Rechnungshof-Bericht

Hohes Haus zu hohen Kosten im Internet

24. Oktober 2011, 18:34
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    foto: apa/jäger

    Hausherrin Barbara Prammer: Internetauftritt zu unvorhergesehen hohen Kosten

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    screenshot: der standard

    Immerhin: Die Parlamentshomepage funktioniert, und die umfangreichen Recherchemöglichkeiten zu den parlamentarischen Materialien seien zweckmäßig, konstatieren die Prüfer des Rechnungshofes.

Beinahe zwei Millionen Euro hat sich das Parlament die Neugestaltung seines Internetauftritts kosten lassen - allein die Kosten für das Homepage-Design sind auf das Dreifache explodiert, kritisiert der Rechnungshof

Wien - Dass so eine Homepage eine heikle und teure Angelegenheit sein kann, das weiß man in der österreichischen Politik seit der Affäre um jene Homepage, die Karl-Heinz Grasser im Jahr 2004 mit 283.424 Euro gesponsert bekam. Das Parlament sollte so etwas billiger bekommen können - zumal es ja schon lange einen Internetauftritt hatte.

72.000 Euro wollte man für ein Redesign des Internetauftritts springen lassen - es wurde aber schließlich das Dreifache, fand der Rechnungshof (RH) heraus, als er dem Relaunch der Parlaments-Homepage nachrecherchierte. Im Parlament habe man nämlich geglaubt, sich ein für ein Projekt dieser Größenordnung angemessenes Projektmanagement ersparen zu können. Also kaufte man am Ende teurer.

Insgesamt kostete der Relaunch des Internetauftritts 659.000 Euro an extern vergebenen Zusatzaufträgen, weitere 1,2 Millionen wurden für zugekaufte EDV-Dienstleistungen im Rahmen bestehender Verträge ausgegeben.

Auf EDV-Arbeitsplätzen im Parlament sitzen nämlich rund 25 Mitarbeiter, die von externen EDV-Unternehmen gegen entsprechende Bezahlung verliehen werden.

Immerhin eines hat der Rechnungshof bestätigt: Die Parlaments-Homepage funktioniert, die umfangreichen Recherchemöglichkeiten zu den parlamentarischen Materialien sind zweckmäßig - und dass es zu Verzögerungen von fünf Monaten gekommen ist, erscheint den Prüfern "nachvollziehbar" (und damit keiner weiteren Kritik wert).

Neben dem Bericht zur eigenen Homepage legte der RH dem Hohen Haus am Montag noch ein ganzes Konvolut weiterer Berichte vor. Einer davon betrifft ebenfalls ein IT-Projekt, nämlich jenes des Arbeitsmarktservice: "Das Arbeitsmarktservice traf bei der Neuausschreibung seiner IT-Dienstleistungen keine ausreichenden Vorkehrungen, um die Risiken eines Übergangs der IT-Dienstleistungen auf einen allfällig neuen IT-Dienstleister bestmöglich zu minimieren", heißt es in dem Bericht. Dazu muss man wissen: Die Arbeitsmarktverwaltung hat jahrzehntelang seine EDV-Dienstleistungen bei der EDV GmbH, einer Tochter des ÖGB-Verlags, bezogen - diese ist dann im Zuge des Bawag-Debakels in der AMSBG (Arbeitsmarktservice BetriebsgmbH) aufgegangen.

Im Vorjahr aber erfolgte nach einer Neuausschreibung ein Wechsel zu IBM. Das AMS betont, für einen solchen Wechsel bereits im Jahr 1994 vertragliche Vorsorge getroffen zu haben.

Noch eine andere Rechnungshofkritik bezieht sich auf das AMS: Dieses gehe bei der Vergabe von externen Schulungsaufträgen nicht nach Wirtschaftlichkeit und erwiesenem Erfolg des schulenden Unternehmens vor - was das AMS zurückweist, weil der Erfolg (Pilotversuchen zum Trotz) nicht eindeutig feststellbar sei, da sich die Arbeitsmarktlage ja ständig ändere. Immerhin vergab das AMS von 2005 bis 2010 Schulungsaufträge um 1,3 Milliarden Euro. Weiterer Kritikpunkt des RH: Untersuchungen in Tirol und der Steiermark ließen erkennen, dass das AMS der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit kaum strategische Bedeutung zumesse. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 120
1 2 3
RFD
00
21.1.2012, 19:13
Ach so, das AMS ist für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuständig.

