EU-Politik

Britischer Premier kämpft gegen eigene Partei

25. Oktober 2011, 06:59

Referendum über britische EU-Mitgliedschaft zwar abgelehnt - 81 Parteikollegen Camerons hatten gegen die Parteilinie abgestimmt

London - Zwar entschied sich Großbritanniens Unterhaus wie von Premier Cameron erhofft gegen ein mögliches Referendum zur EU-Mitgliedschaft seines Landes. Ein Warnschuss war die von Parteikollegen initiierte Aktion aber doch. Mit 483 zu 111 Stimmen fiel das Ergebnis am Montagabend deutlich aus. Für den konservativen Premierminister David Cameron kam es allerdings einer Niederlage gleich.

Er hatte seine traditionell europaskeptische Partei in einer hitzigen Debatte über fünf Stunden aufgefordert, gegen den Antrag von Rebellen aus den eigenen Reihen zu stimmen. Doch mit 80 Abgeordneten votierten mehr als ein Viertel aus seiner Fraktion für die Vorlage. Es ist damit die größte parteiinterne Revolte in Großbritannien gegen einen konservativen Regierungschef in Europa-Fragen.

Rettungsstrategien

Im Streit um Rettungsstrategien für die Eurozone war es zuvor zwischen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron zu einem ruppigen Wortwechsel gekommen. "Sie haben eine gute Chance verpasst, den Mund zu halten", kritisierte Sarkozy beim EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel Cameron, wie die britische Agentur PA am Montag unter Berufung auf EU-Diplomaten berichtete. Unterdessen setzten im eigenen Land europakritische Hardliner aus der eigenen Partei Cameron unter Druck.

"Es macht uns krank, dass Sie uns dauernd kritisieren und uns sagen, was wir tun sollen. Sie sagen, Sie hassen den Euro und jetzt wollen Sie in unsere Sitzungen eingreifen", sagte Sarkozy dem Bericht zufolge weiter. Cameron hatte zuvor verlangt, dass Großbritannien und alle anderen EU-Länder, die nicht in der Eurozone sind, am entscheidenden Treffen zur Euro-Rettung am Mittwoch in Brüssel teilnehmen können.

Massiver Druck

Cameron, der die Politik der Eurozone in den vergangenen Wochen wiederholt scharf kritisiert hatte, steht innenpolitisch massiv unter Druck. Am Abend entschied sich das britische Unterhaus zwar dafür, dass es keine Volksabstimmung über die Mitgliedschaft des Landes in der EU geben wird. Bis zu 80 Abgeordnete aus Camerons konservativer Tory-Partei könnten jedoch dafür gestimmt haben - und damit gegen Cameron, der das Referendum ablehnt. Schätzungen am späten Montagabend gingen von 70 bis 80 Abgeordneten aus. Genaue Zahlen sollten am Dienstag vorliegen.

Die Abstimmung war vom rechten Flügel seiner eigenen Partei initiiert worden. Cameron hatte in den vergangenen Wochen wiederholt versucht, die seit Jahren andauernde Wirtschaftskrise in Großbritannien mit dem Euro-Problem zu erklären. Er sagte im Unterhaus, er werde auch künftig in Brüssel den Finger in die Wunde legen.

Die EU und die britische Rolle müssten überdacht werden. "Genauso wie Sie möchte auch ich grundlegende Reformen sehen", sagte er in Richtung der Partei-Rebellen. Für ein Referendum über einen EU-Ausstieg Großbritanniens sei derzeit aber ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Diese Ansicht vertrat im Parlament auch der als eurokritisch bekannte Außenminister William Hague.

Chancenlos

Cameron hatte jedoch noch bis kurz vor der Abstimmung versucht, einen Teil der Aufständler umzustimmen. Zwei Fraktionsmitglieder traten von ihren Posten zurück. Das Ansinnen galt von Anfang an als chancenlos. Selbst wenn es durchgekommen wäre, hätte es sich nicht um eine bindende Entscheidung gehandelt. Doch nicht nur die Mehrheit der Abgeordneten der Regierungskoalition aus Konservativen und Liberaldemokraten war dagegen, auch die große Oppositionsfraktion der Labour-Partei hatte sich im Vorfeld dagegen ausgesprochen.

