Kaum Innovationen

Was gegen Depressionen hilft

24. Oktober 2011, 11:18

Michael Freissmuth erklärte, warum es bei Psychopharmaka kaum Innovationen gibt

Sigmund Freud begann eigentlich als Naturwissenschafter. Und im Gegensatz zu so manchem Psychoanalytiker setzte er große Hoffnung in die Chemie: "Die Zukunft mag uns lehren, mit besonderen chemischen Stoffen die Energiemengen und deren Verteilungen im seelischen Apparat direkt zu beeinflussen", schrieb er wenige Jahre vor seinem Tod - und spekulierte über "ungeahnte andere Möglichkeiten der Therapie".

Mehr als 70 Jahre später ist eine "frustrierende Stagnation" in Sachen Psychopharmaka eingekehrt, wie Michael Freissmuth zugibt. Der Vorstand des Instituts für Pharmakologie war vergangene Woche von der Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) eingeladen worden, um im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Mittwoch-Abendgesellschaft in festlichem Rahmen und vor mehr als 50 geladenen Gästen über die Fortschritte der Pharmakotherapie zu berichten. Unter dem Titel "Lost in Translation" zeichnete Freissmuth ein höchst ambivalentes Bild: Auf der einen Seite hätten die Erkenntnisse in den Neurowissenschaften vor allem dank der bildgebenden Verfahren rapid zugenommen. Auf der anderen Seite stagniere die Entwicklung neuer Psychopharmaka: Im Grunde seien die meisten Wirkstoffe bereits mehr als 50 Jahre alt.

Mit "Lost in Translation" spielte Freissmuth nicht auf den Film von Sofia Coppola an, sondern auf die selten glückende Übersetzung von Grundlagenforschung in klinische Anwendungen. Tatsächlich seien so gut wie alle Psychopharmaka nicht planmäßig entwickelt, sondern zufällig entdeckt worden. Woran das liegt? 

Ernüchternde Erkenntnis

Freissmuth nannte in seinem geistreichen, inhaltlich aber ernüchternden Vortrag eine ganze Reihe von Gründen, die eine chemische Beeinflussung psychischer Leiden so schwer machen - auch wenn mittlerweile rund 1.000 Rezeptoren bekannt sind, die sich als mögliche Angriffspunkte für Psychopharmaka eignen würden. "Therapeutisch werden aber gerade einmal rund 60 davon genützt."

Dank der Fortschritte bei den bildgebenden Verfahren weiß man auch schon wesentlich besser, wo die jeweiligen seelischen Leiden im Gehirn angesiedelt sind. Das löse aber nicht das Problem, wie man die Wirkstoffe gezielt in die betroffenen Region bringt. Und schließlich helfe der Tierversuch bei der Entwicklung von Therapien gegen psychische Leiden wie Depression oder Schizophrenie kaum weiter: "Weil wie will man wissen, ob die Maus gerade traurig ist?"

Weiß man wenigstens, was etwa gegen Depression wirklich hilft? Zu dieser Frage wartete Freissmuth mit einigen Metaanalysen auf, also zusammenfassenden Auswertungen bisheriger Studien. Dabei zeigte sich zum einen, dass Psychopharmaka erst bei schweren Depressionen deutlich besser wirken als Placebo. Zum anderen bestätigen Metaanalysen, dass auch Psychotherapien helfen - wohl indem sie betroffene Gehirnareale "mit dem gesprochenen Wort" gezielt beeinflussen. Warum die Kassen Psychopharmaka bezahlen, sich bei nachweislich wirksamen Psychotherapien wie der Psychoanalyse hingegen sträuben, darauf wusste freilich auch Freissmuth keine eindeutige Antwort. (Klaus Tascher, DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2
Toeris
10
25.10.2011, 20:22
Um etwas wichtiges noch zu ergänzen, zu diesem Themenbereich...

Von Selbstmord zu sprechen im Zusammenhang mit Depression ist grundsätzlich falsch.

