"Viele Mieter wollen jetzt kurzfristigere Verträge"

25. Oktober 2011, 11:37
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    foto: otto immobilien

    "Unternehmen versuchen derzeit ihren Standort zu halten, denn ein Umzug ist immer mit Kosten verbunden", so Brita Hombrecher.

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    Bürogebäude außerhalb des Zentrums brauchen ein Alleinstellungsmerkmal, um auf dem Markt reüssieren zu können, sagt die Spezialistin. Im Bild zu sehen: der Marximum-Bürokomplex in Wien-Simmering.

Immobilienmanagerin Brita Hombrecher über Wiener Toplagen und die positive Stimmung in der Branche trotz aufziehender Gewitterwolken

Immobilienmanagerin Brita Hombrecher spricht über den exklusiven Adressatenkreis für Wiener Toplagen und die positive Stimmung in der Branche trotz aufziehender Gewitterwolken. Markus Böhm hat nachgefragt.

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STANDARD: Welche speziellen Aufgaben muss ein gewerblicher Immobilienmanager übernehmen?

Hombrecher: Neben den "normalen" Tätigkeiten, also Mieten einzuheben, Gebäude zu erhalten und vorausschauend zu bewirtschaften - kurz: für Mieterzufriedenheit zu sorgen - kommt dem gewerblichen Immobilienmanager immer mehr die Rolle des Vermittlers zwischen Eigentümer und Mieter zu. Er hat die Botschaften in beide Richtungen zu transportieren und ist vor Ort "Augen und Ohren für den Eigentümer".

STANDARD: Mit welchen speziellen Herausforderungen haben Sie es am österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt zu tun?

Hombrecher: Es besteht ein großes Potenzial für die professionelle externe Gebäudebewirtschaftung, da viele - auch große - Unternehmen ihre Liegenschaften noch immer selbst verwalten und das Know-how von externen spezialisierten Objektmanagern noch zu wenig nützen.

STANDARD: Was kann ein externer, spezialisierter Objektmanager besser machen?

Hombrecher: Externe Objektmanager sind hochqualifizierte Personen, die dieses Gewerbe erlernt haben und sich laufend weiterbilden. Sie haben einen anderen Blickwinkel, für sie steht das Objekt und nicht etwa Persönliches im Vordergrund.

STANDARD: Angenommen, jemand sucht ein Geschäftslokal in bester Lage in Wien, wie sollte er vorgehen?

Hombrecher: Da dieser sehr spezielle Teilmarkt sehr eng ist und sehr viele Transaktionen gar nicht am offiziellen Markt stattfinden, sollte man spezialisierte Makler für dieses Segment beauftragen und im Falle eines passenden Angebotes rasch entscheiden.

STANDARD: Wo finden diese Transaktionen dann statt, wenn nicht am offiziellen Markt?

Hombrecher: Der offizielle oder besser gesagt der öffentliche Markt mit hoher Publizität besteht im engeren Sinn aus den Print- und Onlinemedien. Top-Locations, beispielsweise Geschäftslokale in den prominenten Lagen der Wiener Innenstadt, haben einen ziemlich eingeschränkten Adressatenkreis.

STANDARD: Ein sogenannter "enger Teilmarkt", wie Sie vorher erwähnten.

Hombrecher: Genau. An diesen Standorten ist das Angebot sehr klein, gleichzeitig ist die Nachfrage vieler Unternehmen, dort Fuß zu fassen, groß. Die damit verbundenen Erfordernisse und Bedürfnisse dieses exklusiven Kundenkreises sind aufgrund langjähriger Erfahrung zumeist nur Spezialisten in diesem Segment bekannt. Sie sind daher besser in der Lage, ihren vorgemerkten Kunden binnen kürzester Zeit konkrete Angebote zu einem derartigen Standort zu machen. Unsere Erfahrung zeigt: Sowohl Vermieter als auch Mieter in diesem Bereich legen auf höchste Vertraulichkeit Wert, weshalb man diese Angebote vermutlich nicht in Medien finden wird, bevor sie vermietet sind.

STANDARD: Wie wirkt sich die Eurokrise auf das Gewerbeimmobilienmanagement aus?

