2011, 10:48
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    foto: apa/fohringer

    Alle Jahre wieder: die "Angelobung der Jungmänner" auf dem Heldenplatz. Nur noch für eine Minderheit der Jugendlichen in Österreich steckt mehr hinter dem Nationalfeiertag.

"Nationalegoismus" oder "Feiertag für alle" - Jugendliche hegen unterschiedliche Beziehungen zum Nationalfeiertag

Wien/Graz/Gmunden - In der Schule lernt man noch immer, dass der Anlass für den Nationalfeiertag der Abzug des letzten sowjetischen Soldaten aus Österreich sei. Dem ist nicht so. Tatsächlich wurde an diesem Tag 1955 die "immerwährende Neutralität" Österreichs beschlossen. Zehn Jahre später stimmte das Parlament über das Datum des neuen österreichischen Nationalfeiertags ab.

Der Dienst am Staat

Heute ist die erste Assoziation damit das Aufgebot von Panzern, Helikoptern und jungen Soldaten auf dem Wiener Heldenplatz. Steckt mehr dahinter? Abgesehen vom historischen Anlass des Datums, feiern junge Menschen ihre Nation am Nationalfeiertag?

"Es ist wichtig, sich zu seinem Heimatland zu bekennen", sagt ein 16-Jähriger aus Gmunden. "Das ist ein guter Anlass, sich klarzumachen, was der Staat Österreich für einen leistet und was man für den Staat leisten kann." Etwa indem man sich für den Wehrdienst melde und politisch aktiv werde.

Diese Einstellung treffe man nur noch vereinzelt an, sagt Bernhard Heinzlmaier, Forscher am Institut für Jugendkultur, zum SchülerStandard, es sei eine "Werthaltung, die nur mehr für eine Minderheit von Relevanz ist". Für die Mehrheit der Jungen hingegen sei der Wehrdienst eher eine Belastung als ein "Dienst am Staat".

Ein Feiertag für alle

"Das Wichtigste ist, dass man schulfrei hat", fasst die 18-jährige Anna Heimburg ihre Erfahrung mit der Einstellung Gleichaltriger zusammen. Die Grazerin findet es traurig, dass die eigentliche Bedeutung des Nationalfeiertags längst verloren ging.

Der 22-jährige Wendelin Knapp hingegen streicht eine ganz andere Sonderstellung des Nationalfeiertages unter den Festtagen in Österreich heraus. Nicht aus patriotischen Gründen mag er den Nationalfeiertag, sondern aus demokratischen: "Dieser Tag hat seine Wurzeln weder in der Religion noch in der Konsumwirtschaft - wie etwa Halloween." Daher ist er für Knapp ein Feiertag für alle: "Atheisten wie Gläubige, Konsumwütige wie Sparsame."

Das Außenministerium ist da etwas anderer Meinung, denn einer der "traditionellen Eckpunkte der Feierlichkeiten" sei auch die heilige Messe auf dem Heldenplatz. Dieser ist am 26. Oktober aber vor allem Schauplatz für die "Angelobung der Jungmänner" und die dazugehörige "Leistungsschau" des Bundesheeres mit Panzer- und Helikopterdarbietung.

Heinzlmaier ordnet dem Feiertag im Leben der Jugendlichen eine sehr untergeordnete Rolle zu. Jedoch würden sie sich verpflichtet fühlen, den Nationalfeiertag als "total wichtig" anzuerkennen. Diese Haltung bezeichnet der Jugendforscher als "Nationalegoismus". Eine neue und wichtigere Stellung scheint der Nationalfeiertag vor dem Hintergrund einer Kritik an der Europäischen Union zu bekommen. "Angesichts der Bankenkrise wächst die Skepsis gegenüber der ökonomischen und politischen Union." Die EU sei für die Jugendlichen etwas Abstraktes, es gebe keine gemeinsame europäische Kultur.

Alles in allem hätten junge Menschen jedoch heute keine besondere Beziehung zum 26. Oktober, ist Heinzlmaiers Erfahrung. "Der Nationalfeiertag ist ein leeres Ritual. So wie auch In-die-Kirche-Gehen heute nur mehr für wenige eine religiöse Bedeutung hat." (laus, bsch, bsb, datif, SCHÜLER-STANDARD, Print-Ausgabe, 25.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2
OttotheBusdriver
00
2.11.2011, 13:52
was der Staat Österreich für einen leistet

Soso, was denn?
Evtl. das wir finanziell ausgenommen werden, die höchste Abgabenquote haben, mit allen technischen Möglichkeiten überwacht werden sollen, mit bizarrsten Gesetzen (Mafia§, Terror§,..) gegängelt werden, die Politik den Staat als Selbstbedienungsladen betrachtet und uns an die EU verkauft?