Gut das ich das jetzt weis.
Bislang dachte ich, das AMS sei für die Verwaltung der Arbeitslosigkeit, in Form der Versorgung von Betrieben mit gering zu bezahlenden Mitarbeitern und der Vergabe von Schulungsaufträgen an befreundete Unternehmen, zuständig.

Truth is a Troll
00
21.1.2012, 18:19

Langsam aber sicher bin ich überzeugt das man, wenn man im Rechnungshof arbeitet automatisch zu einem frustriertem Zyniker wird... Irgendwie hab ich Mitleid mit den Leuten, kennt ja sicher jeder in größeren Firmen selbst das man noch so oft schreien, kritisieren, melden kann vorher "das geht schief" und es ändert nix.. aber beim Rechnungshof sind die Konsequenzen nochmal von anderer Qualität.

FÜR KOSTENLOSE PSYCHOLOGISCHE BETREUUNG VON RECHNUNGSHOF ANGESTELLTEN!

krachbummente
01
27.12.2011, 12:21
Offenlegung

Redesign und Content–Management–
System (CMS):
259.363

Volltext–Suchsystem
267.101

Sonstiges
132.500

Zwischensumme 658.964

Kann mir jemand die Volltextsuche erklären?
Also mein Schema ist mindestens 20 000 Wert:
Select * from "Inhalte" Where ... = %$suchbegriff%

Dann noch PDF indizieren und die nächsten 10 000 können auf mein Konto überwiesen werden.

hat man für dieses "Geheimwissen" eine Firma aufkaufen müssen??

Stammzelle
01
14.12.2011, 12:10

Wenn man bedenkt, dass diese HerrInnenschaften (Hundstorfer) das Pflegegeld für behinderte Menschen gekürzt haben (- unabhängig vom Einkommen)...

playdude
01
8.12.2011, 11:21

irre ich mich oder ist das geldwäsche?

Confusius
00
8.12.2011, 00:22
Selbstwerbungsbremse im Verfassungsrang

Österreich gewinnt regelmäßig Preise für e-Government (sollte eigentlich e-Verwaltung sein, aber gut ..).
Würden auch Preise für e-Schleichwerbung vergeben, wäre das Land auch ganz vorne dabei!
Ich fordere ein strenges Verbot von Personen- und Parteienbezogenen Inhalten auf öffentlich finanzierten Websiten. (wie z.B. Reden von Ministern, Jubellebensläufe, Jubel-Erfolgsmeldungen, etc.)
Internetauftritte öffentlicher Stellen sollten ausschließlich Servicecharakter oder Bürgerbeteiligung (wie wäre es mal mit e-Democracy?) dienen.
Dafür kann man dann ruhig Geld ausgeben - aber nicht für Prospektware!
Das wäre doch mal was für ein Volksbegehren ..

adaschauher
00
7.12.2011, 13:57
voellige abgehobenheit.

die rote baronin
00
7.12.2011, 13:10
Ich hätte es für die Hälfte gemacht.

Horstl Schorschl
01
7.12.2011, 12:42
2 Mio für Internettauftritt!

lol

Des Kaisers neue Kleider !?

;)

Ndugu
01
29.11.2011, 09:47
Wahnsinn,

Creamy Goodness
00
29.10.2011, 20:25

Wenn Geld keine Rolle spielt....man muss sich ja nur ansehen wieviele externe in den staatlichen Stellen sitzen und die Arbeit der Beamten machen. Da braucht man sich wegen der 2 Millionen auch nicht mehr aufregen.

Reservenick 16 von 35
01
28.10.2011, 15:08
Nur ein Gedankenspiel:

* Ich biete einem Kunden einen Internetauftritt an und überziehe die Kosten dann auf das Dreifache

* Weil ich so ein Topprofi bin, verzögert sich der Launch um ein halbes Jahr

1) Wird mir der Kunde die Kostenexplosion abgelten?
2) Welche Pönale habe ich für die Verzögerung zu erwarten?

Fragen über Fragen ....

