Kommentar von András Szigetvari

Staat soll Aktionär werden

Kommentar | András Szigetvari , 24. Oktober 2011, 18:47

Die EU-Regierungschefs einigten sich, Banken mit bis zu 108 Milliarden Euro Steuergeld zu stützen

Was werden die Steuerzahler dafür bekommen, wenn sie wieder mit Milliarden ausrücken, um strauchelnde Banken aufzufangen? In den Debatten über die anstehende Rettungsaktion für europäische Großbanken ist diese zentrale Frage bisher ausgeklammert worden. Die EU-Regierungschefs haben sich darauf geeinigt, schwächelnde Banken mit bis zu 108 Milliarden Euro Steuergeld zu stützen. Nun wird darüber gestritten, ob das ausreicht und ob zuerst der Eurorettungsschirm oder die Regierungen eingreifen sollen. Wenn es aber darum geht zu erfahren, was die Banken tun müssen, um gerettet zu werden, herrscht großes Schweigen.

In erster Linie sind private Investoren gefragt, Kreditinstitute mit mehr Kapital auszustatten. Angesichts des Absturzes von Bankaktien in den vergangenen Wochen wird ihr Interesse aber bescheiden ausfallen. Ohne Steuergelder wird die Löschaktion also nicht ablaufen können. Die auf EU-Ebene getroffene Entscheidung ist dennoch richtig: Niemand hat etwas davon, wenn Geldhäuser reihenweise einstürzen. Entscheidend ist es aber, dafür zu sorgen, dass der Staat diesmal nicht nur Risiken aufgebürdet bekommt, sondern dass im Gegenzug der Steuerzahler Miteigentümer der von ihm gestützten Geldhäuser wird.

Bei den letzten Bankenrettungen war ein anderer Weg gewählt worden. In den USA wie Europa wurden unzählige Institute gestützt, ohne dass die öffentliche Hand dafür stimmberechtigte Aktien erhalten hätte. Exemplarisch der Fall Österreich: Erste, Raiffeisen, Volksbanken und Bawag erhielten 4,5 Milliarden Euro Partizipationskapital. Die Republik verlangte dafür weder Eigentums- noch Mitspracherechte. Wenn Erste-Aktien an Wert gewinnen, schneiden die Bürger nicht mit. Das Finanzministerium verkauft die Aktion trotzdem als Erfolg: Die Banken zahlen schließlich acht bis 9,3 Prozent Zinsen; allerdings nur, wenn die Kreditinstitute Gewinne erwirtschaften. Nebenbei: Welcher Privatinvestor wäre am Höhepunkt der Krise bereit gewesen, den Banken zu solchen Konditionen Kapital zu geben?

Kritiker wenden an dieser Stelle ein, dass die öffentliche Hand ein schlechter Eigentümer sei. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren zahllose Landesbanken umgefallen. Aber spätestens die Finanzkrise hat eindrucksvoll belegt, dass auch Privatbanken in großem Stil floppen können. Außerdem geht es nicht um unbegrenzte Eingriffe: Der Staat sollte seine Anteile nur halten, bis der Sektor stabilisiert ist und er sie lukrativ verkaufen kann.

Es ist merkwürdig, die Frage von Bankenhilfen auf dogmatischer Ebene zu diskutieren: Es ist schlicht marktwirtschaftliches Prinzip, dass derjenige, der zahlt, auch anschafft. Finanzministerin Maria Fekter sieht das anders: Sie hat gerade bekannt, nichts von Verstaatlichungen zu halten, "der Staat ist im Allgemeinen kein guter Unternehmer und schon überhaupt kein guter Banker". Dass gerade eine Finanzministerin auf Einflussnahme verzichten will, wenn sie doch Geld gegeben hat, ist kein beruhigendes Zeichen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.10.2011)

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Fürst Robert
03
25.10.2011, 18:12
Bankenhilfe

Fekter folgt streng dem parteipolitischen Dogma.
Ist ein Dogma aber auch intellegent?
Die Briten und die Schweizer haben es bereits mit Erfolg vorgemacht: Geld gibt es nur gegen Mitbestimmung wie für jeden anderen Aktionär auch!
Der Staat braucht ja deswegen nicht im täglichen operativen Geschäft mitmischen. Das kann er nämlich wirklich schlechter, wie die Erfahrung lehrt. Aber er gefälligst den Ordnungsrahmen verantwortungsbewusst und vernünftig vorzugeben!
Es geht nicht an, dass die Politik quasi am Gängelband der Banken hängt, insbesondere wenn die Geschäfte der Banken überregional sind und mögliche Risken unkalkulierbar werden.
Merke: Österreichische Politik erfordert derzeit mehr als die nur die Führung einer Schottergrube!