Hombrecher: Viele Mieter haben - nicht nur angesichts der Wirtschaftskrise - eine verstärkte Kostensensibilität entwickelt und wollen die Kosten transparent dargestellt haben. Es wird mehr Flächeneffizienz gefordert, aber auch nachhaltig niedrige Betriebskosten. Daneben versuchen manche Unternehmer ihre Kostensituation zu verbessern, indem sie Flächen verkleinern. Gleichzeitig versuchen sie den Standort zu halten. Denn Umzüge sind immer schwierig und verursachen den Unternehmen Kosten. Weiters führt die Unsicherheit auf den Finanzmärkten auch dazu, dass kaum Umzugsentscheidungen getroffen werden bzw. der Entscheidungsprozess sehr lange dauert. Wenn es zum Abschluss kommt, wollen viele Mieter keine langfristigen Verträge eingehen, sondern vielmehr die Möglichkeit haben, kurzfristig aus den Verträgen auszusteigen, mit einer sogenannten zusätzlichen Breakoption.

STANDARD: Sie haben auch die Expo Real besucht. Welche Eindrücke haben Sie von dort mitgenommen?

Hombrecher: Die allgemeine Stimmung auf der Messe war durchwegs positiv. Die Marktteilnehmer scheinen sich bereits auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten. Endgültige Entscheidungen werden jedoch noch nicht getroffen, da die Entwicklung des Marktes schwer bis gar nicht einschätzbar ist. Bei neuen Projekten zeigt sich, dass für eine Finanzierung erstklassige Vorbereitungen, erhebliches Eigenkapital und ein schlüssiges Verwertungskonzept mit deutlichem Vorverwertungsanteil unerlässlich geworden sind.

STANDARD: Was kann man sich unter einem "schlüssigen Verwertungskonzept" vorstellen?

Hombrecher: Ein solches Konzept berücksichtigt die aktuellen Merkmale und Anforderungen der Nutzer des jeweiligen Segments. Beispielsweise benötigt ein Büroneubau heute die höchstmögliche Zertifizierung, um ihn überhaupt vermieten zu können. Eine exakte Analyse der aktuellen Entwicklungen des Teilmarktes plus eine begründete Prognose sind ebenso unerlässlich. So müssen etwa Bürogebäude außerhalb des Zentrums auf die dortigen Nutzer-, Ausstattungs- und Preiserfordernisse eingehen und vor allem ein klares Alleinstellungsmerkmal haben. "Stand alone"-Entwicklungen außerhalb gewachsener Bürostandorte haben derzeit jedenfalls wenig Chancen auf Vorvermietung und Finanzierung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.10.2011)

BRITA HOMBRECHER wurde 1969 in Leverkusen geboren und leitet seit 1. September 2011 die Abteilung Gewerbliches Immobilienmanagement bei Otto Immobilien Gewerbe. Die Juristin war zuvor im Immobilienbereich einer österreichischen Bank tätig.

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17 Postings
r_2_d_2
13
25.10.2011, 18:18

... so wird auch aus dem klassischen immobilienmakler der moderne immobilienManager!

klingt super!

ich hol mir jetzt noch eine wurstsemmel vom billa und wünsch der kassamangerin einen schönen feiertag!

Nik M
43
25.10.2011, 16:21
Kuerzere Vertraege kommt auf der Wunschliste der Mieter

gleich nach dem Wunsch nach hoeheren Mieten.

RS69
 
00
26.10.2011, 10:31

Gerade bei Gewerbeimmobilien ist es - zb in den ersten JAhren des Unternehmen, wo sie zb noch nicht wissen, wie gross sie werden, un dder Platzbedarf sich ändert - nicht so unanagenehm, sich nicht gleich langfristig zu verpflichten, und da flexibel zu sein - und aber gleichzeitig jedes Jahr ohne viel AUfwand verlängern zu können.

Bei einer Wohnung ist es klarerweise anders.
Es geht auch eher um Büros als um Anlagen (wo's klarerweise anders ist).

Nik M
00
26.10.2011, 10:37
Da ist der Wunsch des Mieters dann wohl eher

eine einseitige, kurze Kuendigungsfrist, als ein befristeter Mietvertrag. Maximal fexibel, und muss ueberhaupt nicht verlaengert werden.

RS69
 
00
26.10.2011, 10:51

Möglicherweise.

Nachdem's aber ein Vertrag zwischen 2 Unternehmen - also auf Augenhöhe ist, macht's mehr Sinn nicht nur zu fordern was man sich wünscht, sondern eine für beide gleich gute Lösung zu finden.

Und das ist im wesentlichen: So weit wie möglich gleiches Recht für beide Seiten - also eben kurzfristig, mit der Möglichkeit zur Verlängerung.

