Jugendliche sehen keinen Generationenkonflikt, fast die Hälfte hat das Gefühl Ältere würden bevorzugt
90 Prozent der Jugendlichen denken, dass Pensionen, Gesundheit und Pflege immer schwerer
finanzierbar werden, 60 Prozent sehen dafür in der Zuwanderung von
qualifizierten Arbeitern eine Lösung.
Etwa die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass es in Zukunft immer mehr Arbeitsplätze für junge
Menschen geben wird. Familien- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner präsentierte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Politikwissenschaftler Peter Filzmaier die Ergebnisse des neuen "Jugendmonitors". In der fünften Welle der 2010 begonnen Umfrage für die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen wurden Meinungen und Einstellungen von Jugendlichen zum Schwerpunkt Pensionen erfragt. Der Studie liegt eine telefonische Befragung von 800 Jugendlichen in einem Zeitraum vom 12. August bis zum 1. September 2011 zugrunde.
"Jugendliche haben realistische Einschätzung des Themas"
Drei Viertel der österreichischen Jugendlichen blicken laut Umfrage nach wie vor mit Optimismus in die Zukunft. "Jugendliche haben eine sehr realistische Einschätzung zum Thema Bevölkerungsentwicklung", so Filzmaier. Befragt wurden sie zur Überalterung der Bevölkerung, zu sinkenden Geburtenraten und zur Zuwanderung. In erster Linie erwarten Jugendliche in Zukunft Probleme bei den Pensionen und eine Anhebung des Pensionsalters. derStandard.at präsentiert die wichtigsten Ergebnisse.
"Höheres Pensionsalter gerecht"
43 der Jugendlichen halten ein Pensionsalter zwischen 60 und 64 Jahren für gerecht, und immerhin 37 Prozent könnten sogar mit einem Antrittsalter zwischen 65 und 69 Jahren leben. Im Vergleich dazu liegt das faktische Pensionsalter in Österreich heute bei gerade einmal 58 Jahren. So sehen auch beinahe drei Viertel der Jugendlichen die dringende Notwendigkeit für grundsätzliche Reformen, wohingegen nur 14 Prozent glauben, dass Pensionssystem sei langfristig gesichert.
Trotz dieser kritischen Einschätzung der Bevölkerungsentwicklung stehen Jugendliche den älteren Generationen nicht nur negativ gegenüber. So sind sie etwa der Meinung, von der Erfahrung älterer Menschen profitieren zu können. Gleichzeitig meinen aber 52 Prozent, ältere Menschen würden von der Politik besser behandelt als junge. Beinahe die Hälfte sieht im Verhältnis zwischen Jung und Alt aber trotzdem das Verbindende und die Solidarität überwiegen.
Trend zur häuslichen Betreuung
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen spricht sich laut Umfrage für eine häusliche Betreuung von älteren Familienmitgliedern aus, ein Viertel der Befragten konnte dazu allerdings keine Angabe machen. Die Jugendlichen sehen vor allem Ehe- oder Lebenspartner in der Verantwortung für die Betreuung Zuhause, wobei aber auch Kinder und externe Pflegehelfer eine wichtige Rolle in der Pflege spielen sollen.
Mitterlehner: Hauptziel Anhebung des Pensionsalters
Jugendminister Mitterlehner ist "sehr froh über die Ergebnisse des Monitors." In der Forcierung der häuslichen Betreuung sieht er ein großes Einsparungspotenzial für die Zukunft, vor allem weil es "in 40 Jahren über 650.000 über Achtzigjährige mehr geben wird als heute."
Hauptziel muss laut Mitterlehner aber die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters sein. "Es kann nicht sein, dass die Menschen immer länger in Ausbildung und Pension sind, während die Dauer der Erwerbstätigkeit gleichzeitig immer kürzer wird." Auch die Jugendlichen haben dies laut Umfrage richtig erkannt, so der Minister. International sei Österreich mit einem faktischen Antrittsalter von 58 Jahren nur auf dem vorletzten Platz einer OECD-Rangliste. Der jährliche Zuschuss von neun Milliarden Euro müsse durch ein "nachhaltiges Pensionssystem" so rasch wie möglich reduziert werden.
Neuerlich spricht sich Mitterlehner dabei für ein Bonus-Malus System aus und verweist auf Schweden und Finnland. Dort gäbe es bei einem späteren Pensionsalter zusätzliches Geld und bei einem früheren Antritt Abstriche. (Max Daublebsky, derStandard.at, 24. 10. 2011)