Deutscher Schulpreis

Hochbegabte und Behinderte an einem Tisch

Lisa Aigner, 26. Oktober 2011, 08:19
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    Die Schüler an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule arbeiten immer in Tischgruppen.

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    Walter Vogelsaenger ist seit zehn Jahren Direktor an der Integrierten Gesamtschule in Göttingen.

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    Schwache Schüler sitzen neben guten Schülern, so sollen alle voneinander profitieren.

Der Gesamtschule in Göttingen gelingt der Spagat zwischen schwachen und starken Schülern

Keine Noten, kein Sitzenbleiben, keine Leistungsgruppen. Hochbegabte sitzen neben Kindern, die laut der Empfehlung ihrer Grundschule in der Hauptschule besser aufgehoben wären. So sieht die beste Schule Deutschlands aus. Die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Göttingen hat den Kampf gegen den Titel "Idioten-Gesamtschule" endgültig gewonnen, als ihr in diesem Jahr vom deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff der Deutsche Schulpreis 2011 überreicht wurde. 

Vierzig Jahre altes Konzept

In der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule werden Schüler von der fünften bis zur zwölften Schulstufe gemeinsam unterrichtet. Die Pädagogen und Architekten, welche die Schule vor vierzig Jahren entworfen haben, entschieden sich dafür, dass in der Schule der Querschnitt der Bevölkerung in Göttingen abgebildet werden soll. Das heißt: 10 Prozent der Schüler, die aufgenommen werden, haben von ihrer Grundschule eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen, 25 Prozent wurde die Realschule empfohlen und 65 Prozent wurde der Besuch eines Gymnasiums nahegelegt. Aber auch geistig und körperlich behinderte Kinder besuchen die Schule.

Kein Sortieren in Schubladen

"Das Gesamtkonzept war, dass wir nicht das machen wollten, was in Europa und vor allem in Deutschland und Österreich üblich ist, nämlich das Sortieren der Schüler in Schubladen", erklärt Walter Vogelsaenger, seit zehn Jahren Direktor der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule. Leistungsgruppen wären für das gemeinsame Lernen "systemfremd" sagt Vogelsaenger. Vielmehr gehe es darum, dass die Kinder in Teams lernen und sich so entwickeln.

Schwächere und Stärkere profitieren

In den Teams liegt das Kernkonzept der Gesamtschule. Jede Klasse wird in Tischgruppen aufgeteilt. Und auch hier zählt wieder die Mischung: An einer Tischgruppe mit sechs Schülern sitzen ein Hauptschüler, ein Realschüler und drei oder vier Gymnasiasten. So schafft die Schule auch den "Spagat" zwischen geistig behinderten Kindern und Hochbegabten. "Mit der Tischgruppe haben wir ein System gefunden, wo gerade diese Heterogenität sich positiv auswirkt. Die Schwächeren profitieren davon, dass die Leistungsstärkeren ihnen etwas erläutern und das wirkt besser, als wenn die Lehrer etwas zum fünften und sechsten Mal etwas erklären und sie es nicht verstehen. Die Stärkeren profitieren durch erklären", so der Direktor der Schule.

Vogelsaenger macht die Arbeit in Tischgruppen an einem Beispiel deutlich: Im Englischunterricht wird eine Szene zwischen mehreren Personen von der Gruppe gemeinsam erarbeitet. "Der schwächere Schüler schreibt sich zwei Sätze auf, die er dann vorliest, der Leistungsstärkere redet fünf Minuten ohne Punkt und Komma durch", so der Lehrer. "Alle sechs haben etwas für das gemeinsame Projekt beigetragen. Auch die zwei vorgelesenen Sätze waren wichtig, weil man die Szene sonst vielleicht nicht verstanden hätte. Der schwächere Schüler wird nicht diskriminiert, weil er nicht so gut ist, sondern er trägt mit seinem Niveau zum Gelingen der Geschichte bei. Das Credo ist, dass keiner unterfordert wird, aber auch keiner überfordert."

Beste Abiturientin

Das System hat auch die Jury des deutschen Schulpreises überzeugt. Auch andere Erfolge sprechen für die Tischgruppen. Die beste Abiturientin aus Niedersachsen kommt aus der Integrierten Gesamtschule in Göttingen. Laut dem Porträt der Schule, das im Zuge des deutschen Schulpreises geschrieben wurde, gehört die Oberstufe zu den besten fünf Prozent der Gymnasien im Bundesland. "Unsere Kritiker sagen oft, unser Erfolg liege nur darin, dass wir so viele Gymnasiasten haben", sagt Direktor Vogelsaenger. "Aber nur 65 Prozent der Schüler sind Gymnasiasten, die Gymnasien haben hundert Prozent und trotzdem lassen wir sie alle hinter uns."