Und in der Politik sollen sich die Leute engagieren?
Eh klar, sonst bekommens in NÖ oder Wien nie einen Job oder Wohnung wenns Parteibuch nicht passt.

Leider, aber AT in dieser Form hat sich überholt und ist dekadent geworden - wir brauchen einen Neuanfang, mit echter Demokratie.

Arbeit für die Zensur
52
25.10.2011, 22:09
"immerwährende Neutralität" Österreichs beschlossen

Welche Neutralität? Wir sind von Brüssel abhängig, dort liegen auch unsere Goldreserven.

trollvottel
00
26.10.2011, 14:33

No na. Als mitten in Europa gelegenes Land, das die europäische Kultur entscheidend mit geformt hat, wäre es ja wirklich überraschend, wenn wir keine Europäer wären.

Sh. nataraj
03
25.10.2011, 21:23
Die Realität ist ...

Am Nationalfeiertag mimt Palfrader den Kaiser

und "das Volk" ist begeistert !

-------

Da beschleicht mich der dumpfe Verdacht, dass tatsächlich die Mehrheit jederzeit eine gekonnte Inszenierung einer demokratischen "Theorie" vorzieht.

Die Vereinigten Staaten von Amerika (nicht zuletzt infolge Serien-Konsums in Überdosis seit Kindertagen) bewundern und die (nicht einmal "vereingte") Europäische Gemeinschaft vehement ablehnen - weil das sind ja (pfui) "lauter Ausländer" - das ist die österreichische Realität.

"National" Feiertag, har har.

Tag "der Fahne" schon treffender (Slibo, Bier oder Wein?)

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Was meinen Optimismus weiterhin aufrechterhält? Die relative Bedeutungslosigkeit genau dieser Wurschtln im internationalen Kontext ...

Fernsehendes Kalb Nr. 15.731
04
25.10.2011, 18:23
Man sollte den tag umbenennen und der Realität anpassen,

z.B. "Tag der Bürgerüberwachung"

vheissu
02
25.10.2011, 16:46

Man kann natürlich auch alles irgendwie lächerlich machen und abwerten, was Ausdruck einer Verbundenheit zur demokratisch verfassten Heimat ist... der Nationalfeiertag sollte jedoch m.E. kein leeres Ritual sein, sondern etwa vielmehr eine sinnhafte Vergegenwärtigung des Willens zur Selbstregierung qua gleicher politischer Rechte der Bürger, und dies nicht in abstracto, sondern vor dem Hintergrund der konkreten historischen Entwicklung mit ihren Brüchen und Widersprüchen.

anders and
 
20
25.10.2011, 22:42

das Problem ist nur, dass der Nationalfeiertag auf ein völlig sinnfreies Datum fällt - wie kann er da populär werden?

D/E
12
25.10.2011, 15:31
Leere beginnt -- wie so vieles andere --

im Kopf.

Marten E. Vanderveen
 
02
25.10.2011, 15:22
"In der Schule lernt man noch immer, dass der Anlass für den Nationalfeiertag der Abzug des letzten sowjetischen Soldaten aus Österreich sei."

Präziser: In der Volksschule und Hauptschule. In der AHS wird den Schülern die Wahrheit zugemutet.

Denker9
10
25.10.2011, 20:12

Das spricht für die Überheblichkeit der AHS-Lehrer!

santa fe
 
53
25.10.2011, 15:19

seit der fahneneid beim bundesheer de facto nicht mehr auf österreich sondern die internationale finanzindustrie geleistet wird, deren grausame kriegspolitik keinen vergleich mehr scheuen muss, erscheint fahnenflucht noch vernünftiger als vorher.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle.

her mit den Strichen!
00
26.10.2011, 14:37
Und wie lautet dieser Fahneneid genau?

byron sully
19
25.10.2011, 15:05

mein problem mit dem nationalfeiertag ist jener, daß er eigentlich wie eine art "tag des heeres" wirkt. die militärprotzerei am heldenplatz steht ganz im vordergrund, alles andere gerät in den hintergrund. ich wäre eher dafür, solche heeresprotzveranstaltungen an einem eigens geschaffenen tag des heeres zu machen (der aber ein ganz normaler samstag oder sonntag und kein extra arbeitsfreier feiertag sein sollte) und den nationalfeiertag damit zu verschonen.