keep cool1
 
20
25.10.2011, 19:34

Umgekehrt sollten die Banken nicht am Gängelband der Politik hängen. Die Erfahrung zeigt, dass der Staat ein schlechter Unternehmer ist. Doch wer zahlt, hat grundsätzlich auch Mitsprache- und Kontrollrechte! Denn er übernimmt eine hohe Verantwortung für das Geld der Steuerzahler!

Andreas Prucha
01
4.11.2011, 20:11

Das kann schon sein, dass Staaten schlechtere Unernehmer sind - aber Unternehmen sind extrem schlechte Volkswirtschaftler. Was für den Einzelnen gut ist, muss noch lange nicht für die Allgemeinheit (= Summe der Bürger und Unternehmen) gut sein.

Warentester
01
26.10.2011, 01:05

Verzeihung aber das ist doch nur Blabla. Es waren vor allen Private Untenehmen die in letzter Zeit abgewirtschaftet haben, und es gibt auch genug Beispiele für staatliche Untenehmen die funktionieren. Das Problem ist nur wenn die Politik die staatl. Unternehmen zu geschützten Günstlingswerkstätten macht.
Wobei das trifft hier ohnedies nicht zu. Das der Staat zum Unternehmer wird steht ja gar nicht zur Debatte, sondern das er Investor wird. Und das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Vor allen da er sich ja wieder zurückziehen soll, wenn das Werkl einigermaßen läuft.
Aber nur zahlen und nix zu reden haben, nur bei den Verlusten mit drinnen hängen, aber nicht bei den Gewinnen: Das kann's ja wohl nicht sein.

keep cool1
 
00
30.10.2011, 02:12

Nennen sie mir doch bitte ein paar positive Beispiele in Ö, wo staatliche oder staatlich geschützte UN gut funktionieren! Ich kenne keine!

Warentester
00
30.10.2011, 03:02

Wie gesagt, hier geht es um einen Status als Investor, nicht als Unternehmensführer (das war der große Fehler der Verstaatlichten). Beispiele: OMV, frühe Voest, Austria Tabak, diverse Energierzeuger (auch wenn man ihre Praktiken nicht gutheißen will, aber die Bilanz stimmt meistens), etc.

keep cool1
 
00
31.10.2011, 18:58
Keine so guten Beispiele und andere.......

Die verstaatlichte VOEST in den 70-80er Jahren und drüber hinaus ein Mrd-Grab, detto die AUA, Austria Tabak - ein Monopolist und Selbstbedienungsladen für Privilegien und Vetternwirtschaft ähnlich Noten-/Nationalbanken, Flughafen Wien mit Skylink ein Netzwerk der Inkompetenz mit € 700 Mrd Baukosten- und 5 Jahre Terminüberschreitung, ÖBB ein Mrd Moloch mit Korruption, Inkompetenz, Privilegien auf Kosten der Steuerzahler.
Die diversen Energieversorger meist ländergesteuerte Oligarchen jenseits von echtem Wettbewerb. OMV erst seit Privatisierung erfolgreich, die Hypobanken als Spielwiese korrupter Landespolitiker uvm....

Warentester
01
31.10.2011, 20:19

Bitte lesen Sie meine Postings. Ich habe nie behauptet das die Unternehmen 100% in Staatsbesitz gehören, aber das war auch hier auch nie angedacht. Nur, der Staat als Anteilseigner funktioniert durchaus, siehe VOEST nach Sanierung bis zur Privatisierung oder siehe OMV nach Sanierung bis heute.

keep cool1
 
00
2.11.2011, 17:52

Wenn Staat/Länder wirklich nur als kritische Aktionäre im Sinne positiver Veranlagung von Steuerzahler-Geld agieren - sowie Beteiligungen nicht mit politischer Einmischung, Spielwiese für Günstlingswirtschaft und Korruption wie Skylink missbrauchen - stimme ich ihren Argumenten zu!

