Reste einer 6.000 Jahre alten Siedlung gefunden

24. Oktober 2011, 20:25
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Auf der Baustelle für die neue S-Bahnhaltestelle wurde auch ein Schwertgrab aus der Spätbronzezeit freigelegt

Salzburg - Archäologen des Bundesdenkmalamtes haben in der Stadt Salzburg bei Ausgrabungen auf der Baustelle für die neue S-Bahnhaltestelle "Salzburg-Liefering" Reste einer 6.000 Jahre alten Siedlung entdeckt. Außerdem konnte erstmals in Salzburg ein Schwertgrab aus der Spätbronzezeit freigelegt werden. "Die Stadtteile Maxglan und Liefering gelten generell als geschichtsträchtiger Boden. Wir wurden in unserer Vermutung bestätigt, dass diese Gegend als landwirtschaftliche Fläche genutzt wurde. Überraschend waren für uns aber Funde aus einer steinzeitlichen Siedlung, wie zum Beispiel verschiedene Keramikfragmente", erklärte Peter Höglinger, Archäologe des Bundesdenkmalamtes Salzburg, bei der Präsentation der Fundstücke am Montag.

Anhand der Machart konnten die Fundstücke einer steinzeitlichen Kulturgruppe zugeteilt werden - der Münchshöfener Kultur. Die Menschen dieser nach einem Fundort in Niederbayern unweit von Regensburg benannten steinzeitlichen Kulturgruppe stellten in unserem Raum die frühesten Metallgeräte aus Kupfer her.

Schwertgrab

Außerdem entdeckten die Archäologen eine zweite, bisher völlig unbekannte Fundstelle. Dabei handelte es sich um einen Friedhof aus der Spätbronzezeit, und zwar aus dem 12. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. "Erstmals konnten wir in Salzburg ein sogenanntes Schwertgrab aus dieser Zeit freilegen, das wir auf dem mehr als zwei Kilometer langen Baufeld entdeckt haben. Dabei fanden wir eine Urne mit Spuren menschlicher Überreste. In der Urne befanden sich auch eine Art Trink- und Schöpfgefäß aus Ton sowie ein Schwert aus Bronze. Das Schwert deutet als Statussymbol darauf hin, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann aus der sozialen Oberschicht handelte. Insgesamt konnten wir zwei solcher Gräber freilegen. Brandbestattungen waren in der sogenannten Urnenfelderzeit üblich", so der Archäologe.

Rund 150 Einzelfunde wurden im Rahmen der Ausgrabungen freigelegt. Was mit den Fundstücken passiert, ist bisher noch nicht gänzlich entschieden. Seitens der ÖBB gibt es Überlegungen, eine Schautafel als Hinweis zu den archäologischen Funden direkt an der neuen Haltestelle zu platzieren. "Vielleicht werden die Fundstücke im Salzburg Museum ausgestellt", sagte Höglinger. Die neue Haltestelle der S-Bahn soll im Dezember 2013 eröffnet werden. (APA/red)

  • Peter Höglinger vom Bundesdenkmalamt (links) und ÖBB-Baumanager Marcus Jungwirth mit dem Bronzeschwert
    foto: öbb

    Peter Höglinger vom Bundesdenkmalamt (links) und ÖBB-Baumanager Marcus Jungwirth mit dem Bronzeschwert

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