Pefo
00
26.10.2011, 22:05

Diese Heer-Schau gehört wirklich abgeschafft, oder glauben die Veranstalter wirklich, daß man beim Anblick eines Panzers "patriotischer", was das auch sein mag, wird?
Lieber das Geld in Gesundheit oder/und Bildung stecken!

Helmut Hromadnik21
 
00
26.10.2011, 13:32
............"MILITÄRPROTZEREI"...............

Genau !
Was hat ein "gewalt und mordinstrument", wie jedes heer, am nationalfeiertag zu suchen ?

Was ist die "angelobung " anderes als eine art "vergewaltigung" junger männer, die zu etwas gezwungen werden, ob sie wollen oder nicht !

Wenn schon überhaupt nationalfeiertag, dann ohne "nationale gefühle", sondern ein tag der besinnung, dass wir in frieden und einer halbwegs funktionierenden demokratie leben dürfen, was vielen anderen menschen leider nicht vergönnt ist.

Wir könnten uns sogar fähige politiker wählen, wenn die mehrheit nicht zu dumm wäre !

Arbeit für die Zensur
02
25.10.2011, 22:10

Alles was mit Heer und Waffen zu tun hat ist mir WIDERLICH!

trollvottel
93
25.10.2011, 14:15

So ist das halt, wenn die paar Anständigen, die den Krieg überlebt haben, als "Volk" nur einen Haufen rassistisch verhetzter Ex- und Altnazis haben.

Man trifft sich dann als roter Punschkrapfen (viel eher denn als Spanienveteran, diese waren nämlich zuvor von den Punschkrapfen vergast worden - mit den Dollfuß-Fans, gegen die man 20 Jahre davor im Bürgerkrieg gekämpft hatte. Und einigte sich darauf, wieder auf Österreich stolz zu sein, obwohl damals die Mehrheit nicht glaubte, dass Ö ohne Anschluss wirtschaftlich überleben könne.
Und obwohl es zahlreiche reulose Mörderschweine und bekennende Verbrecher gab - die gründeten halt den VdU, da sie selbst dieses Bisschen Nachkriegs-Grundkonsens ablehnten.

trollvottel
51
25.10.2011, 16:29

Ich habe hier das Erleben meines Großvaters geschildert:

Bis 1944 begeisterter Nazi, dann kriegsgefangener Nazi, dann ab Fünfzigerjahre plötzlich Konsum-Betreiber und SPO-Gemeinderat. Wenn ich die Erzählungen richtig verstanden habe, konnte er mit dem neuen Österreich wenig anfangen, sein schwarzer Gegenspieler auch nicht; aber immer noch mehr als die reulosen SS-Mörder vom VdU.

trollvottel
11
26.10.2011, 14:34

Ich möcht wissen, wer hier wieso rotstricht - fühlen sich da Feonazis auf die Zecherln getreten oder wie?

Na Er halt
 
133
25.10.2011, 13:28

solange wiedergutmachungszahlungen fließen, solange die grünen ihre nazikeulen schwingen, so lange soll es den nationalfeiertag geben.

Pefo
00
26.10.2011, 22:09

Naja, diese Verbrecher sind eben schuld daran, daß es notwendig ist, Wiedergutmachungszahlungen zu leisten.

dackelsepp
22
25.10.2011, 19:33

sie haetten lieber einen nazifeiertag,oder?

trollvottel
24
25.10.2011, 14:19

Du verwechselst da was: Der Nationalfeiertag ist der Tag, um Österreich zu feiern, das freie und demokratische Land in dem wir leben.

Poster, die von "greanen Nazokäuln" faseln und antisemitische Klischees hegen, sind meist alles andere als begeistert von unserem Österreich, das Rechtsextreme wie zB Haider als "geistige Missgeburt" dargestellt haben, und sehnen sich statt dessen nach irgend einem reinrassigen Germanenland.

ehnie
01
25.10.2011, 13:22
Liebe Redaktion! Liebe Poster!

Warum sollte man den Tag des Beschlusses eines Gesetzes als Nationalfeiertag feiern (27. Juli 1955)? Und nicht den Tag, an dem eben jenes Gesetz über die Neutralität in Kraft tritt (26.Oktober 1955)?
Der letzte Besatzungssoldat verließ das Land am 25. Oktober 1955, da es eben am Tag danach ein neutrales solches war/sein sollte.

Pierre d´Aubusson
00
26.10.2011, 23:38

Am 29.10. waren die Briten noch in Kärnten, bis 1965 haben wir Öl nach Rußland geliefert. Gut, dafür waren die Russen als erste weg...

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