Entscheidung für Windpark sei nicht nachvollziehbar, Landschaft werde verunstaltet
Bozen - Im Fall des geplanten und heftig kritisierten Windparks am Brenner hat die Südtiroler Landesregierung am Montag grünes Licht gegeben - allerdings für eine abgespeckte Version. Laut Landeshauptmann Luis Durnwalder dürfen es nur mehr 19 Windräder sein, teilte er bei der Pressekonferenz nach der Regierungssitzung in Bozen mit. Vorgesehen waren ursprünglich 22 Windräder.
Durnwalder verwies darauf, dass dies ein Kompromiss zwischen der Notwendigkeit von Anlagen zur Produktion von Alternativenergie und dem Landschaftsschutz sei. Mit der neuen Anlage könnten 100 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich erzeugt werden. Dies sei vergleichbar mit dem Strombedarf des Wipptals.
Voraussetzung für die Realisierung seien allerdings einige Auflagen. So forderte die Landesregierung einen ökologischen Begleitbericht und einen Radar für den Vogelschutz. Damit soll der Flugverkehr der Vögel rechtzeitig erfasst und die Anlagen im Notfall abgeschaltet werden. Zudem dürfe es laut Landeshauptmann nur mehr eine Zufahrt zum Windpark geben.
Alpenvereine fürchten erhebliche Auswirkungen
Heftige Kritik haben die Alpenvereine aus Südtirol (AVS) und Österreich (OeAV) an dem positiven Bescheid der Südtiroler Landesregierung für den Windpark am Sattelberg am Brenner am Montag geübt. Die Entscheidung sei nicht nachvollziehbar, zumal der UVP-Beirat dermaßen erhebliche Auswirkungen auf Natur und Landschaft angekündigt habe, hieß es in einer Aussendung. Die Vereine fürchteten die Verunstaltung der Landschaft und die Vergrämung der Fauna.
"Es ist eine Entscheidung im Sinne unserer schönen Bergheimat zu treffen und die geplanten Anlagen auch im Sinne des negativen UVP-Gutachtens abzulehnen", hatte Georg Simeoni, AVS-Vorsitzender, noch vor der Regierungssitzung an die Politiker appelliert und auf die bereits geopferte Natur verwiesen. Trotz der Reduktion von 22 auf 19 Windräder würden die negativen Umweltauswirkungen rund um das Projekt "Sattelberg" erhalten bleiben. Die Zufahrtsstraße werde kilometerweise massiv ausgebaut bzw. neu gebaut, eine Hochspannungsleitung und weitere Infrastrukturanlagen müssten errichtet werden, hieß es vonseiten des AVS.
Alles tun, um Projekt zu verhindern
Gemeinsam mit dem OeAV und mit der Unterstützung der Partnervereine und -organisationen werde man mögliche rechtliche Schritte abwägen, um die Umsetzung des Projekts zu verhindern, kündigte der Alpenverein Südtirol an.
Negativ äußerten sich auch die Südtiroler Freiheitlichen. "Nun hat die Landesregierung also grünes Licht für einen großen Windpark am Brenner gegeben und somit dem Profit für Wenige dem Erhalt der Landschaft den Vortritt gegeben", meinte der Südtiroler FP-LAbg. Sigmar Stocker in einer Aussendung. Man habe das negative Urteil des Landesumweltbeirates vom 24. August nicht berücksichtigt. "Südtirol ist zu schön für Windräder und kann auf andere Prioritäten in der Energieproduktion setzen", fügte er hinzu. Berge und Täler seien seiner Meinung nach für Windräder nicht geeignet. (APA)