Dass eine Gesamtschule das Niveau insgesamt sinken lasse, ist für den Direktor daher "völliger Quatsch". "An den anderen Schulen wird von einem gemeinsamen Niveau ausgegangen. Ich habe vier Klassen, in denen geistig behinderte Kinder zusammen mit Hochbegabten in einer Klasse sechs Jahre lang sitzen und miteinander arbeiten. Da kann ich kein gemeinsames Niveau nach unten festlegen. Der Sinn des Ganzen ist, zu sehen, wie ich jedem einzelnen Kind gerecht werde", sagt er. 

Keine Noten

An der Gesamtschule in Göttingen gibt es nicht nur keine Leistungsgruppen, sondern bis zur Mitte der achten Schulstufe auch keine Noten. Die Lehrer schreiben zwei Mal im Jahr einen vier- bis fünfseitigen Lernentwicklungsbericht. Auch die Schüler schreiben über sich selbst einen solchen Bericht. Gemeinsam ergibt das ein gültiges Zeugnis. "Noten gehen von einer Skala aus und vergleichen in den Lerngruppen. Das bezieht sich aber nur auf diese Klasse als Vergleichsgröße. Da wir so eine große Spanne von Schülern haben, ist das mit den Noten natürlich noch schwieriger", erklärt Vogelsaenger die Gründe für das System. Manchmal würden Schüler, die in der Oberstufe mit Noten bewertet werden, nachfragen, wie ihre Leistung denn nun war. Mit der Ziffer drei können sie wenigen anfangen.

Das System würde allerdings nicht ohne das richtige Lehrpersonal funktionieren. "Ich muss mich selbst nicht so sehr als Fachlehrer begreifen, der nur Inhalte und Stoff kennt, sondern der sich um die Kinder kümmern muss und nicht nur eine Latte anlegt und sagt: Da müssen jetzt alle drüber springen", erklärt der Direktor. 

Erarbeiten statt unterrichten

Jede Klasse hat zwei Tutoren. Das sind Lehrer, die zwischen zwölf und fünfzehn Stunden in ihrer Klasse verbringen. Das geht allerdings nur durch den Fächerkanon, der an der Schule unterrichtet bzw. "erarbeitet" werde, wie es der Direktor lieber nennt. Neben den üblichen Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch gibt es noch die Fächer Naturwissenschaften (Biologie, Physik und Chemie), Gesellschaft und Religion (Geschichte, Geographie, Politik und Religion) und das Fach Arbeit, Wirtschaft und Technik. Durch die Zusammenfassung der Fächer können die Lehrer länger in ihrer Klasse bleiben.

"Erziehungsauftrag auch bei Eltern"

Doch nicht nur die Beziehung zwischen Lehrer und Schülern ist für die Schule wichtig, sondern auch die Eltern werden miteingebunden. "Der Erziehungsauftrag ist nicht nur von der Schule zu leisten, sondern auch von den Eltern", sagt Vogelsaenger. Deshalb werden zwei bis vier Mal pro Jahr Tischgruppenabende abgehalten, wo sich die Eltern, Lehrer und Schüler einer Tischgruppe treffen und die Lernfortschritte besprechen.

Ein Konzept für alle?

Lässt sich das Konzept dieser Schule auf das gesamte Schulsystem umlegen? Immerhin gibt es nicht überall so viele Schüler, die für das Gymnasium geeignet sind. Vogelsaenger ist überzeugt davon. "Gut, in wirklichen Brennpunktschulen da wird es wirklich schwierig. Weil es dort zu wenig leistungsstarke Kinder gibt, die Vorbild sein können", gibt er zu. Als er selbst noch Lehrer an einer solchen "Brennpunktschule" in Hannover war, hätte er aber auf jeden Fall das Tischgruppen-Modell angewendet, wenn er davon gewusst hätte. "Das geht auch. Da steht aber dann der Lehrer wieder mehr im Fokus, weil er bestimmte Normen und Werte setzen muss", glaubt der Direktor.