Fandango
00
29.10.2011, 14:45

die hypo Alpe adria ....

Warentester
00
30.10.2011, 03:05

Die ging auch erst so richtig Südwärts, als sie rein privat war. Und vergessen wir nicht, die Verstaatlichung wurde hauptsächlich durchgeführt, damit die ÖVP ein paar ihrer Freunde aus der Privatwirtschaft mit Steurergeld raushauen kann.

Außerdem kann ich Ihnen für jedes staatlich Unternehmen das pleite ging zwei private nennen, die es um nichts besser gemacht haben.

Fandango
00
30.10.2011, 09:53
"Außerdem kann ich Ihnen für jedes staatlich Unternehmen das pleite ging zwei private nennen, die es um nichts besser gemacht haben"

kein wunder gibts auch 100000 mal mehr private unternehmen als staatliche.

das unternehmen pleite gehen liegt in der natur der sache.

Ich denke auch, dass in NIchtbananenrepubliken dies auch funktionieren kann, dass der Staat eigentümer ist aber sich NICHT einmischt und die Besetzung der Geschäftsleitung aus rein objektiven Gründen vornimmt.
Die vergangenheit wie auch die gegenwart zeigt uns in österr. aber ein anderes bild:
bsp gefällig: VOEST, AUA, Flughafen Wien, Hypo und zu guter letzt die ÖBB (die auch nicht funktioniert)

Das Problem ist, dass hiesige Politiker entscheidungen nicht auf wirtschaftlicher Basis sondern aus politischem Kalkül treffen. Mitarbeiter werden auf allen ebenen reingedrückt um den machtanspruch zu vertreten.

Warentester
00
30.10.2011, 23:26

"Ich denke auch, dass in NIchtbananenrepubliken dies auch funktionieren kann, dass der Staat eigentümer ist aber sich NICHT einmischt und die Besetzung der Geschäftsleitung aus rein objektiven Gründen vornimmt."

Genau das meinte ich mit Unternehmer (der Staat mischt sich operativ ein) vs. Investor (der Staat kontrolliert und partizipiert). Wobei in Österreich (auch anderswo) das Problem besteht, dass auch einige offiziell private Unternehmen mit der Politik so eng verwoben sind, dass es zu unerwünschten Einflussnahme kommt.

Ignatius von Stein
10
25.10.2011, 16:04
...

Lieber Autor dieser Zeilen, beunrihigned finde ich ausschließlich, wie sich linke Ideologen andauernd wieder dem Prinzip der Verstaatlichung zuwenden möchten.... das ist grauslich ... die Geschichte hat uns gelehrt, daß der Staats ein katastrophaler Unternehmer ist, der in sich einfach nicht als solcher funktionert und die Politik größten Wappler in einflußreiche Positionen bringt.... Also bitte um ein bisserl intelligentere Lösungen in ihrem Artikel ..... der war gaga!

daskleineichbinich131
00
25.10.2011, 14:09
Bin zwar

kein Aktionär, aber zu "Die Banken zahlen schließlich acht bis 9,3 Prozent Zinsen; allerdings nur, wenn die Kreditinstitute Gewinne erwirtschaften." -> als Aktionär kriegt man doch auch nur was wenn das unternehmen Gewinne erzielt??
Und wenn nicht, dann ist das investierte geld flöten...
Also mir wäre es ganz recht, wenn mit meinen Steuern, keine solchen Risikopatienten, wie diese Banken gepflegt werden würden
LG

Fandango
00
30.10.2011, 09:56

was die meisten nicht behirnen, dass das PS Kapital sowieso in eine beteiligung umgewandelt wird, wenn die Banken das Geld nicht zurückzahlen können.

Andreas Prucha
00
4.11.2011, 20:14

Das sieht die Vereinbarung so vor. Nur die Schotter-Mizzi wehrt sich seltsamerweise dagegen, das auch so umzusetzen.

Fandango
00
5.11.2011, 17:37

ich dachte bis 2018 ?

ma ze
43
25.10.2011, 12:54
Ungut.