Wenn's passt, wird der Mieter das Office (oder ein anderes, das dann besser passt, zb grösser oder kleiner) beim selben Vermieter weiter mieten. Und der Vermieter wird - nachdem der Mieter keine Probleme macht und pünktlich zahlt - gerne verlängern.

Längerfristige Verträge machen bei Unternehmen mit weniger Veränderung Sinn.

Nik M
00
26.10.2011, 10:54

Mir ist schon klar, dass kein Vermieter sich auf so einen Vertrag einlassen wuerde (ausser, die Miete entsprechend hoch). Nur - befristete Mietvertraege sind eben der Kompromiss, der beide Seite befriedigt, und nicht der Wunsch des Mieters.

RS69
 
00
26.10.2011, 11:31

Klar wäre es auch noch besser, wenn mir jemand das Büro gratis zur Verfügung stellen würde, oder mich dafür zahlen würde, sein Office zu nutzen.

Ich dachte ja, Sie sprechen von realistischen Erwartungen.

Nik M
00
26.10.2011, 11:39

Ich hab mich ja nur am Titel von diesem Artikel aufgehaengt (Viele Mieter wollen etc). Wenn dort gestanden waer "Trend geht zu kurzfristigen Mietvertraegen" haett ich eh nichts gesagt.

RS69
 
00
26.10.2011, 12:01

Gerade bei Gewerbeimmobilien wollen Sie (zumindest am Anfang) oft lieber kurzfristiger mieten.

Wolf X
01
25.10.2011, 18:21
Hoffentlich

lesen Sie ihren Mietvertrag aufmerksamer als den Artikel über GEWERBEimmobilien.

Gerhard Müller
65
25.10.2011, 12:35
Die Mieter wollen kürzere Verträge

denn nichts ist lustiger, zumindest einmal im Jahr umzuziehen, dann die Provision zu bezahlen, sich mit dem Vermieter darüber klar zu werden, dass ja alles wohl schön hergerichtet ist wenn man einzieht und es gibt auch nichts schöneres, als zumindest einmal pro Jahr beim Auszug sich um die Kaution zu streiten.

Ja, die Mieter! Was die nicht so alles wollen. Aber wir Immobilienmakler reagieren darauf natürlich, schließlich ist es ja Mieterwunsch und bieten überhaupt keine unbefristeten Mieten mehr an, denn - wie man ja oben sieht - nichts ist Mietern lieber als einmal pro Jahr drei Monatsmieten Provision zu bezahlen und um die Kaution zu streiten!

RS69
 
00
26.10.2011, 11:36

SIe wissen übrigens schon, dass nicht der Makler festlegt, ob befristet oder unbefristet vermietet wird?

RS69
 
00
26.10.2011, 10:33

Es geht um Gewerbeimmobilien! Da ist die Situation grundlegend anders als bei Wohnungen (Wo ich Ihnen Recht gebe).

Ein kurzer Vertrag heisst auch nicht, dass SIe nicht immer wieder verlängern können. Bei professionellen Gewerbeimmobilien streiten's auch nicht um Kautionen.

...10
00
29.10.2011, 11:49
können

aber von der vermieterseite aus nicht MÜSSEN....
und sehr oft ist ja der erfolg eines unternehmens vom standort abhängig.
ist es ein guter standort, läuft das geschäft gut...na dann wird sich auch der vermieter ins fäustchen lachen und dies vor einer neuerlichen vergabe sehr wohl berücksichtigen.

RS69
 
00
29.10.2011, 11:56

Dafür können's auch als Mieter ausziehen wenn's wollen.

Büros sind keine Geschäftslokale - da geht's weniger um Standort und Laufkundschaft.

Erlauben's uns Gewerbetreibenden doch einfach, dass auch manche kürzere Mietverträge wollen. Es steht ja nicht "alle".

vielendankfürdiesenbeitrag
11
25.10.2011, 15:05
manche mieter wollen tatsächlich kürzere verträge...

... um sich die angenehme option offen zu halten, spontan in die frisch inserierte langersehnte traumwohnung umzuziehen. am besten eine mindestvertragsdauer von drei monaten und keine kündigungsfrist ;-)

InformierenStattSchwätzen
03
25.10.2011, 14:29
Es geht um Gewerbeimmobilien!

Lieber Privatmieter, da ist ihnen wohl vor lauter Frust und Ärger fürs Lesen des Artikels keine Zeit mehr übrig geblieben ;-)

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