Reaktionen

Leiter von Jugendheim Hartberg ist "erschüttert"

24. Oktober 2011, 14:07

Während sich weitere angebliche Opfer meldeten, will der beschuldigte Bürgermeister einen Anwalt einschalten

Graz - Zwei Tage nach dem Aufkommen der schweren Missbrauchsanschuldigungen gegen den Hartberger Jugendheimleiter und Bürgermeister Karl Pack will der Beschuldigte die Vorwürfe "keinesfalls auf sich sitzen lassen". Auch wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt werden sollten, will der Stadtchef den Fall aufklären und eine Gegenüberstellung mit dem 45-jährigen angeblichen Opfer. Inzwischen ergingen weitere Hinweise an die Opferschutzkommission.

"Ich bin erschüttert über die Vorwürfe", meinte Pack am Montag. Es ärgere und treffe ihn, dass der ehemalige Zögling nicht zuerst zur Kommission, sondern in die Medien gegangen sei. Und das, nachdem er zuvor bei ihm im Rathaus gewesen sei und um Hilfe für ihn und seine Frau gebeten habe. Von Schulden habe er erzählt und um eine Wohnung sowie einen Job für seine Frau angesucht. Ihm "Blutrausch" vorzuwerfen, sei an den Haaren herbeigezogen.

Zöglinge halfen beim Hausbau

Der Bürgermeister bekomme laufend Mails von anderen ehemaligen Zöglingen, welche die Vorwürfe nicht verstehen und Hilfe in Form von polizeilichen Aussagen anbieten würden. Er, Pack, wolle, dass die Staatsanwaltschaft prüfe. Einen Anwalt nehme er sich in jedem Fall, denn die Behauptungen würden nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie schaden.

Einzigen Vorhalt, den der Heimleiter teilweise bestätigte: Zöglinge hätten ihm früher beim Hausbau geholfen, und zwar freiwillig für Verpflegung und etwas Geld. "Für die Buben war das klass' einmal rauszukommen und sich ein bisserl was zu verdienen." Auch streng sei er gewesen, räumte Pack ein, trotzdem hätte es nicht jeder seiner Schützlinge geschafft, Fuß im Leben zu fassen. Man könne dafür auch nicht immer die Schuld bei anderen suchen, so der Heimleiter.

 

Das 45-jährige Opfer, ein gebürtiger Oststeirer, der nun in Wien lebt, gab an, er sei zwischen 1979 und 1983 im Heim für schwer erziehbare Jugendliche in Hartberg von Erziehern getreten, geschlagen und auch sexuell belästigt worden. Außerdem habe er bei Arbeiten auf einer Baustelle helfen müssen, ohne dafür Geld zu bekommen, so der ehemalige Zögling.

Verstärkt werden die Verdachtsmomente durch Anrufe und Emails, die bei der Opferschutzkommission nach Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe eingegangen sind: "Wir haben bisher einen Fall aus Hartberg abgeschlossen, der aus der Zeit vor dem heutigen Heimleiter datiert. Nach den aktuellen Medienberichten haben wir allerdings weitere Informationen über spätere Vorkommnisse bekommen, sowohl von Betroffenen als auch von Zeugen", so Geschäftsführerin Marina Sorgo. Diesen werde nun nachgegangen. (APA)

Kommentar posten
10 Postings
Ravenspower
00
30.10.2011, 23:42
Immer diese "plötzlichen Erschütterungen"

ist immer das gleiche in AT. zuerst wird jahrzehnte lang weggesehen und dann, wenn es ans eingemachte geht, sind auf einmal wichtige entscheidungsträger "zutiefst erschüttert" und tun erstaunt herum.

es war und ist alles bekannt!!

schuld trifft die politiker welche nicht den mut hatten anständig aufzuräumen und auch mal die jugendämter und und co. hart ranzunehmen! auch die gewalttätigen lehrer waren nicht angreifbar da sie "beamtet" waren (und leider noch sind).

in österreich wurde es den tätern immer sehr leicht gemacht.

manche glaubten sogar das es normal so wäre weil sie es selber nicht anders kannten.

Silberprinzessin
00
27.10.2011, 18:17
plötzlich diese Überraschungen?

Die Heime waren nie ein Platz von Gemütlichkeit UND DAS WAFR ALLSEITS BEKANNT;
"wenn du schlimm bist, kommst ins Heim" kommt ja auch nicht von ungefähr.

So far, so wahr -- Silva

Quasis Herr Karl
03
26.10.2011, 12:15
Es ärgere und treffe ihn, dass der ehemalige Zögling nicht zuerst zur Kommission, sondern in die Medien gegangen sei.

WAS hätten die Ex-Zöglinge von ihm zu erwarten gehabt? A Tragerl Hieb von Konsorten a la Feuerpatschen Wagner? Ah ja, er hat ja nur beim Kicken ein paar fouls ausgeteilt. Wenn überhaupt.

Killa vomBilla
01
25.10.2011, 23:55
Gerechtigkeit

kann dem Pack seine hohe Stellung kosten

Edina Monsoon
04
25.10.2011, 09:35

Lückenlose Aufklärung, aber sofort!!! Ach der liebe Herr Pack, ist das nicht jener Bürgermeister der Millionen Steuergelder bei schwindligen Karibikgeschäften verspekuliert hat? Wahrlich ein Aushängeschild an Moral und Ethik.

sir osis of liver
 
03
25.10.2011, 04:37
Auch streng sei er gewesen, räumte Pack ein, trotzdem hätte es nicht jeder seiner Schützlinge geschafft, Fuß im Leben zu fassen. Man könne dafür auch nicht immer die Schuld bei anderen suchen, so der Heimleiter.

einfach ekelhaft diser pack!

Quasis Herr Karl
07
25.10.2011, 11:29
Packs Wortwahl ist für mich, als Erziehunsanstaltenkenner,

zumindest für mich persönlich, eine sehr Bekannte. Er ist erschüttert, er droht trotz Verjährung mit dem Rechtsanwalt, er war a biss streng, und die Zöglinge ham a bissi beim Hausbau geholfen. Fakt ist!!-Hartberg war für uns Zöglinge (1963-1970) in anderen Anstalten ein Schreckensbegriff mit dem gerne und oft gedroht wurde. Pack kam 1975 als Erzieher in die Anstalt, 1982 übernahm er die Leitung. Restlos untersuchen und aufklären was geschehen ist.

super cat
06
24.10.2011, 22:48

Freiwillig für Verpflegung und Taschengeld?
Schwarzarbeit mit Bezahlung unter dem Kollektivvertrag.

Quasis Herr Karl
06
24.10.2011, 17:07
Wäre ich der Pack,

ich wäre auch erschüttert.
Mitten im Frieden....

GRohnePunkte
018
24.10.2011, 15:46
Na hoffentlich hatte er sie alle bei der Krankenkasse angemeldet gehabt ...

... wenn es so "klass war", sich ein bisserl was zu verdienen. Und hoffentlich waren alle schon alt genug um überhaupt gesetzlich arbeiten zu dürfen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.