"Forschung hat in Österreich einen viel zu geringen Stellenwert"

24. Oktober 2011, 16:24

ÖAW-Präsident Denk sieht Annäherung zwischen Unis und außeruniversitären Einrichtungen - Ehrenmitgliedschaft der Gesamtakademie an Walter Kohn

Wien - Eine Annäherung zwischen Universitäten und außeruniversitärer Forschung ortet der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Helmut Denk. Immer häufiger würden gemeinsam Ressourcen und Infrastruktur genutzt, es gehe nicht um ein "oder", sondern um ein "und" von universitärer und außeruniversitärer Forschung, sagte Denk im Gespräch. Die ÖAW veranstaltete am Montag ein Symposium über die Rolle der außeruniversitären Forschung im Wissenschaftssystem eines Landes, zu dessen Beginn Chemie-Nobelpreisträger Walter Kohn die Ehrenmitgliedschaft der Gesamtakademie überreicht wurde.

"Streben nach Exzellenz"

Gemeinsam sei sowohl Unis als auch außeruniversitären Forschungsinstitutionen "das Streben nach Exzellenz". In den Aufgaben sieht Denk aber doch erhebliche Unterschiede: Die Unis müssten - auch aufgrund ihrer Ausbildungsfunktion - "breit angelegt sein". Zudem koste die Lehre "sehr viel Zeit, wenn sie gut gemacht ist", und es gebe immer noch viel Bürokratie. Dagegen habe die außeruniversitäre Forschung die Aufgabe, in die Tiefe zu gehen, "ich würde das als Tiefbohrung bezeichnen". Sie könne sich weiters auf spezielle risikoreiche Forschung konzentrieren, und auf sehr lange dauernde Vorhaben.

Solche Vorteile sind wohl auch wesentlich für die wissenschaftlichen Erfolge von außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland oder dem Weizmann-Institut in Israel. In Österreich war die Situation für diesen Bereich in den vergangenen Jahren unterschiedlich. Einerseits wurden Spitzeneinrichtungen wie das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der ÖAW aufgebaut oder das Institute of Science and Technology (IST) Austria gegründet. Auf der anderen Seite hat die ÖAW seit Jahren immer wieder mit Budgetknappheit zu kämpfen und kleineren außeruniversitären Forschungseinrichtungen wurde im Vorjahr vom Wissenschaftsministerium die bisherige Förderung gestrichen.

Mangelnde Fairness

Denk wirkt angesichts dieser Situation pragmatisch: "Ich könnte nicht sagen, dass diese Budgetrestriktionen uns helfen, aber auf der anderen Seite müssen wir uns auch nach der Decke strecken und können diese Situation dazu nutzen, uns zu analysieren und uns neu aufzustellen." Für die Forscher der Akademie sei es allerdings "ein bisschen unfair", von ihnen zu verlangen, "international in der ersten Liga auf Augenhöhe mitzuspielen, sie aber nicht in gleichem Maße zu fördern".

Für die Akademie, die derzeit in den abschließenden Verhandlungen mit dem Wissenschaftsministerium über die erste Leistungsvereinbarung für die Jahre 2012 bis 2014 steht, macht Denk klar, "dass wir schrumpfen müssen". Der ÖAW-Präsident kann dem aber "einen gewissen positiven Effekt" abgewinnen: "Weil wir uns fragen müssen, was wir halten müssen, um international mitspielen zu können, und was wir uns nicht mehr leisten können." Bei jenen Bereichen, "wo wir keine Chance haben, diese schwerpunktmäßig zu entwickeln", gebe es mehrere Möglichkeiten von der Verkleinerung bis zur Schließung oder der Angliederung an Universitäten - wie das übrigens auch schon bei mehreren von der Förderkürzung betroffenen außeruniversitären Forschungseinrichtungen gemacht wurde.

Dass die außeruniversitäre Forschung in Österreich einen anderen Stellenwert als im Ausland hat, glaubt Denk nicht. "In Österreich hat die Forschung einen viel zu geringen Stellenwert, gleich welcher Art und Institution."

Ehrenmitgliedschaft an Kohn

Zum Auftakt des Symposiums wurde dem in Österreich geborenen und von den Nazis aus seiner Heimat vertriebenen Chemie-Nobelpreisträger Walter Kohn die bereits im Mai zuerkannte Ehrenmitgliedschaft der Gesamtakademie persönlich per Dekret überreicht. Kohn wurde am 9. März 1923 in Wien geboren. 1939 - drei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges - gelang ihm gemeinsam mit seiner Schwester Minna über einen sogenannten Kindertransport die Flucht aus Österreich.

Nach seiner Vertreibung aus Österreich verschlug es ihn über Umwege an die Harvard University (US-Bundesstaat Massachusetts), wo er sein Doktorat machte. Die weitere wissenschaftliche Laufbahn führte ihn nach Pittsburgh, Kopenhagen, Paris, San Diego und schließlich nach Santa Barbara, wo er von 1979 an Direktor des renommierten Institute of Theoretical Physics an der University of California war. 1998 wurde er für seine "Dichte-Funktionaltheorie" mit dem Nobelpreis bedacht. (APA)

Mus musculus
01
4.11.2011, 19:02

warum hat forschung in oesterreich einen im vergleich zu so manch anderen laendern innerhalb der EU diesen geringen stellenwert? ich hab oft den einruck dass es sogar sowas wie einen gesellschaftlichen konsens gibt der da lautet: sowas brauch ma ned. dies gilt insbesondere fuer akademische/universitaere forschung. wissen zu erwerben scheint im allgemeinen kein besonders erstrebenswertes ziel. ich kann mich daran erinnern dass man als student das letzte war, ein schmarotzer, ein notweniges uebel - aber sobald man den titel in der tasche hatte dann hiess es ueberall nur herr doktor hier und herr doktor da, aber nicht des wissens halber. warum ist oesterreich in dieser hinsicht nur so rueckstaendig? um antwort wird gebeten.

sheldon cooper
00
11.11.2011, 01:36

da könntens wohl eine Dissertation drüber schreiben...

Nutze den Tag
10
2.11.2011, 15:56
An allen Unis wird geforscht auf Deibl komm raus.

Allerdings meist in Kleinstgruppen an zu großen Themen die gerade en vough sind.
Diese Forschung ist leider oft nur ineffizient.

##V+##
02
5.11.2011, 07:59
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sheldon cooper
00
26.10.2011, 04:29

bitte nochmal den positiven effekt einer budgetkuerzung zu erklaeren?!?

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