"Umweltschutz und Wirtschaft gehören verheiratet", erklärt Umweltschutz-Kommissar Janez Potoènik und meint, dass daraus eine Win-win-Situation entstehen könne
"Umweltschutz und Wirtschaft gehören verheiratet", erklärt
Umweltschutz-Kommissar Janez Potoènik und meint, dass daraus eine
Win-win-Situation entstehen könne. Dabei muss er stark auf
Bewusstseinsbildung setzen.
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Wien - Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will die EU-Kommission in den nächsten Jahren wirtschaftliche Aktivitäten begrünen. "Wir wollen ein ressourcenschonendes Europa entwickeln", sagte der zuständige EU-Umweltkommissar Janez Potocnik am Rande einer Konferenz über Biodiversivität in Wien. Dazu würden nun Anreize geschaffen, die auf energieeffiziente, ressourcenschonende Produktion und Verbrauch abzielen.
Ziel müsse sein, dass es zu einer "Verheiratung von Wirtschaft und Umwelt" komme. Und dass dem Konsumenten klar werde, wie sehr er durch Kauf oder Nichtkauf Dinge beeinflusse, erläuterte der Kommissar.
Bisher sind Vorhaben dieser Art kläglich gescheitert. Das europäische Ziel, Biodiversität zu erhalten und ihren Rückgang bis zum Jahr 2010 zu stoppen, wurde auf allen Linien verfehlt: Sowohl beim Arten- als auch beim Lebensraumschutz kam es zu Verlusten. 50 Prozent der Feuchtgebiete Europas sind bereits verschwunden, 88 Prozent der Fischbestände sind mehr als ausgebeutet und 30 Prozent der Vögel gefährdet.
Der wichtigste Grund für den Biodiversitätsverlust sei der ständig steigende Ressourcenverbrauch unserer Gesellschaft, führte Potocnik aus. China habe das Problem exzessiver Ressourcennutzung bereits erkannt und in seinen Jahresplänen den Schutz der Umwelt aufgenommen.
Den Wirtschaftsunternehmen müsse klar werden, dass sie mit endlichen Ressourcen hantieren: Bei Rohstoffen und Energie ist die EU in hohem Maße von Importen abhängig. Bei Wasser, Luft, Böden geht es um Güter, die für die Allgemeinheit auch in Zukunft geschützt werden müssen. Die Besteuerung weg vom Faktor Arbeit hin zu Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch, das wahrscheinlich wichtigste wirtschaftspolitische Instrument, mit dem Wirtschaft und Gesellschaft ein ökologischeres Handeln aufgezwungen werden kann. Bis 2013 soll ein Fahrplan für ein ressourcenschonendes Wirtschaftswachstum stehen.
Entkoppelung
Je früher sich Unternehmen auf dem Markt für "grüne" Technologien und Produkte positionieren, umso größer seien die Chancen, führte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP) aus. In Österreich gebe es das Ziel, bis 2020 um 50 Prozent weniger Ressourcen zu verbrauchen als im Vergleichsjahr 2008. "Grüne Technologie" sei der wichtigste Markt der Zukunft.
Um Verschwendung Herr zu werden, muss in der EU in drei Bereichen angesetzt werden: Lebensmittel, Gebäude und Mobilität. Auf diese drei Sektoren entfallen nach Angaben der EU-Kommission nämlich 70 bis 80 Prozent aller Umweltbelastungen. Um etwa den enormen Berg an Lebensmitteln abzutragen, der täglich in der EU weggeworfen wird, will Potocnik, dass in Kampagnen bewusst gemacht wird, dass das Problem der Konsument selbst in der Hand hat. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.10.2011)