Palmers wird verkauft, Tochter Lejaby droht Aus

24. Oktober 2011, 18:30
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Der Wäschekonzern Palmers wird verkauft. Freilich ohne den 2008 erworbenen französischen Dessous-Hersteller Lejaby

Der österreichische Wäschekonzern Palmers wird verkauft. Das haben die Mehrheitseigentümer – die Fonds Quadriga, 21 CP und die Wiener Lead Equities Mittelstandfinanzierungs AG – beschlossen. Und sie haben auch bereits die Investmentbanker der französischen BNP Paribas mit der Käufersuche beauftragt, wie DER STANDARD erfahren hat.

Nicht verkauft wird der französische Dessous-Hersteller Lejaby, den Palmers 2008 um 45 Millionen Euro erworben hat. Das Unternehmen musste restrukturiert werden, wegen Arbeitskämpfen vor Gericht verzögerte sich die kostspielige Sanierung um ein Jahr. Die Produktion wurde nach Tunesien verlagert – die politischen Unruhen dort führten zu "katastrophalen" Lieferverzögerungen, wie es heißt.

Wien – Ein stürmischer Herbst ist beim Palmers Konzern angesagt. Im Netz des Wäsche-Unternehmens, dessen Dach die Wiener Palmers Lejaby Holding GmbH ist, sind spätestens seit dem Kauf der französischen Lejaby-Gruppe im März 2008 Riesenlöcher entstanden, die nicht zu stopfen sind.

Nun stellen die Mehrheitseigentümer, der Fonds Quadriga (hält rund 55 Prozent), der französische Fonds 21 CP (rund 22 Prozent) und die Wiener Lead Equities Mittelstandsfinanzierungs AG (rund 18 Prozent), das Unternehmen selbst in die Auslage. Sie wollen Palmers verkaufen. Wie der Standard erfahren hat, wurden bereits die Investmentbanker der französischen BNP Paribas mit dem entsprechenden Auftrag zur Käufersuche betraut. Sie haben ein Memorandum erarbeitet und an potenzielle Interessenten ausgeschickt – an Wäschebranchen-Kollegen wie Intimissimi oder Victoria's Secret.

Sargnagel Lejaby

Sie würden sich mit Palmers vor allem ein großes Vertriebsnetz von rund 300 Filialen sichern. Der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2010/2011 (lief bis Ende Jänner) lag bei 162 Mio. Euro, um fünf Prozent weniger als im Jahr davor. Die Palmers Textil AG allein trug 76,4 Mio. Euro dazu bei; wobei 64,8 Mio. auf Österreich entfielen.

Nicht verkauft wird die Lejaby-Gruppe. Der Kauf des französischen Herstellers von Dessous und Bademoden etwa der Marken Rasurel und Elixir hat Palmers einst rund 45 Mio. Euro gekostet, und jede Menge Probleme gebracht. Noch heute wird mit dem US-Verkäufer Warnaco auf Knall und Fall gestritten: Die Lejaby-Käufer fühlen sich übervorteilt, behaupten, der Preis sei überhöht gewesen. In Frankreich folgte zudem ein Debakel dem anderen.

Zwar investierten die Palmers-Eigner jede Menge Geld in den renommierten Marken-Hersteller, die Umsetzung ihrer Restrukturierungspläne geriet aber beinah zum Fiasko. Die Schließung von drei Fabriken und der Mitarbeiterabbau gerieten zum veritablen, vor Gericht ausgefochtenen Arbeitskampf, erst im Oktober 2011 konnten die neuen Aktionäre ihre Pläne umsetzen.

Inzwischen sind drei der vier französischen Fabriken geschlossen, rund 200 Mitarbeiter wurden abgebaut. Doch selbst die Verlagerung der Produktion nach Tunesien brachte wenig Fortune. Statt Kosten zu sparen, entstanden neue: Der politischen Unruhen wegen wurde monatelang nicht produziert. Lieferausfälle mit "katastrophalen Auswirkungen" (ein Informierter) waren die Folge. Dass der wichtige Absatzmarkt Frankreich stark nachgelassen hat, kommt erschwerend dazu.

All das hat dem aus rund 20 Gesellschaften bestehenden Konzern jede Menge Laufmaschen beschert. Zwar ist das einstige Familien-Paradeunternehmen Österreichs im Vorjahr operativ in die Gewinnzone gekommen, die Restrukturierungskosten und Firmenwert-Berichtigungen haben die Bilanz aber erneut kräftig durchgebeutelt.

Hosen runter in Frankreich

Das Jahresergebnis sank von minus fünf auf minus 15 Mio. Euro, das Eigenkapital von 27 auf elf Mio. Euro, der Bilanzverlust stieg von 24 Mio. auf 39 Mio. Euro. "Leitbetrieb" des Konzerns ist die Palmers Textil AG – ihre Aktien und die der Palmers P2 Kosmetik GmbH (und die Markenrechte darauf) sind seit dem Einstieg der Fonds bei Palmers im Jahr 2004 verpfändet. Und zwar an die Investkredit (ÖVAG), die den Deal 2004 finanzierte. Ihr schuldet die Palmers Lejaby Holding heute noch rund 9,7 Mio. Euro.

Während Palmers-nahe Involvierte zweckoptimistisch annehmen, dass der Verkauf "rasch über die Bühne geht", schaut es für die französische Lejaby-Gruppe sehr düster aus. Das Management in Frankreich wird am Mittwoch über das Schicksal des Dessous-Erzeugers entscheiden.

Dass das Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern diese Entscheidung überlebt, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn schon jetzt steht fest, dass die Eigentümer aus Österreich kein Geld mehr nachschießen werden. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.10.2011)

  • Jetzt wird Palmers selbst in die Auslage gestellt - ohne französische 
Tochter Lejaby, die eine finale Laufmasche verunziert.
    foto: standard/matthias cremer

    Jetzt wird Palmers selbst in die Auslage gestellt - ohne französische Tochter Lejaby, die eine finale Laufmasche verunziert.

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