Sehnsucht statt Realität

Taschner: Gerechtigkeit ist eine Utopie

24. Oktober 2011, 12:34
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    foto: ecowin verlag

    Rudolf Taschner, Wissenschafter und Autor.

"Der Staat ist völlig ungerecht", meinte der Mathematik-Professor bei einem Vortrag in Wien

"Gerechtigkeit ist eine Sozialschleuder geworden", sagt Rudolf Taschner, "das Wort steht überall". Taschner, Professor für Mathematik und Autor des Buches "Gerechtigkeit siegt - Aber nur im Film", referierte beim Kongress des Dialog Marketing Verbandes Österreich zum Thema "Mathematik und Management." Das plakative Schreien nach "Gerechtigkeit" sei zu einem "Kampfbegriff der politischen Diskussion" geworden, kritisiert er: "Wie eine Göttin, die man anbetet."

"Vom Urbegriff her ist Gerechtigkeit eine Tugend der Menschheit", so der Mathematiker, der sich auf die geistigen Ergüsse Platons bezieht. Der griechische Philosoph verortete Gerechtigkeit bei jenen, die Macht haben. Aufgabe des Staates sei es, die Voraussetzungen für Gerechtigkeit zu schaffen. Dem rechten Maß komme die wichtigste Bedeutung zu. Wie lässt sich das umsetzen? "Geht nicht", sagt Taschner: "Der Staat sind wir alle." Er besteht aus Institutionen, die in Menschenhand sind. Und das "Wir sind alle gleich geschaffen"-Konstrukt aus der Zeit der Aufklärung sei zwar eine schöne Idee, könne aber mit der Realität nicht Schritt halten. "Der Staat ist völlig ungerecht."

Kurven

Zum Beispiel beim Einkommen. Die Schere zwischen den Gehältern gehe tendenziell auf statt zu. Auch die Finanzierung des Pensionssystems laufe aus dem Ruder. Das lässt sich anhand von nackten Zahlen problemlos demonstrieren. Über die Hälfte der Kinder, die jetzt geboren werden, werden über 100 Jahre alt, rechnet er vor. Dass sich das mit der jetzigen Regelung nicht ausgehen kann, sei klar, aber: "Wie bringe ich den Menschen bei, dass eine Anhebung des Pensionsantrittsalters gerecht ist?" Das Problem sei, so Taschner, dass sinnvolle Änderungen länger als eine Legislaturperiode brauchen. Welcher Politiker tut sich das an, wenn er die Früchte seiner Reform nicht mehr selbst ernten kann?

Ähnlich verhält es sich bei Führungskräften. "Die Wirtschaft kann nur in Quartalen denken." Nachhaltige Maßnahmen blieben auf der Strecke. Von "verschiedenen Zeitskalen, die unterschiedlich schnell laufen", spricht Taschner und von einer Kosten-Nutzen-Rechnung, die ins Kalkül gezogen wird: "Es scheitert an einzelnen Menschen." Letztendlich existiere  "kein objektives Maß, um Gerechtigkeit zu messen", resümiert er. Die Sehnsucht danach scheitere an den realen Umsetzungsmöglichkeiten. Was können einzelne tun? Jeder solle sich persönlich fragen: "Bin ich gerecht?" Eine Frage, die mit dem Wissen und Gewissen austariert werden muss. Als Grundlage zum Handeln. (om, derStandard.at, 24.10.2011)

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24 Postings
wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
27.10.2011, 06:18
Der staat -

kann ungerecht sein, ausser er ist gerecht!

tapsel
 
01
26.10.2011, 23:31
Wieder einer,

der glaubt, soziale Probleme über die Moralvorstellungen des Einzelnen lösen zu können.

readymate
01
26.10.2011, 14:19
Wieder einer,

der glaubt, soziale Probleme über den naturwissenschaftlichen Kampel scheren zu müssen...!

.

sw16
00
26.10.2011, 12:37
Gerechtigkeit ist auch eine Frage der Sozialisation

In einem System der Konkurrenz wird sich der Gerechtigkeitsanspruch vollkommen anders entwickeln als in einem System welches auf Kooperation aufbaut.
Die Logik des Hr. Taschner führt zu Resignation, Diversity ist nicht hinderlich, im Gegenteil. Erst durch die Vielfalt kann die Idee der Aufklärung zu wirklichen Leben erwachen.
Voraussetzung: Änderung der aktuellen gesellschaftlichen Regulative.