100.000 Euro Preisgeld

Der Deutsche Schulpreis ist mit 100.000 Euro dotiert. Derzeit wird noch diskutiert, wie das Geld verwendet werden soll.  "Meine Lieblingsvariante ist, von der Summe 80.000 Euro in Solarzellen zu investieren, die uns zwanzig Jahre lang monatlich Gewinne ausschütten, so dass wir dann mehr als 80.000 Euro zur Verfügung haben", sagt Vogelsaenger. Er will, dass auch in zwanzig Jahren die Schüler und Lehrer sagen können, dass sie sich Anschaffungen jetzt leisten können, weil damals die Schule den Schulpreis gewonnen hat. "Außerdem tun wir was für die Energiewende." (Lisa Aigner, derStandard.at, 25.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 178
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Wolfgang Vogelsaenger
00
30.10.2011, 16:06
Klärungen

Lieber mit uns als über uns reden. Wir sind eine Gesamtschule, aber nicht deswegen eine gute Schule. Die Göttinger sind besonders klug, daher sind ca. 80% aller Schüler am Gymnasium. Wir nehmen einen höheren Prozentsatz von Kindern mit Haupt- oder Realschulempfehlung auf als es sie in Göttingen gibt. Und wir nehmen in 4 Klassen seit 20 Jahren auch Kinder auf, die sonst an einer Förderschule wären. Wir erhalten die Lehrerstunden zusätzlich, die diese Kinder sonst an einer Förderschule hätten. Wir haben auch ein paar Hochbegabte. Alle lernen in ihren Klassen gemeinsam. Wir haben den Schulpreis auch deswegen bekommen, weil unsere Leistungen stimmen. Warum sollten wir täuschen?`Wir laden die Skeptiker ein, sich zu überzeugen. Kommen Sie vorbei!

D/E
02
28.10.2011, 16:01
Auch nach der Lektüre der erfrischend sachlichen Posting-Antworten

der Verfasserin ist mir immer noch unklar, wie hoch genau der Anteil an "Behinderten" ist. Weiters wäre anzumerken, dass Sinnesbehinderte normalerweise leicht zu integrieren sind. (Man benötigt nur ein paar technische Einrichtungen und ein bisserl guten Willen.)

Ansonsten sehe ich das Bild einer Versuchsschule, mit ausgesuchten Lehrkräften, wissenschaftlicher Begleitung und ausgewählten Schüler/inne/n. Das ist alles sehr schön, aber nicht verallgemeinerbar.

Inklusion funktioniert, auch hierzulande, nur:

1. muss geeignetes Personal vor Ort sein. Heterogene Klassen zu unterrichten ist wirklich schwierig.

2. Störungen müssen ausgeschlossen werden können. Verhaltenskreative demolieren j e d e Form des Unterrichts.

Georg Schütt
00
29.10.2011, 09:47
(Man benötigt nur ein paar technische Einrichtungen und ein bisserl guten Willen.)

An meiner Schule gibt es eine Schülerin mit extremen Seh- und Hörschwächen. Sie benötigt spezielle Lesegeräte, Unterrichtsgespräche können nur mit Mikrofon geführt werden; wir haben zwei für diese Klasse, die ständig herumgereicht werden.

Das mag jetzt, in Klasse 5 und 6, noch angehen; die Schwierigkeiten werden erheblich zunehmen, sobald das Mädchen stärker in Unterrichtskabinetten lernen muss: Wir haben in den Chemie-, Bio- und Physikkabinetten schlichtweg nicht die Ausrüstung und auch nicht die Möglichkeiten, immer alles dorthin zu tragen. Es fehlt z.B. an Aufzügen. Und kein Mensch weiß, wie sich das ändern soll.

D/E
01
29.10.2011, 13:49
Wir sind eine technische Schule.

Der Umbau auf eine rollstuhlgerechte Schule war kein wirkliches Problem.

Wir haben einen gehörlosen Schüler (0 Aufwand, ausgenommen den guten Willen). Sehbehinderte hatten wir bislang noch nicht.

Ich weiß schon, dass die schöne österreichische Sitte, die Probleme einfach irgendjemandem umzuhängen, katastrophal ist, aber in vernünftigen Maßen funktioniert die Inklusion sehr gut.

Georg Schütt
00
30.10.2011, 10:33
In vernünftigen Maßen, ja, da kann das gehen.

Aber der Druck auf die Schulen wird zunehmen.

Was passiert mit den Spezialschulen, wenn sich die Regelschulen verpflichten, einen Teil der zu inkludierenden Schüler aufzunehmen?

