Mit dem Renn-Rollstuhl zu den Paralympics

Ansichtssache6. November 2011, 18:56
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foto: christian pinkernell

Viermal in der Woche, je zwei Stunden, trainiert Christian Pinkernell derzeit mit seinem Handbike. ‟Das ist jetzt nur mehr Hobby-Sport-Pensum.“ Intensiver trainiert hat er noch, bevor er 1992 bei den Paralympics in Barcelona mit dem Renn-Rollstuhl startete. ‟Beruflich bedingt musste ich mit dem Leistungssport aufhören, habe auf das Handbike umgesattelt, fahre aber inzwischen Wettkämpfe.“ Das Reizvolle am Handbike ist, dass er damit mit den Radfahrern mitfahren kann – ‟wenn die halt trainiert sind“, sagt der Niederösterreicher mit den starken Armen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit, die bei rund 30 km/h liegt, kann nicht jeder mithalten.

Mit 19 Jahren hatte Christian Pinkernell einen Verkehrsunfall, bei dem er als Beifahrer aus dem Fahrzeug geschleudert wurde und sich dabei den achten Brustwirbel um 19 Zentimeter verschob. Inzwischen sitzt er seit fast 20 Jahren im Rollstuhl.

Die Motivation, Besonderes zu leisten, hat sich der Wiener Neustädter nicht nehmen lassen. Neben seiner sportlichen Karriere führt er ein Musiklokal, arbeitet seit 1996 in der Rehabranche, berät Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten und hält Vorträge über das Leben im Rollstuhl.

‟Beim Thema Mobilität müssen wir natürlich auch den Rollstuhl selbst anführen“, sagt Christian Pinkernell. Wie wichtig es ist, im richtigen Rollstuhl zu sitzen, zeigt er auch gesunden Menschen, die darüber entscheiden, welchen Rolli die Krankenkasse genehmigt. ‟Wenn ich jemanden, der sagt, welcher Rollstuhl für wen ausreicht, in genau einen solchen Rollstuhl setze, erreiche ich mehr als mit Worten. Ein schwerer Rollstuhl ist eben nicht nur billig, sondern auch unhandlich und erschwert einem das Leben“, fängt Christian Pinkernell an, eine Reihe von Erfolgsgeschichten zu erzählen. Von der Dame, die über die Bewilligungen entscheidet und nach zwei Stunden, völlig ermattet, verstanden hat, warum nicht alle Rollstühle gleich sind. Oder von der jungen Dame, die, um ihr Verständnis zu erhöhen, einmal versuchen wollte, ein paar Stunden im Rollstuhl zu leben. ‟Dass sie Türglocken nicht erreichen konnte, oder beim Einkauf bestimmte Waren außer Reichweite waren, damit hat sie ja gerechnet. Als wir aber einen Kaffee trinken waren und sie auf die Toilette musste, habe ich selbst groß geschaut. Die Toiletten waren im Keller – die Stufen runter. Aufstehen wollte sie nicht, also ließ sie sich von zwei Kellnern in den Keller und wieder rauf tragen. Den beiden hat das aber eh recht gefallen, glaub ich, weil die Dame auch noch schlank und recht fesch war.“

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