Der nächste große Wurf von KTM

24. Oktober 2011, 16:53
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Ohne viel Wirbel bringt KTM mit der Freeride 350 ein neues Motorrad auf den Markt. Sie ist fesch, federleicht und wird wohl neue Kunden zu KTM bringen

Beim Trial-Lauf in Lunz steht ein kleiner Junge vor einer der Sonderprüfungen, schaut mit offenem Mund zu, bewundert die Fahrer. Nach einer Abfahrt und der darauffolgenden Auffahrt liegt einem das Wort Schlucht auf der Zunge. Dem jungen Piloten liegt auch bald was auf der Zunge – der Waldboden nämlich. Die Erde ist feucht und rutschig, die Prüfung unglaublich schwer, der Ehrgeiz der Fahrer grenzenlos. Während sich der Trialfahrer, der vielleicht gerade einmal 20 Jahre alt ist, die Äste aus dem Helm operiert, hat sich seine Sherco an einem Baum den Heckkotflügel gebrochen. Dieser hat aber eh schon vor dem Lauf nur mehr Racetape am Motorrad gehalten.

Gemeinsam mit einem Mitstreiter bugsiert der Pilot seine Trial wieder auf den tiefsten Punkt der Prüfung. Diesmal steigt sein Kollege auf, der gerade einmal eine Minute zuvor den Steilhang mit seinem eigenen Motorrad und einem schönen Sprung verlassen hat. Auch er scheitert. Am gleichen Baum mit dem gleich verdrehten Bürzel liegt die Sherco da und wartet auf Rettung. Der kleine Junge, der die Szene beobachtet, ist sichtlich fasziniert.

Gemma Kathl foarn
Erst als die Jungs die Trial über eine einfachere Ausfahrt aus der Schlucht schießen, dreht sich der Junge zu seinem Vater und sagt: ‟Motocross ist geiler. Gemma heute eh noch mit der Kathl fahren. Jetzt wo du sie mir gerichtet hast. Weil beim Fernschauen schlafst eh wieder gleich ein."

Keiner der Trialfahrer würde je sagen: ‟Gemma Gas Gas, Sherco, Ossa oder Montesa fahren." Wenn ich Enduro fahren gehe, dann breche ich nicht auf, um die Yamaha zu brechen. Und wenn ich auf den Ring fahre, dann hat das auch nichts mit der Marke zu tun. Was ich da so kompliziert sagen will: KTM hat sich so stark in das beinharte Offroad-Geschäft gesetzt, dass der Sport selbst schon zur Marke wird. Außer einem Rotztüchlhersteller in Deutschland, einem heimischen Stierhodensaft, einem Lippenwix und einem Apfelsaft-Hersteller – zumindest in Teilen Österreichs fällt mir ad hoc kaum jemand ein, der seine Marke so stark besetzt.

KTM Freeride 350
Das ist auch der Grund, sagen viele, dass KTM heute überhaupt noch existiert. Der X-Bow war kein Geldbringer, die RC 8 verkauft sich auch nicht gerade wie die warmen Semmeln, aber im Offroadsport wirst schief angeschaut, wenn du keine KTM anschmeißt. Und was macht KTM nun mit diesem Namen? Die KTM Freeride 350!

Die Freeride 350 wird erstmals auf der EICMA in Milano vorgestellt. Sie ist eine Enduro, die spielerischer ist, leichter handzuhaben – kein Extremracer. ‟Das Motorrad hat grundsätzlich dieselben Gene jeder KTM-Wettbewerbsenduro und ist doch so anders", heißt es von KTM.

KTM Superleggera
Nur 99 Kilogramm wird die Freeride wiegen – trotz Doppelrohrauspuff – und von einem 24 PS starken, 350 Kubikzentimeter großen Einzylinder angetrieben. Die Freeride lässt sich für den Betrieb auf der Straße zulassen – und ich bin mir sicher, mit wenigen Handgriffen auch aufmachen, damit sie rennt wie eine hergerichtete 350er EXC. Die Federelemente kommen natürlich von WP und sollen wegstecken, was auch jede Hardenduro schafft.

Auffällig sind die Reifen der Freeride. Sie erinnern an die Patschen, die Trial-Motorräder tragen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Endloser Grip auch in schwierigen Passagen. Der Nachteil: Die Stollen schmieren im Gatsch schnell zu – fragen Sie Trial-Athleten aus Lunz.

Der Marke wird die Freeride gut tun - auch wenn wir Details erst Anfang November erfahren werden. Sie sieht umwerfend gut aus, wird neue Fahrer ins Gelände bringen und mit ihrem geringen Gewicht sicher viel Spaß machen. Die Freeride ist also ein Wurf. Aber worauf wir wirklich schon hart warten, liebe KTMler, das ist die Elektro-Enduro. Also bitte her damit!

Link:

KTM

  • Die Freeride 350 wird unwegsames Gelände gerade für Neueinsteiger zur Autobahn machen, und jenen, die eine leichte Enduro fürs Wochenende und den Weg zur Arbeit suchen, das ideale Motorrad sein.
    foto: ktm

    Die Freeride 350 wird unwegsames Gelände gerade für Neueinsteiger zur Autobahn machen, und jenen, die eine leichte Enduro fürs Wochenende und den Weg zur Arbeit suchen, das ideale Motorrad sein.

  • Unter 100 Kilogramm wird die Freeride 350 wiegen.
    foto: ktm

    Unter 100 Kilogramm wird die Freeride 350 wiegen.

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