Die Spezialschulen verlieren Schüler, möglicherweise müssen einige geschlossen werden, sodass sich Schulwege für die Verbliebenen verlängern. Also steigt der Druck weiter, auch diese Schüler zu inkludieren: Und das, obwohl bauliche, materiell-technische und pädagogische Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Der gute Wille der Kollegen ist da, vielerorts auch das Verständnis der Schüler. Aber ersetzen kann er eine ungenügende Vorbereitung solcher Inklusionen nicht.

AlBundyFan
 
10
27.10.2011, 13:49
65% gymnasiasten???

als ich zur schule ging haben gerade mal 3 von knapp 30 schülern meiner 4.VS-Klasse gesagt, daß sie das gynmasium besuchen.
und bei meinen kumpels damals wars genauso....

spricht ja super fürs niveau wenn jetzt schon 65% (mehr als die hälfte) ins gymnasium gehen .... das was mal eine elite-schule war wird dadurch nur zur geringfügig besseren hauptschule.
wenn sich diese schule dann mit diesen gymnasien messen muß, dann ist der qualitätsunterschied natürlich ziemlich gering.

desweiteren:
superschüler bleiben immer superschüler-das extrembeispiel mit der "besten schülerin von.." sagt garnix aus.
tischgruppen sind super.....nur müßte dafür der betreuungsverhältnis massiv nach unten geändert werden.

Georg Schütt
01
27.10.2011, 17:09
Ungefähr 30-40 Prozent aller Schüler bekommen heute eine Gymnasial-Empfehlung, in Großstädten sind´s auch mal 50 Prozent.

Da liegt Göttingen mit 65 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Das mag auch am Charakter einer Universitätsstadt liegen. Vhl. "Göttinger Schulstudie" Abschn. 4.1.1.

Und wer eine Gymnasialempfehlung bekommt (die für die Gesamtschule bekommen alle), der geht auch meist aufs Gymnasium, nicht auf eine GS.

Die hier prämierte GS ist eine Ausnahmeschule.

So wie in Hessen (Helene-Lange-Schule Wiesbaden) oder NRW (Laborschule Bielefeld) wurden in vielen Ländern einzelne Reformschulen besonders gefördert, um auf diese Weise Werbung für GS zu machen. Etwa mit bevorzugter Personal- und Mittel-Zuteilung oder mit der Möglichkeit, sich die Schüler bereits vor den offiziellen Anmeldeterminen auszusuchen.

AlBundyFan
 
11
28.10.2011, 07:29
da muss ich dir in allen aussagen recht geben....

nur, daß nicht mehr als die hälfte der schüler gymansiumsgeeignet sind muss doch auch den dämlichsten auffallen - das sind vielleicht 10% der schüler.
nur weil in den städten schon jeder grad nicht geistig behinderte von den eltern in ein gymnasium gesteckt wird heissst das nichts.

und wenn,wie in dieser schule, von 6 schülern 3-4 (angeblich)sehr intelligente in einer gruppe sind, dann müßte allein diese angabe reichen, wenn man nicht grad ein brett vorm kopf hat, daß man erkennt, daß dieses system nicht auf alle bevölkerungsgruppen anwendbar ist, denn da wird man nicht 3-4 von 6 intelligenten schülern haben.
eher einen pro zwei 6er-gruppen.

Georg Schütt
11
28.10.2011, 09:42
Stimmt.

Es ist kein Querschnitt der Bevölkerung (nicht mal der Göttinger!), schon gar kein Querschnitt der in Deutschland lebenden Bevölkerung, sondern eine insgesamt überdurchschnittlich leistungsfähige Schülerschaft.

Und dennoch versuch Frau Aigner, die Lage so dazustellen, als handele es sich um ein verallgemeinerungswürdiges Phänomen. Als müssten nur bundesweit GS eingeführt werden, und alles wäre in bester Ordnung.

Und genau das ist das Irreführenden an diesem Artikel (und an vielen anderen zum Thema GS).

recall
00
27.10.2011, 12:54

- Was mich interessieren würde, das sind die Kriterien, die hier zur Bewertung der Schule angesetzt wurden. Ist es denn ein Leistungstest, ist es der Imput, ist es die "Übertrittsquote ins Gymnasium", ist es der Prozentsatz an Schüler/innen, die nachher studieren?

