Während sich weitere angebliche Opfer meldeten, will der beschuldigte Bürgermeister einen Anwalt einschalten
Graz - Zwei Tage nach dem Aufkommen der schweren Missbrauchsanschuldigungen gegen den Hartberger Jugendheimleiter und Bürgermeister Karl Pack will der Beschuldigte die Vorwürfe "keinesfalls auf sich sitzen lassen". Auch wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt werden sollten, will der Stadtchef den Fall aufklären und eine Gegenüberstellung mit dem 45-jährigen angeblichen Opfer. Inzwischen ergingen weitere Hinweise an die Opferschutzkommission.
"Ich bin erschüttert über die Vorwürfe", meinte Pack am Montag. Es ärgere und treffe ihn, dass der ehemalige Zögling nicht zuerst zur Kommission, sondern in die Medien gegangen sei. Und das, nachdem er zuvor bei ihm im Rathaus gewesen sei und um Hilfe für ihn und seine Frau gebeten habe. Von Schulden habe er erzählt und um eine Wohnung sowie einen Job für seine Frau angesucht. Ihm "Blutrausch" vorzuwerfen, sei an den Haaren herbeigezogen.
Zöglinge halfen beim Hausbau
Der Bürgermeister bekomme laufend Mails von anderen ehemaligen Zöglingen, welche die Vorwürfe nicht verstehen und Hilfe in Form von polizeilichen Aussagen anbieten würden. Er, Pack, wolle, dass die Staatsanwaltschaft prüfe. Einen Anwalt nehme er sich in jedem Fall, denn die Behauptungen würden nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie schaden.
Einzigen Vorhalt, den der Heimleiter teilweise bestätigte: Zöglinge hätten ihm früher beim Hausbau geholfen, und zwar freiwillig für Verpflegung und etwas Geld. "Für die Buben war das klass' einmal rauszukommen und sich ein bisserl was zu verdienen." Auch streng sei er gewesen, räumte Pack ein, trotzdem hätte es nicht jeder seiner Schützlinge geschafft, Fuß im Leben zu fassen. Man könne dafür auch nicht immer die Schuld bei anderen suchen, so der Heimleiter.
Das 45-jährige Opfer, ein gebürtiger Oststeirer, der nun in Wien lebt, gab an, er sei zwischen 1979 und 1983 im Heim für schwer erziehbare Jugendliche in Hartberg von Erziehern getreten, geschlagen und auch sexuell belästigt worden. Außerdem habe er bei Arbeiten auf einer Baustelle helfen müssen, ohne dafür Geld zu bekommen, so der ehemalige Zögling.
Verstärkt werden die Verdachtsmomente durch Anrufe und Emails, die bei der Opferschutzkommission nach Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe eingegangen sind: "Wir haben bisher einen Fall aus Hartberg abgeschlossen, der aus der Zeit vor dem heutigen Heimleiter datiert. Nach den aktuellen Medienberichten haben wir allerdings weitere Informationen über spätere Vorkommnisse bekommen, sowohl von Betroffenen als auch von Zeugen", so Geschäftsführerin Marina Sorgo. Diesen werde nun nachgegangen. (APA)