Die Euroskeptiker in Westminster argumentieren, Großbritannien habe durch die Mitgliedschaft in der EU mehr Nachteile als Vorteile. Der britischen Wirtschaft koste die Brüsseler Regulierungswut bis zu 60,5 Milliarden Pfund (rund 70 Milliarden Euro) pro Jahr. "Es geht schlicht um die Demokratie", sagte der konservative Abgeordnete Bernard Jenkins im Vorfeld. "Das britische Volk will seit langem über die EU-Mitgliedschaft abstimmen." (Reuters)

Nachlese
Premier Cameron droht Parteirevolte wegen EU-Politik
- Montagabend Parlamentsvotum über Referendum - Rechter Flügel der regierenden Torys will EU-Austritt

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Posting 1 bis 25 von 60
1 2
Jay Trifun
00
13.12.2011, 12:44
Der kämpft nicht bloß gegen seine Partei,

sondern gegen den rest der Welt.

Jay Trifun
00
13.12.2011, 12:43
Der kämpft nicht bloß gegen seine Partei,

Rumo von Zamonien
01
26.10.2011, 20:54
Happy Austritt.

Wäre ein wichtiger Schritt zu einer besser funktionierenden Europäischen Union.

Politisch unkorrekt
01
26.10.2011, 18:43
Dear Britons: WE WANT OUR MONEY BACK. Afterwards you can piss off - we need countries showing commitment and no hogie-bogies.

Zensi
01
26.10.2011, 18:42
Die Engländer sollen aus der EU austreten

Sie sind Querulanten, Eigenbrödler und suchen sich nur die Rosinen aus dem EU Kuchen. Wir brauchen sie nicht - das gilt z.B. aber auch - leider - für die Tschechen und Ungarn.

NONE
12
26.10.2011, 13:20

Die UK sind Verräter an der EU Sache.

Die EU gehört so oder so komplett reformiert, aber die UK gehören ausgeschlossen, rausgeworfen.

Im übrigen wissen die UK haargenau selbst was sie anrichten - das ist der Grund warum JEDE Abstimmung innerhalb der UK scheitern wird bezüglich des Austritts.

Nur ein sofortiger Rauswirf wird eine echte Lösung bringen.

Danach muss die EU komplett neu gegründet werden, es muss aber eine Teilung geben in eine Wirtschaftsunion mit GANZ KLAREN strikten Regeln, und eine politische Union.

Österreich sollte nur in der Wirtschaftsunion mitmachen. Einige Freiheiten wie Schengen sollten auch akzeptiert werden, aber ganz sicherlich nicht die Übergabe der Kontrolle an Brüssel.

Andreas Prucha
04
26.10.2011, 14:19

Eine "Wirtschaftsunion" ohne politischer Union kann nicht lange funktionieren. Die gegenseitige Konkurrenz ist letztendlich mit einer der Ursachen für die Probleme, die wir derzeit haben.

Das heisst nicht, dass alles aus Brüssel gesteurt werden soll. Es sollte aber Mindeststandards geben. Ich habe beispielsweise kein Verständnis für das irische Steuerdumping.

Rumo von Zamonien
03
26.10.2011, 13:05
Jetzt muss ich auch noch dem Sakozerl zustimmen...!

Diese Krise treibt die seltsamsten Blüten!

Gerda Soros
117
25.10.2011, 19:19
Liebe Briten, bitte tretet aus der EU aus!

Solange Ihr drinnen seid, bleibt die EU eine reine seelenlose und prinzipienlose Wirtschaftsgemeinschaft, die sich nicht weiterentwickeln kann. Ihr blockiert überall, wo es nur geht.
Also verzieht Euch besser heute als morgen!