- Was ich mich auch frage, das ist, wer die Schüler und wer ihre Eltern sind. Schüler/innen aus sozial besser gestellten Familien profitieren für gewöhnlich von solchen offenen, reformpädagogisch angehauchten Settings, während Schüler/innen Bildungsferner Schichten mehr vom Frontalunterricht haben. So zumindest argumentiert das Stefan Hopmann vom Institut für Historische und Vergleichende Schul-und bildugnsforschung imemr wieder, auch wenn ich leider seine Quellen nicht kenne.

Georg Schütt
00
27.10.2011, 11:10
nur 65 Prozent der Schüler sind Gymnasiasten, die Gymnasien haben hundert Prozent und trotzdem lassen wir sie alle hinter uns."

Wer bei solchen Aussagen nicht merkt, dass er hinters Licht geführt werden soll, dem ist nicht zu helfen.

1. Kein Gymnasium hat nie zu 100 Prozent Schüler mit Gymnasialempfehlung. Weder in Klasse 5 noch später. Und schon gar nicht in der Sekundarstufe II, wenn viele Absolventen der Real- und einige der Hauptschulen in die Gymnasien wechseln.

2. Dass die Leistungen der Gesamtschulen die der Gymnasien übertreffen, ist ein Witz. Ein schlechter. Gymnasien sind deutlich leistungsstärker, und selbst die Realschulen waren bei PISA immer stärker als die GS.

Noch etwas: Ein Direktor, der auch noch vier Klassen unterrichtet? Also mindestens acht Stunden in der Woche? Bei einem Hauptfach sogar mehr? Wie schafft der Mann das nur?

Seadelaere
10
27.10.2011, 12:18
kein Frontalunterricht

schon allein damit kann man jedes durchschnittliche Gymnasium leicht abhängen.

Georg Schütt
02
27.10.2011, 12:32
Gottchen, noch ein Methoden-Verfechter, dem Inhalte nicht mal eine Silbe wert sind.

Aber schon klar: Alles ist ja "Text", ob der "Faust" gelesen wird oder eine Bedienungsanleitung für Mikrowellen, spielt im Kern keine Rolle.

Seadelaere
10
27.10.2011, 15:56
die inhalte stehen im bericht zu dem wir posten

warum diese also wiederholen?
text ist text doch die qualität kann doch recht unterschiedlich sein.

Georg Schütt
00
27.10.2011, 11:47
"Kein Gymnasium hat ..." natürlich!

Die doppelte Verneinung ist unsinnig.

macabre89
00
27.10.2011, 10:14

ich weiß net, wie viele studien und analysen noch zeigen sollen, dass das jetzige schulsystem nicht funktioniert, und ein alternatives gesamtschulkonzept viel besser wäre. (richtig umgesetzt natürlich, siehe göttingen)

die kritik daran sagt immer das gleiche, die realtität zeigt, dass das nicht stimmt. und wieder von vorn.

alle direkten notenvergleiche von schülerInnen einer solchen schule mit herkömmlichen zeigen, dass sowohl lernschwache als auch hochbegabte kinder dort bessere noten und später mehr erfolg im beruf haben. (prozentual gesehen)

der grund, warum sich nichts ändert, ist denkbar leicht zu erklären: weil es geld kosten würde und das lehrpersonal nicht gut genügend ausgebildet ist. abgesehen davon wärs gegen das elitedenken.

hcl3
00
27.10.2011, 11:09

wir geben 40% unseres familieneinkommens aus um unseren 3 kindern gute schule zu ermöglichen.
würde der staat uns bloß 60% der pro-kopfkosten der öffentlichen schule zur freien verfügung stellen
könnte ich pro eigenem kind einem zweiten einen schulplatz schenken. auf eine klassenschülerInnenzahl von rd.16 gerechnet alle kernzeiten mit 2 lehrerInnen "bespielen".
konzeptuire ich mehrstufig=altersheterogen mit 28 schülerInnen
rechen sich 3 lehrende
damit kann man die stundentafeln aufbrechen in themenkreisen arbeiten , d.h. alle fächer unter einen thematischen arbeitsauftrag stellen und daher sinnvolles erarbeiten von inhalten ermöglichen

Georg Schütt
00
27.10.2011, 10:32
Sie haben nie unterrichtet, stimmt´s?

macabre89
00
27.10.2011, 11:12

nein, aber ich überlege es zu tun. dafür hab ich lang genug lehrer gehabt. viele waren sehr gut, manche waren nicht so toll und eine beträchtliche anzahl genügte den anforderungen, welches schulsystem und welche unterrichtsvariante auch immer, leider absolut nicht.

und auch das zeigen diese modellversuche bzw. länder, in denen schon anders unterrichtet wird - es geht. ;)

Georg Schütt
10
27.10.2011, 11:34
"wie viele studien und analysen noch zeigen sollen, dass [...] ein alternatives gesamtschulkonzept viel besser wäre"

Es gibt keine solchen Studien. Nicht eine einzige Studie belegt das.