Cui bono?
16
25.10.2011, 21:22

-1,8 Millionen für eine Homepage
-540 Millionen für ein neues gemütlicheres Parlament
-21,6 Milliarden (!) für den Enteignungsschirm?

Ja, gehts noch ?

die rote baronin
00
7.12.2011, 13:10
Demokratie kostet halt was.

Le Monde
16
25.10.2011, 17:15
die politiker gehören doch alle nach der reihe

wegen geldverschwendung und ruinierung des ganzen landes vor das strafgericht gestellt und haftbar gemacht!

25 millionen schilling für eine simple homepage!

Homer
23
25.10.2011, 21:03

ich will mal sagen, die Polynesier waren teilweise intelligenter als unsereins heutzutage, die sind über das Meer gefahren und haben neue Inseln entdeckt. Ohne einen Groschen in der Tasche.

Ich will ja jetzt nicht unbedingt den Nationalrat an die Wand stellen - aber eine 2 Mio € teure Homepage ???? Seids deppat?!

Ich hätte die Homepage von einer Informatik-Studienklasse erarbeiten lassen, unter der Rubrif "learning by doing"

Ihr habt einen Dachschaden im Parlament. Das weiß aber eh schon ein jeder >> https://www.youtube.com/watch?v=v... SslW8&hd=1

donna corleona
02
25.10.2011, 15:15

Der Rechnungshof prüft, konstatiert, kritisiert - wieder einmal .... Und was nun? Gibt es irgendwelche Konsequenzen? Übernimmt irgendjemand die Verantwortung?

Shi Zuma
00
27.10.2011, 15:18

Willkommen in Österreich :)

Lechner Franz
 
02
25.10.2011, 14:46
Im Vergleich zur Parlaments-HP

war sogar dem KHG seine HP ein Schnäppchen. Es stellt sich der Verdacht ein, dass Steuergelder verschwendet und Günstlinge bedient werden. Man sollte dem Verdacht nachgehen.

lumpi 01
03
25.10.2011, 14:10
irgendwie hab' ich einen Fehler gemacht,

nur Kunden in der Privatwirtschaft zu haben...

chaimele
21
25.10.2011, 13:38
ich glaub´s net

das gibt es doch nicht, einen internetauftritt um mehr diese geld. frei nach dem motto: is eh net mei geld, was kost die welt? ja sind denn die ang´rennt. und dann wundern wir uns über kürzungen, studiengebührforderungen, undundund.
es gibt genügend menschen, die webdesign studieren und im rahmen eines projektes seiten professionell, nach den neuesten weggrundsätzen und vor allem kostengünstig machen können.

die wundersame emanation ihres verliebens
11
25.10.2011, 11:23

die kannst du allesamt nichts machen lassen ohne dass ein scheiss dabei rauskommt...

Was brauchen die überhaupt einen internet auftritt ohne zählbare oder sinnvolle inhalte. Wenn ich aufs klo gehe, twittere ich auch nicht darüber.

The Use and Abuse of Social Science
00
19.1.2012, 00:29
Ohne Ihnen "im Kern" widersprechen zu wollen, aber:

a) Auf der einen Seite transparente Politik erwarten (ich nehme einfach mal an, dass Sie das auch irgendwie tun) und auf der anderen Seite die Notwendigkeit eines Internetauftritts in Frage stellen, passt halt auch nicht so recht zusammen, oder?

b) Das "sinnvoll" ist ja noch nachvollziehbar, aber wie zählen Sie Inhalte und was genau versprechen Sie sich davon?

Als leidgeplagte Dienstgeber der politischen Kaste ist es, denke ich, nicht zu viel von uns verlangt, dass wir dem Verderben der politischen Kultur durch unpräzises Kritisieren nicht auch noch Vorschub leisten. Wenn die einen tun was sie wollen und die anderen dann auch noch schlecht reden was sie wollen, dann befinden wir uns sehr bald in einem politischen Nirvana.

Moneymaker
16
25.10.2011, 10:39
Danke Frau Prammer, für den sparsamen und vorbildhaften Umgang mit Steuergeldern!

Carlos Clementin
23
25.10.2011, 09:44

Von den gesamten 2 Mille fliesst gut 1 Mille wieder an Steuern zurück zur Raubburg.
Dass das Parlairment schon Mitmenschen nimmt ... zum Ko..en. Typisch EDV ....

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