Nicht nur das österreichische Recht setzt bei Mord voraus, dass bewusst ein gegen seinen Willen vom Leben zum Tode befördert wird.

Ein Mensch, der mit schweren Depressionen "Selbstmord" begeht, beendet sein Leiden und das nicht aus freiem Willen, denn den hat ein Schwer-Depressiver nicht mehr. Eine Total-Entgleisung des Gehirnstoffwechsels lässt dem Menschen keine andere Wahl mehr als diesen Weg zu gehen.

Rafflesia
 
11
25.10.2011, 13:29

Schon Sigmund Freud hat Kokain empfohlen, und ich stimme da vollkommen zu, aber erklär das mal einer diesen lästigen Drogenfahndern...

Der Chronist
20
25.10.2011, 10:19
Es geht natürlich nicht, dass ein maßgeblicher Teil der Ursachen für eine Depression benannt wird - das hat nämlich mit unseren Lebensbedingungen zu tun, und zwar jenseits der materiellen Rahmenbedingungen.

Der Umgang miteinander, auch bei der Kindererziehung, ist eben von den Biographien aller Beteiligten geprägt, dazu kommt noch die allgemeine Befindlichkeit der ganzen Gesellschaft. Dabei kommt es weniger auf Einzelereignisse an, wenn man von expliziten Traumatisierungen absieht, sondern auf die herrschenden Prinzipien: Ein Kind entfaltet sich immer gemäß den Phantasien der Eltern, die obendrein meistens unbewußt sind, und nur psychisch halbwegs gesunde und ausgeglichene Eltern können ihrem Kind Entfaltung ermöglichen, ohne sich in ihrer eigenen narzißtischen Befindlichkeit bedroht zu erleben.

Aber das setzt eine andere Art des Umgangs aller Menschen miteinander voraus, deshalb glaube ich: Es wird noch viel schlimmer werden.

Neuer Nick neues Glück
20
26.10.2011, 10:19

Deine Postings sind ein einziger faktenfreier Raum.

Carlos Clementin
70
24.10.2011, 23:10

Die meisten Ursachen sind gestörte Umgebungen, bzw gestörte Lebensbedingungen und nicht "gestörte" Menschen.... Wenn man dann eien mit dem Zeug vollstopft, damit die Pharamaindustrie was verdient, könnte man genausogut andere Drogen nehmen.
Nach absetzten der Droge hat sich ja nix verbessert ...
Ist Plötzlich der verlorene Arbeitsplatz wieder aufgetaucht, der Lebenspartner doch nicht fremd gegangen oder ...ein Lottogewinn eingetreten ... neine - also weiter Pulvern schlucken und Hirn ausschalten ....

Neuer Nick neues Glück
14
25.10.2011, 09:28

Du verwechselst leider, wie viele, klinische Depressionen mit dem, was umgangssprachlich als "Depressionen" bezeichnet wird.
Eine wirkliche Depression geht nicht vorbei indem man mit Freunden was unternimmt und ein wenig an die frische Luft geht. Auch Hühnersuppe hilft da nicht.

Rafflesia
 
04
25.10.2011, 13:32

Danke, Nick, tut gut dass einer was von der Sache versteht. Die meisten Leute glauben wenn sie mal schlecht aufgelegt sind haben sie "eine Depression". Und eine klinische Depression kann auch was anderes sein als die Niedergeschlagenheit über verlorenen Job oder geplatzte Liebe. Sie kommt nämlich auch, wenn eigentlich alles in Ordnung ist.

Neuer Nick neues Glück
01
25.10.2011, 13:37

Ich habe einen sehr guten Freund durch diese grauenhafte Krankheit verloren und bin seitdem sowohl sensibel als auch wirklich fuchtig, wenn Depression und depressive Stimmung synonym verwendet werden.