Drago+
00
26.10.2011, 17:02

Ohne die Briten aber wäre die EU nicht viel anderes als ein deutsch-französisches Großreich, sozusagen eine Rekonstruktion des Frankenreichs. Und damit wäre die EU-Idee dann auch gescheitert.

badat
06
25.10.2011, 23:06
Gerda Soros
04
26.10.2011, 00:01

Danke. Das drückt wohl wirklich die destruktive britische Tendenz aus. Ich hätte die Briten wirklich am Liebsten aus Europa raus, nur den britischen Humor, besonders Monty Python, sollten sie uns lassen.

oblomow II
012
25.10.2011, 18:03
thatcher

und ihre epigonen vertraten immer die meinung, regeln behinderten die wirtschaft.
leider ist es nahezu ein naturgesetz, dass sich dieser unfug immer erst dann rächt, wenn die handelnden personen längst hinterm horizont der wirtschaftsgeschichte verschwunden sind ...

NONE
11
26.10.2011, 13:21

Thatcher ist eine Kriegsverbrecherin.

Sie hat den Krieg gegen die Falkland-Islands genutzt um zuhause auf einmal unpopuläre Massnahmen durchzusetzen.

Es ist immer so das ein "Krieg" Politiker auf einmal populär macht. 9/11 war hier die beste Inszenierung um Profite umzuverteilen - siehe die Sprengung von WTC 7.

oblomow II
10
26.10.2011, 16:14
mmmoooooment

... ganz so wars nicht.

soviel ich weiß haben die argentinischen armee diktatoren die falklands angegriffen.

actio reactio

net durcheinanderbringen

Ggg14
01
26.10.2011, 19:31

Das stimmt natürlich, aber es ist auch Tatsache, dass durch diesen Krieg jede Menge britische Soldaten gestorben sind. Für eine unbewohnte Insel mehrere Tausend Kilometer von GB entfernt.
Und es stimmt schon, dass das Thatcher genutzt hat, um in GB ziemlich ungustiöse Dinge duchzubringen.

_ricko_
10
26.10.2011, 22:32
unbewohnte insel? 2500 EW sind eine unbewohnte insel?

die argentinier, die unter der damaligen militärjunta im zuge einen populistischen kunstgriffs die insel besetzten wunderten sich, dass keine argentinier, sondern engländer die insel bewohnten, welche gar nicht errettet werden wollten.

selbstverständlich wurde diese zurückerobert

chaimele
09
25.10.2011, 17:16
ja, wenns net wollt´s, verlasst dieses ungewollte europa

da sich england ja so den usa verbunden fühlt, werdet ein bundesstaat und alles ist gut.

Rumo von Zamonien
00
26.10.2011, 13:03

Lange nicht gehört.... :-)

Warpsignatur
00
26.10.2011, 23:49

"our star-spangled union jack flutters so proud..."

chaimele
08
25.10.2011, 17:13
mein gott, dann geht´s doch endlich raus aus europa.

dieses herumgesudere ist lähmend. und wenn die briten lieber der verlängerte mastdarm der usa sind, dann bitt

smea_gol
11
25.10.2011, 17:02

Konservative Politiker sind ohnehin ein auslaufmodell und ein anzeichen dafür, dass die bevölkerung wenig grips hat.

Zweitgeist
00
26.10.2011, 10:41

wenn die rapid-fans glauben, dass die austria-anhänger alle vollkoffer sind, warum sollen dann die progressiven nicht die konservativen alle für fetzendeppat halten. das liegt halt in der natur des menschen.

neeeed
06
25.10.2011, 15:00
die waren doch von anfang an nicht wirklich dafür

ein "wir europa" kennen die engländer ja noch weniger als wir oder die deutschen usw.
die waren ja von anfang an nicht scharf auf dieses "projekt" - sie haben nur gewusst dass sie ihre finger im spiel haben müssen um was mitsagen zu können, aber eben nur im sinne englands und nicht von ganz europa
die 70 mrd. euro sind doch eh nix für die engländer, allein "die existenz" von isle of man kostet sie jährlich das x-fache davon, aber in dem fall ist es keine rede wert
ach, die sollen sich doch wirklich mal entscheiden, entweder europa oder usa oder -wirklich- autonom
aber das wäre ja kontraproduktiv wenn man überall seine finger im spiel haben muss

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