Dafür gibt´s jahrzehntelange Erfahrungen, dass all die hochtrabenden Hoffnungen, die man in den 1970ff. hegte (bessere Leistungen als die Gymnasien, bessere Sozialkompetenz) nicht erfüllt wurden.

Und für solche Erfahrungen muss man auch nicht in finnische Dorfschulen mit 30 Kindern pilgern, dafür reichen Vergleiche in ein und derselben Stadt in NRW. Und zwar in jeder, die ein Gymnasium und eine GS hat.

Quartz1
10
27.10.2011, 08:47
Hochbegabte und Behinderte

So steht's im Titel.
Aber wo bleiben die Hochbegabten?

Oder wollen Sie dem Leser einschenken, dass die 65%, denen der Gymibesuch nahegelegt wird, mit der Eigenschaft hochbegabt versehen werden sollen?

65% Hochbegabte? Wenn man sich die durchschnittlichen Schülereltern anschaut, kann diese Rechnung nicht stimmen. Der Genpool verheißt ganz andere Werte.

Georg Schütt
01
27.10.2011, 08:58
Etwa 2 Prozent einer Alterskohorte ...

Dass hier übertrieben wird, inhaltlich, aber zu auch rhetorisch, gute Gymnasiasten werden eben "hochbegabten", schwächere Hauptschüler gleich zu "behinderten", hat v.a. die Funktion, die Gruppe der potentiellen Lerner auf alle Lerner auszudehnen. Wo der eine genauso gefördert wird wie der andere, braucht´s weder Gymnasien noch Spezialschulen. Da reicht dann eine Integrierte Gesamtschule ...^^

Dass die Wirklichkeit anders aussieht als in diesen IGS-Werbepostillen, verrät ein Blick in die jährlichen Abitur-Statistiken; da sehen die Gesamtschulen (zumindest in NRW) nämlich sehr alt aus, verglichen mit den Gymnasien.

Georg Schütt
12
27.10.2011, 08:42
Die Aussage, sowohl gute als auch schwache Schüler profitierten von gemeinsamem Unterricht, ist Unsinn; und jeder erfahrene Lehrer weiß das.

Wenn jeder Schüler wirklich nach seiner individuellen Leistungsfähigkeit gefördert wird, die guten genauso wie die weniger guten, dann werden begabte Schüler in einem bestimmten Zeitabschnitt einen größeren Lernzuwachs erfahren als weniger gute.

Das heißt, die Leistungsschere geht auseinander, die Guten werden deutlich besser, die weniger Guten weniger deutlich.

Wenn also an dieser IGS dieses Phänomen nicht auftritt, so kann das nur bedeuten, dass die guten Schüler nicht so gefördert werden, wie sie gefördert werden könnten. - Aber genau das ist seit Jahrzehnten die Kernkritik an den deutschen Gesamtschulen.

hcl3
00
27.10.2011, 11:17

herr schütt
wo unterrichtet sie?
nach 30 jährigen als pädagogisch tätiger habe ich eine andere erfahrungen gemacht.
schüler mit IQ jenseits der 130 österreich-weltweit eher selten zu finden
gymnasiaten würde ich nicht als hochbegabt bezeichnen sie sind zumeist nur von aufmerksameren und gebildeteren eltern erzogen als die Hs`ler

Georg Schütt
00
27.10.2011, 11:45
Ich unterrichte seit vielen Jahren an einem deutschen Gymnasium.

Hochbegabte sind auch bei uns nicht die Regel. Vor einigen Jahren gab es bei uns - wie an vielen Gymnasien - sog. "Profilklassen", die, nach Quinta (Klasse 6) gebildet, besonders gute Schüler in 12 Jahren (nicht nach 13) zum Abitur führen sollten. Es wurden etwa 30 Prozent der Quintaner in diesen Klassen zusamengefasst. Sie zeichneten sich durch hohe Leistungen, eine vorzügliche Lernhaltung und überdurchschnittlich hohe Sozialkompetenz aus.

Infolge des Übergangs zu G8 entfielen diese Klassen, in denen sogar Vertretungsunterricht Spaß machte.

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