Arbeiterkammer und Industrie unterstützen gemeinsam das Bildungsvolksbegehren
Wien - Dass der Präsident der Arbeiterkammer mit dem Präsidenten der Industriellenvereinigung ein gemeinsames Anliegen präsentiert, erwartet man nach den harten Verhandlungen der Metallarbeiter nicht unbedingt.
Für Veit Sorger (IV) und Herbert Tumpel (AK) ist die Zusammenarbeit keineswegs ungewöhnlich. Schon oft hätten die beiden in Bildungsfragen gemeinsame Konzepte präsentiert, betonen sie bei einer Pressekonferenz am Montag.
Diesmal geht es um das von Ex-Vizekanzler Hannes Androsch initiierte Bildungsvolksbegehren, das sowohl AK als auch IV unterstützen - wenn auch aus unterschiedlicher Motivation, wie sich bei den Statements zeigt.
"Für mich sind die anstehenden Bildungsreformen in Österreich in erster Linie eine Frage der Gerechtigkeit", sagt Tumpel. Es könne nicht sein, dass Kinder umso häufiger in der Hauptschule landen, je weniger die Eltern verdienen - obwohl viele von ihnen ein Zeugnis haben, das ihnen einen Gymnasiumsbesuch ermöglichen würde, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Sorger sorgt sich vor allem um die von der Industrie dringend benötigten Arbeitskräfte: "Wir brauchen die besten Hände und Köpfe, um im immer stärker werdenden internationalen Wettbewerb erfolgreich zu sein." Er wünscht sich vor allem eine Konzentration auf die "MINT-Fächer" - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Einig sind sich die beiden in ihrer Forderung nach einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen, die jedoch keine Nivellierung nach unten bedeuten dürfe.
Das Bildungsvolksbegehren liegt von 3. bis 10. November an Gemeinde- und Bezirksämtern zur Unterzeichnung auf. (nimo, DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2011)