Skandalunternehmen Nummer eins in Österreich sind aber die ÖBB. 43.000 Eisenbahner machen weniger Umsatz als die schweizerische SBB – mit 28.000. Dafür gehen die Österreicher zehn Jahre früher in Pension. Als Dank für all die Privilegien wählen Eisenbahner traditionell (zu über neunzig Prozent) die SPÖ. Zählt man die 220.000 Pensionisten noch dazu, kommt man auf über eine viertel Million Wähler, auf die die Spin-Doktoren zählen können. Bei 1,4 Millionen Stimmen für die SPÖ (2008) immerhin fast ein Fünftel.

-joB
02
25.10.2011, 14:05
Und: warum die Ablenkung?

Bleiben wir bei den Banken:
Wenn eine Bank (als börsennotierte Aktiengesellschaft) in Schwierigkeiten kommt und der Wert der Aktien auf ein sagen wir Fünftel der Nominale sinkt, was spräche dagegen, dass der Staat diese Aktien oder einen Teil davon ersteht?
Wär nur ein Beweis guten Wirtschaftens!

Fandango
00
30.10.2011, 10:03

Grundsätzlich - in einem zivilsierten Land - wäre dagegen nichts einzuwenden.

Die Schweizer haben das bei der UBS vorgemacht und 2 Mrd Franken gewinn gemacht.

Wir sind aber nicht die Schweizer, bei uns würde schon ein roter und ein schwarzer unnützer Manager in jeder Bank im Vorstand sitzen und befehle exekutieren, die ihnen der Boulevard zuruft.

Das funktioniert in österreich nicht, daher sollten wird das bleiben lassen.

Der Flughafen Wien ist doch das beste beispiel, wie sich Rot und schwarz gebärden, wenn sie irgendwo beteiligt sind.

Btw: sollte die ÖVAG, BAWAG und Co das PS Kapital nicht zurückzahlen können, dann gehört der Laden sowie dem Staat.

Aber woher kommt der plötzliche Wunsch, der staat soll beginnen zu zocken ... ts ts

-joB
27
25.10.2011, 13:40
Richtig ins Trudeln gekommen sind die ÖBB in der schwarz-blauen Ära!

Fandango
00
30.10.2011, 09:58

bla bla bla ... die öbb war bis 2000 ein vorzeige unternehmen und jetzt sind sie ein notpatient.

das Werner Faymann und Doris Bures seit genauso langer Zeit die ÖBB unter ihrem einfluss hat und die ÖBB vorher gefühlte 300 Jahre durch rote Manager geführt wurde wird komplett ausgeblendet.

ma ze
40
25.10.2011, 12:55
Wobei:

Es bezahlt dieses Füllhorn für die SP-Wählerbasis (wieder einmal) nicht die SPÖ selbst, sondern der Bürger. Sechs Milliarden erhält das rote Fass ohne Boden pro Jahr aus öffentlichen Mitteln, alleine zwei Milliarden gehen an die Pensionisten. Da wirken ein paar Millionen, die man an SPÖ-Werbeblätter überweisen musste, geradezu wie eine Okkasion. Zusammengezählt bekamen unsere Eisenbahner seit dem Jahr 1955 (inklusive Zinsen) weit über 200 Milliarden Euro. Österreichs Schuldenstand 2011: 215 Milliarden und ein paar Zerquetschte. Da hilft nur noch der Konkurs. Soviel privat wie möglich und so schnell wie leistbar. Notfalls sollen private Busse Liniendienste übernehmen. Und wenn die inserieren, dann für Kunden - nicht zum Wählerfang.

FEINBEIN
11
25.10.2011, 16:41
ÖBB SCHULDEN?

Dahinter stehen Millionenaufträge des Staates an österreichische Firmen. Ca 400 tausend direkte bzw indirekte Arbeitsplätze in unterschiedlichen privaten Firmen sind davon betroffen. Da sich der Staat, also wir, dies nicht selbst ins Schuldenbuch schreibt, verbuchen wir diese "Subventionen an Dritte" bei den ÖBB. Und selbst wenn alle ÖBBler inkl. Pensionisten des Landes verwiesen werden, kostet uns der Bau von Tunnels, Infrastruktur, Lokomotiven bis hin zum Fahrplanaushang Milliarden. Nicht die Eisenbahner verursachen das, sondern es profitieren andere Arbeitnehmer auch. Also wieder mal wir alle. Und ist das schlecht? Das der Schlosser dadurch sein Brot beim örtlichen Bäcker kauft, wo die Frau seines Freundes arbeitet? usw usw

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