Tronje
25
24.10.2011, 23:09

Hm, zeigen Sie mir eine repräsentative Studie, wo Psychoanalyse bei einer depressiven Episode wirkt? Was soll mach sich von einer Runde Analytiker erwarten, die fern von der Realität arbeiten und von einem Pharmakologen, der klinisch keine Patienten sieht? Es gibt eindeutlige Leitlininen wie bei einer Depression vorzugehen ist: Sehr grob 1 bei einer leichten D keine Therapie 2 mittelgradig Antidepressiva ODER Psychotherapie 3 schwergradig AD UND PT.

Der Chronist
12
25.10.2011, 10:14

Oweh, da glaubt schon wieder einer, dass es nicht gibt, was er nicht kennt.

Aber ich gebe es schon zu: Im Internet wird man sich etwas schwerer tun, die relevanten Studien zu finden, als z.B. in einer Unversitätsbibliotek.

Wenn Sie Wirksamkeitsstudien wollen, dann suchen Sie doch einfach mal ein bisschen in der Fachliteratur.

Neuer Nick neues Glück
22
25.10.2011, 10:49

Da du ja scheinbar im Besitz der Fakten bist wäre es bestimmt sinnvoll, wenn du hier ein wenig Fachliteratur zum Thema anführen würdest.

Der Chronist
12
25.10.2011, 15:11

Faul auch noch - Dir gehts ums Pöbeln, nicht um die Fakten. Such selber, ich bin nicht Dein Dienstbote.

Neuer Nick neues Glück
10
26.10.2011, 01:10

Wo habe ich denn bitte gepöbelt?
Aber danke für deinen unfreiwillig peinlichen Beitrag aus der Reihe "Klappe groß aufreissen und dann keine Fakten liefern können". Witzfigur.

Carlos Clementin
11
25.10.2011, 09:48

Sobald die Psychoärzte dann das Diagnostiizieren ist es ja meist zu spät ....
Eingreifen sollte man vorher, in jenem Stadium, wo die Leute noch nicht mal zum Psychoarzt laufen und sich selbst das Zeug verabreichen.

Rafflesia
 
01
25.10.2011, 13:33

Antidepressiva können Sie sich nicht so einfach selbst verabreichen, weil sie streng rezeptpflichtig sind, also von was für "Zeug" reden Sie?

beliar
20
24.10.2011, 20:17

nix

dr mike
40
24.10.2011, 22:28

Sport

Neuer Nick neues Glück
03
25.10.2011, 14:00

Nein. Eben nicht!
Sport hilft gegen eine depressive Verstimmung. So wie gepflegt vögeln, fortgehen, Spaziergänge, flirten, gutes Essen und guter Wein.
Aber Sport hilft NICHT gegen eine richtige Depression.

captain blaubär
30
24.10.2011, 17:46
Es gibt sie doch - die Innovationen!

Der Neurostimulator Lucia No3, von zwei Tiroler Ärzten entwickelt, ist eine hochwirksame Methode u.a. auch für Depressionserkrankungen.
Näheres unter www.gesund-im-licht.at und ORF Beitrag:
http://www.youtube.com/watch?v=p... re=related

Neuer Nick neues Glück
11
25.10.2011, 09:30

Die Liste an klinischen Studien für dieses Wunderprodukt ist eindrucksvoll.
Muss man das mit Granderwasser waschen?

halvar van flake
01
24.10.2011, 21:32
Listenpreis ab Standort Innsbruck € 18.000,00 exkl. 20 % österr. USt.

Neuer Nick neues Glück
01
25.10.2011, 10:48

Ein absolut angemessener Preis für eine Stroboskoplampe. :-D

halvar van flake
02
25.10.2011, 11:27
hab gleich 2 bestellt....

Neuer Nick neues Glück
00
25.10.2011, 11:31

Wir könnten eine Sammelbestellung machen.
Ich bräuchte eines fürs Büro, drei für daheim und eine transportable Einheit für den Weg.

halvar van flake
00
25.10.2011, 11:41
*ggggggggggg*

am besten in jedem raum eine und dann durch die wohnung schweben. ist beim autofahren sicher auch der hit.....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.