Reaktion1
00
26.10.2011, 09:51
Gerechtigkeit als erste Tugend sozialer Institutionen

Ja, "der Staat besteht aus Institutionen, die in Menschenhand sind" und verantwortliche Personen sollten dafür sorgen, dass Grundgüter wie Freiheit, Chancen, Einkommen gerecht verteilt werden. Österreich hat hier wohl viel Aufholbedarf. Wenn politisch Verantwortliche so handeln wie sie die letzten Jahre gehandelt haben, gibt es weder eine gerechte Verteilung von Freiheit, Chancen, Einkommen und werden auch soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten durch Gesetzgebung nicht korrigiert. Dazu bedürfte es wohl auch Personen für welche Ethik und Moral wichtig sind.
Die Parteien bedienen häufig die eigene Klientel ohne sich wahrscheinlich bewusst zu sein, dass Gerechtigkeit auch die Voraussetzung für die Stabilität eines Systems ist.

Carlos Clementin
00
26.10.2011, 09:08

Für alle Oben sind kurzfristige Optimierungen optimal, gehen die doch aufgrund schon ihres Alters in kurzer Zeit in Pension und überlassen den Scherbenhaufn langfristig den Nachfolgern.

ravenna
00
26.10.2011, 07:41

"Ähnlich verhält es sich bei Führungskräften. "Die Wirtschaft kann nur in Quartalen denken."

Das ist ja wohl - zumindest in dieser Kürze - Blödsinn.

jcMaxwell
00
26.10.2011, 18:07

taschner halt..

Freigeist78
02
25.10.2011, 19:35
Schnittlauch auf jeder Suppe

Hat er irgendeinen aus der Mathematik-Forschung abgeleiteten Ansatz zur Lösung oder auch nur Beschreibung der genannten Problem der neu wäre?

Oder spielt er inzwischen den Experten für eh alles?

Lilly Rush
 
01
25.10.2011, 21:38

Nein, es geht auch nicht um Lösungen sondern er als Mathematiker kann mit Hilfe von Daten der Vergangenheit und Hochrechnung gängige Mythen zerstreuen. Taschner rüttelt auf! Er klärt auf! Er versucht die Menschen zum Nachdenken zu bringen.

Lösungen muss die Politik und die Gesellschaft finden.
Und ich bin ganz seiner Meinung:
Kurzfristige Optimierungen bringen nichts. Man muss auch über den zeitlichen Tellerrand blicken und teilweise sogar über Generationen hinweg denken - z.B. im Bereich der Umweltpolitik.

gaisbock
00
25.10.2011, 21:47

Sorry, aber woraus lesen sie ihre/seine Meinung aus dem vorliegendem Artikel?

Lilly Rush
 
00
25.10.2011, 21:57

Vor allem aus dem letzten Absatz.
Wenn man das was er für schlecht/falsch ansieht ins Gegenteil verkehrt.

gaisbock
00
25.10.2011, 22:10

na, ja, schlecht, falsch und das Gegenteil.....

Lilly Rush
 
00
25.10.2011, 23:10

wow sie argumentieren aber auch wie die alten Römer ;-)

gaisbock
01
25.10.2011, 19:25

"Der Staat ist völlig ungerecht"
"Der Staat sind wir alle"
"Bin ich gerecht"

Ja,ja, gemma halt ins Kino.....

kronos
03
25.10.2011, 14:09

Ach, kein Thema bei dem sich Taschner nicht berufen fühlt seine "Expertise" abzugeben. Hat je ein Mathematiker so viele TV Auftritte absolviert?

Lilly Rush
 
00
25.10.2011, 14:23

Dem höre ich wenigstens gerne zu.
Was er zu sagen hat, hat auch Hand und Fuß.
Und ist es nicht egal wieviele Auftritte ein Mathematiker hat?
Sie sollten mal zu einem seiner Vorträge gehen - immer gut besucht!

hpquer
01
25.10.2011, 18:03

beim Kopfrechnen ist er nicht ganz so perfekt
http://goo.gl/68Zh9
aber dafür teilt er es stolz mit - mir wärs peinlich

angelvoices
20
25.10.2011, 11:18
nicht umsonst wurde die Religion erfunden

und selig sind die, die traurig sind, den sie werden getröstet werden...

Lilly Rush
 
01
25.10.2011, 13:39

... aber Lösung hat sie auch keine gefunden.

Da vertraue ich schon eher der Mathematik.

lessismore
41
25.10.2011, 06:36

In einem richtigen platonischen Dialog würde ein mäßig betrunkener Unterschichtler hereinschneien und Herrn Taschner als Nullität entlarven.

woody999
00
25.10.2011, 15:59
dann entlarven sie mal....

lessismore
00
26.10.2011, 00:52

Wie könnte ich? Ich gehöre nicht zur Unterschicht, und ich bin von Taschners geistiger Kraft völlig überwältigt. Es schien mir aber, daß er, im alten Verstande, ein Sophist ist -- oder trägt er für Gottes Lohn vor? Auch was das Publikum betrifft, ...

Lilly Rush
 
00
25.10.2011, 18:20

Er verwechselt Platon mit dem im Weinfaß :-)

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